Wirtschaft nach dem Brexit
Großbritanniens Reise ins Ungewisse

Die Brexit-Befürworter jubilieren. Monate nach dem Votum zum Austritt aus der EU sehen einige der britischen Frühindikatoren gut aus. Doch der Schein könnte trügen – die größten Konsequenzen stehen noch bevor,

LondonKrieg, Völkermord und Armut – so umschreibt der Chef der britischen Pub-Kette Wetherspoon, Tim Martin, die von Brexit-Gegnern befürchteten wirtschaftlichen Folgen des beschlossenen EU-Austritts. Das alles habe sich als falsch erwiesen, referiert der glühende Brexit-Befürworter genüsslich in einem Interview der BBC etwa zweieinhalb Monate nach dem Referendum.

Und er hat teilweise Recht. Denn abgesehen davon, dass Martin die Warnungen der Brexit-Gegner reichlich übertrieben darstellt, sind die erwarteten Negativfolgen der Brexit-Entscheidung in weiten Teilen ausgeblieben. Zumindest vorerst. Die Arbeitslosigkeit sank nach dem Brexit-Votum auf ein Rekordtief, Stimmungsindikatoren zeigten zuletzt auf Wachstum in der Industrie, aber auch im wichtigen Dienstleistungssektor. Der Einzelhandel zeigte sich stabil. Die Börsen erholten sich zügig von anfänglichen Kursstürzen. Das Pfund verlor zwar erheblich an Wert, aber der große Schock blieb aus.

Teilweise, so glauben Ökonomen, liegt das am entschiedenen Handeln der britischen Notenbank „Bank of England“, die den Leitzins auf den historisch niedrigen Wert von 0,25 Prozent senkte. Notenbank-Chef Mark Carney kündigte an, weitere Schritte zu unternehmen, falls nötig. Beobachter halten eine weitere Senkung des Leitzinses noch in diesem Jahr für möglich. Andere, wie Tim Martin, sehen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass der Brexit keineswegs negative Folgen für die britische Wirtschaft haben wird.

Doch das Bild ist bei weitem nicht so klar, wie es in der Welt des Pub-Königs erscheint. Obwohl es als sehr wahrscheinlich gilt, dass der niedrige Pfundkurs der Exportwirtschaft helfen wird, schlägt sich das in Zahlen bisher nicht nieder. Die Exporte gingen im Juli im Vergleich zum Vormonat um 3,1 Prozent zurück.

Und harte Zahlen zeichnen ein anderes Bild als mancher Stimmungsindikator: Die Produktion in der herstellenden Industrie ging im Juli um 0,9 Prozent zurück. Und die relativ guten Zahlen der Autohersteller – 5,7 Prozent Wachstum im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat – verbergen, dass es auch hier einen Rückgang im Export gegeben hat. Ein Trend, der sich verstärken könnte, falls Großbritannien tatsächlich aus dem Binnenmarkt ausscheiden sollte, wie einige hartgesottene Brexit-Befürworter fordern.

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