Wirtschafts-Experten
Grexit würde Europa gefährden

Der Leiter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft warnt vor einem Grexit. Dieser Schritt wäre risikoreich und die politischen Folgen unkontrollierbar. Europa könnte destabilisiert werden.
  • 12

KielEin Ausstieg Griechenlands aus dem Euro kann nach Einschätzung des US-Ökonomen Prof. Dennis Snower Europa destabilisieren. „Ein Grexit wäre sehr risikoreich, und vor allem die politischen Folgen lassen sich kaum abschätzen“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft am Mittwoch in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Nach der Rückkehr zur Drachme und einer Staatspleite könnte Griechenland nur mit einem Verzicht auf die Rückzahlung seiner gigantischen Schuldenlast sowie mit europäischen Finanzhilfen überhaupt wieder vorankommen.

Kurzfristig wären die ökonomischen Folgen eines Grexit für den Rest der Euro-Zone überschaubar, „aber für Griechenland wären auch schon die kurzfristigen Wirkungen schmerzlich“, sagte Snower. Wenn ein Grexit nicht durch Europa abgefedert würde, „droht Griechenland zu einem politisch und ökonomisch instabilen Staat zu werden“. Davon gingen dann auch Gefahren für die wirtschaftliche und politische Stabilität des übrigen Europa aus. Bei einer länger anhaltenden politischen und ökonomischen Instabilität in Griechenland sei auch die Konjunktur in anderen europäischen Ländern gefährdet - durch die entstehende Unsicherheit, die das Investitionsklima ausbremse.

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat vor einem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone gewarnt. "Würden wir jetzt sagen 'Schluss', dann wären für Deutschland auf einen Schlag etwa 70 Milliarden Euro verloren", sagte Fratzscher der "Saarbrücker Zeitung" (Mittwochsausgabe). Zwar sei die Wahrscheinlichkeit eines Griechenland-Bankrotts größer geworden. "Aber damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass alle Seiten realisieren, dass es nur Verlierer mit einem Grexit gibt", fügte Fratzscher hinzu.

"Was, wenn es zu Ansteckungseffekten kommt?", warnte der DIW-Chef. Schließlich habe auch Italien "riesige Probleme". Fratzscher verwies auf die Erfahrungen mit dem US-Geldinstitut Lehman Brothers. "Diese Bank ließ man 2008 pleite gehen nach der Devise, das können wir schon verkraften, doch der Schaden war weltweit zu spüren", sagte Fratzscher. "Wir sitzen alle in einem Boot", mahnte der Ökonom. "Entweder wir verlieren alle, und Griechenland wird der Hauptverlierer sein, oder wir gewinnen alle".

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer warnte Griechenland unterdessen davor, auf die Angst der Euro-Partner vor einem Grexit zu setzen. Es werde "keine leichtfertigen Kompromisse geben, nur um Griechenland im Euro zu halten", sagte Scheuer der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Mittwochsausgabe). Die griechische Regierung habe "den Ernst der Lage offensichtlich noch nicht begriffen".

"Die benehmen sich wie die Faxen-Macher in der letzten Bank im Klassenzimmer, obwohl sie schon von allen Seiten die verschärften Hinweise bekommen haben, dass das Erreichen des Klassenziels gefährdet ist", kritisierte Scheuer. Bisher habe die griechische Regierung zu wenig unternommen, um im Euroraum zu bleiben. "Die rote Linie ist in Sicht", warnte der CSU-Politiker.

Griechenland und die internationalen Geldgeber verhandeln seit Monaten über die Bedingungen für die Auszahlung ausstehender Finanzhilfen von 7,2 Milliarden Euro. Eine Einigung ist nicht in Sicht, allerdings drängt die Zeit, da das laufende Hilfsprogramm am Monatsende endet. Ohne neue Kredite droht Griechenland der Bankrott und womöglich der Austritt aus der Eurozone. Am Donnerstag und Freitag tagen die Euro-Finanzminister, am Wochenende könnte nach Angaben aus EU-Kreisen ein EU-Sondergipfel stattfinden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wirtschafts-Experten : Grexit würde Europa gefährden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Grexit würde Europa gefährden"

    Nein, unsere nationale und die EU-"Politik", besser die Lobby-"Politik", gefährdet Europa !

  • Neues aus Absurdistan
    -----------------
    Tsipras pilgert nach Moskau um Putin um Geld zu bitten.
    Tsipras droht der EUdSSR, den Gashahn (Turk-Steam) abzudrehen, wenn sie ihn nicht finanziell unterstützen.
    Tsipras pilgert nach Peking und bieten den Chinesen auch den 2. Hafen von Piräus zum symbolischen Preis von einen Yuan an.

    Bei den Eurokraten ist Tsipras gescheitert. Sie weigern sich, ihn finanziell zu unterstützen.
    Irland, Portugal, Spanien und Zypern haben die Forderungen der Troika erfüllt und haben die Kriese überwunden.
    Griechenland weigert sich.

    Jetzt meldet sich sogar Siggi Pop (SPD zu Wort. Bisher hatte die SPD immer "Euro-Bonds und eine Schulden- und Transfer-Union gefordert".
    Jetzt fordern er ein Einknicken vor den Kapitalisten.

    Wie sagte schon Merkel: "Scheitert Griechenland, dann scheitert (T)Europa".
    Und wenn (T)Europa scheitert, dann gibt es KRIEG!
    Ich (Merkel) werde ALLES tun, um Griechenland im (T)Euro zu halten, und koste es dem (deutschen) Steuerzahler was es wolle. Das ist "alternativlos!".

  • Last Exit Grexit
    ----------------
    Die Eurokraten zittern vor Angst.
    Nachts wachen sie schweißgebadet auf und sind einem Herzkasper nahe.
    Der Grexit ist für sie ein Albtraum der niemals Realität werden darf.
    Griechenland stellt immerhin fas 2% der Wirtschaftsleistung der EUdSSR.
    Und der (T)Euro ist ein "Segen" für die Menschheit.

    Griechenland ist die "Wachstumsmaschine der EUdSSR. Sie schleppt die "Pleitestaaten" wie Deutschland mit durch.
    Ohne Griechenland wäre Deutschland schon längst 3. Welt - wie Somalia.
    [b]Wo? In einem Paralleluniversum!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%