Weltwirtschaftswachstum
IWF warnt vor Risiken eines Brexit

Das Wirtschaftswachstum in aller Welt stagniert. Der Internationale Währungsfonds muss seine Prognose erneut nach unten korrigieren und warnt vor weiteren schweren Fehler in der Politik wie einem EU-Aus Großbritanniens.

Washington/BerlinEin möglicher Austritt Großbritanniens aus der EU stellt nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft dar. „Ein „Brexit“ kann zu erheblichen regionalen und weltweiten Schäden führen, indem er traditionelle Handelsbeziehungen unterbricht“, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld am Dienstag in Washington. „Es ist schwer zu erkennen, wie das positiv werden könnte.“ Weltweit belasteten zudem politische Unsicherheiten das Wachstum, warnte Obstfeld, als er den Weltwirtschafts-Ausblick für die nächsten Jahre vorstellte.

Im Falle eines Austritts-Votums beim Referendum der Briten am 23. Juni würde sich ein zwei Jahre langer Neuverhandlungs-Marathon anschließen. Der seit Beginn der 1970er Jahre andauernde Trend, dass Großbritannien mehr und mehr mit den anderen europäischen Ländern kooperiere, würde gestoppt. Es wäre überraschend, wenn die Reduzierung europäischer Integration zu neuem Wachstum führen würde, sagte Obstfeld.

Das weltweite Wirtschaftswachstum sei zu lange zu schwach gewesen. „Schwächeres Wachstum heißt weniger Raum für Fehler“, sagte der IWF-Chefökonom und richtete einen eindringlichen Appell an Regierungen in aller Welt. „Wir sind nicht im Alarmzustand, aber im Stadium der Wachsamkeit“, betonte er.

Beim IWF steigt angesichts immer größerer Risiken die Sorge um das weltweite Wachstum. Am Dienstag nahm er zum zweiten Mal binnen weniger Monate seine Prognosen zurück. Die globale Wirtschaftsleistung soll in diesem Jahr statt um 3,4 nur noch um 3,2 Prozent zulegen, im nächsten statt um 3,6 um 3,5 Prozent.

Ob das tatsächlich erreicht werde, sei unsicher. Grund dafür seien Unwägbarkeiten wie die Schwäche Chinas, die Brexit-Debatte oder die Flüchtlingskrise mit den Problemen in Syrien. „Der globale Aufschwung setzt sich fort, aber mit einer immer weiter nachlassenden Tempo und immer fragiler“, sagte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld.

Auch für Deutschland senkte der IWF seine noch im Januar erhöhten Erwartungen wieder. Er rechnet mit einer Steigerung der Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent in diesem und um 1,6 Prozent im nächsten Jahr – genauso viel wie für die Euro-Zone. Damit wurden die bisherigen Prognosen um jeweils 0,2 und 0,1 Punkte gesenkt.

Schaden könne auch die politische Diskussion im US-Wahlkampf. Bewerber wie Donald Trump stellen globale und regionale Handelsabkommen in Frage. Der Blick richte sich zunehmend nach innen und drohe in Protektionismus zu münden, sagte Obstfeld.

Im Januar hatte der IWF noch ein weltweites Wachstum von 3,4 Prozent für 2016 und von 3,6 Prozent für 2017 vorhergesagt. Grund für die nun abgesenkte Prognose seien neben politischen Unsicherheiten und wachsenden Risiken auf den Finanzmärkten vor allem Probleme in Schwellen- und Entwicklungsländern.

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