
BERLIN. China ist 2009 erstmals auch größter Handelspartner des Irans geworden. Das Reich der Mitte hat damit den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union den Rang abgelaufen. Zwar hat nach offiziellen persischen Angaben der iranische Handel mit Peking 2009 insgesamt nur 29 Mrd. Dollar ausgemacht, während er mit den EU-Ländern 35 Mrd. Dollar betragen habe. Aber laut Maschid-Reza Hariri, Vizechef der iranisch-chinesischen Handelskammer, müsste mehr als die Hälfte des iranischen Außenhandels mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), der 15 Mrd. Dollar ausgemacht hatte, zum Handel Chinas mit Iran hinzugerechnet werden. Das würde den iranischen Außenhandel mit China auf rund 36,5 Mrd. Dollar hochschnellen lassen - und damit wäre Europa übertrumpft.
Auch die deutschen Ausfuhren nach Persien waren 2009 rückläufig: In den ersten elf Monaten gingen sie auf 3,3 Mrd. Euro gegenüber 3,6 Mrd. Euro im Vorjahresvergleichzeitraum zurück, wie das Statistische Bundesamt dem Handelsblatt mitteilte.
Die Daten zum Handel mit Iran sind politisch brisant, weil wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms deutlich verschärfte Sanktionen gegen Teheran beraten werden. Während die Bundesregierung zu einem schärferen Vorgehen gegen Irans Führung bereit ist, um sie zum Einlenken zu bringen, reagiert China bisher eher ausweichend.
Einer der Gründe ist, dass China elf Prozent seines Energiebedarfs durch Öl-Importe aus Iran deckt. Chinesische Energiekonzerne bauen dabei ihr Engagement in Persien weiter aus: So soll sich der Ölriese Sinopec laut iranischen Agenturmeldungen einen 6,5 Mrd. Dollar umfassenden Vertrag zum Bau von Raffinerien dort in einem Vorvertrag gesichert haben. Die Versorgung mit Benzin ist eine Achillesferse der iranischen Wirtschaft: Denn obwohl das Land der zweitgrößte Ölförderer aller Opec-Staaten ist, muss Teheran wegen mangelnder Verarbeitungskapazitäten immer noch sehr viel Benzin und Diesel importieren.
Die Handelszahlen mit dem Mullahregime sind allerdings umstritten: Denn inzwischen sollen nach Angaben aus Industriekreisen viele chinesische Lieferungen nach Iran auch teilweise in erheblichem Umfang westliche Exporte enthalten. So würden zwar Aufträge im Anlagenbau in Iran verstärkt an chinesische Firmen vergeben, diese aber müssten laut den Verträgen wichtige westliche Komponenten enthalten, auch deutsche. Dies sei auch so beim Verkauf chinesischer Busse und Lastwagen, in die zuvor europäische Motoren eingebaut worden seien.
Europäische, deutsche und amerikanische Firmen stehen zudem ebenso wie chinesische Unternehmen in Verdacht, Ausfuhren nach Iran über die VAE umzuleiten. In Dubai und Abu Dhabi haben viele iranische Ex- und Importeure sowie Teheraner Banken ihren Sitz oder Filialen.