Wirtschafts-Experten Grexit würde Europa gefährden

Der Leiter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft warnt vor einem Grexit. Dieser Schritt wäre risikoreich und die politischen Folgen unkontrollierbar. Europa könnte destabilisiert werden.
Update: 17.06.2015 - 04:09 Uhr 12 Kommentare
Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, warnt vor den Folgen eines Grexits. (Archivbild) Quelle: dpa
Dennis Snower

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, warnt vor den Folgen eines Grexits. (Archivbild)

(Foto: dpa)

KielEin Ausstieg Griechenlands aus dem Euro kann nach Einschätzung des US-Ökonomen Prof. Dennis Snower Europa destabilisieren. „Ein Grexit wäre sehr risikoreich, und vor allem die politischen Folgen lassen sich kaum abschätzen“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft am Mittwoch in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Nach der Rückkehr zur Drachme und einer Staatspleite könnte Griechenland nur mit einem Verzicht auf die Rückzahlung seiner gigantischen Schuldenlast sowie mit europäischen Finanzhilfen überhaupt wieder vorankommen.

Kurzfristig wären die ökonomischen Folgen eines Grexit für den Rest der Euro-Zone überschaubar, „aber für Griechenland wären auch schon die kurzfristigen Wirkungen schmerzlich“, sagte Snower. Wenn ein Grexit nicht durch Europa abgefedert würde, „droht Griechenland zu einem politisch und ökonomisch instabilen Staat zu werden“. Davon gingen dann auch Gefahren für die wirtschaftliche und politische Stabilität des übrigen Europa aus. Bei einer länger anhaltenden politischen und ökonomischen Instabilität in Griechenland sei auch die Konjunktur in anderen europäischen Ländern gefährdet - durch die entstehende Unsicherheit, die das Investitionsklima ausbremse.

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat vor einem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone gewarnt. "Würden wir jetzt sagen 'Schluss', dann wären für Deutschland auf einen Schlag etwa 70 Milliarden Euro verloren", sagte Fratzscher der "Saarbrücker Zeitung" (Mittwochsausgabe). Zwar sei die Wahrscheinlichkeit eines Griechenland-Bankrotts größer geworden. "Aber damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass alle Seiten realisieren, dass es nur Verlierer mit einem Grexit gibt", fügte Fratzscher hinzu.

Griechenland-Rettung bis Donnerstag? Merkel ratlos

"Was, wenn es zu Ansteckungseffekten kommt?", warnte der DIW-Chef. Schließlich habe auch Italien "riesige Probleme". Fratzscher verwies auf die Erfahrungen mit dem US-Geldinstitut Lehman Brothers. "Diese Bank ließ man 2008 pleite gehen nach der Devise, das können wir schon verkraften, doch der Schaden war weltweit zu spüren", sagte Fratzscher. "Wir sitzen alle in einem Boot", mahnte der Ökonom. "Entweder wir verlieren alle, und Griechenland wird der Hauptverlierer sein, oder wir gewinnen alle".

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer warnte Griechenland unterdessen davor, auf die Angst der Euro-Partner vor einem Grexit zu setzen. Es werde "keine leichtfertigen Kompromisse geben, nur um Griechenland im Euro zu halten", sagte Scheuer der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Mittwochsausgabe). Die griechische Regierung habe "den Ernst der Lage offensichtlich noch nicht begriffen".

"Die benehmen sich wie die Faxen-Macher in der letzten Bank im Klassenzimmer, obwohl sie schon von allen Seiten die verschärften Hinweise bekommen haben, dass das Erreichen des Klassenziels gefährdet ist", kritisierte Scheuer. Bisher habe die griechische Regierung zu wenig unternommen, um im Euroraum zu bleiben. "Die rote Linie ist in Sicht", warnte der CSU-Politiker.

Griechenland und die internationalen Geldgeber verhandeln seit Monaten über die Bedingungen für die Auszahlung ausstehender Finanzhilfen von 7,2 Milliarden Euro. Eine Einigung ist nicht in Sicht, allerdings drängt die Zeit, da das laufende Hilfsprogramm am Monatsende endet. Ohne neue Kredite droht Griechenland der Bankrott und womöglich der Austritt aus der Eurozone. Am Donnerstag und Freitag tagen die Euro-Finanzminister, am Wochenende könnte nach Angaben aus EU-Kreisen ein EU-Sondergipfel stattfinden.

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12 Kommentare zu "Wirtschafts-Experten : Grexit würde Europa gefährden"

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  • "Grexit würde Europa gefährden"

    Nein, unsere nationale und die EU-"Politik", besser die Lobby-"Politik", gefährdet Europa !

  • Neues aus Absurdistan
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    Tsipras pilgert nach Moskau um Putin um Geld zu bitten.
    Tsipras droht der EUdSSR, den Gashahn (Turk-Steam) abzudrehen, wenn sie ihn nicht finanziell unterstützen.
    Tsipras pilgert nach Peking und bieten den Chinesen auch den 2. Hafen von Piräus zum symbolischen Preis von einen Yuan an.

    Bei den Eurokraten ist Tsipras gescheitert. Sie weigern sich, ihn finanziell zu unterstützen.
    Irland, Portugal, Spanien und Zypern haben die Forderungen der Troika erfüllt und haben die Kriese überwunden.
    Griechenland weigert sich.

    Jetzt meldet sich sogar Siggi Pop (SPD zu Wort. Bisher hatte die SPD immer "Euro-Bonds und eine Schulden- und Transfer-Union gefordert".
    Jetzt fordern er ein Einknicken vor den Kapitalisten.

    Wie sagte schon Merkel: "Scheitert Griechenland, dann scheitert (T)Europa".
    Und wenn (T)Europa scheitert, dann gibt es KRIEG!
    Ich (Merkel) werde ALLES tun, um Griechenland im (T)Euro zu halten, und koste es dem (deutschen) Steuerzahler was es wolle. Das ist "alternativlos!".

  • Last Exit Grexit
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    Die Eurokraten zittern vor Angst.
    Nachts wachen sie schweißgebadet auf und sind einem Herzkasper nahe.
    Der Grexit ist für sie ein Albtraum der niemals Realität werden darf.
    Griechenland stellt immerhin fas 2% der Wirtschaftsleistung der EUdSSR.
    Und der (T)Euro ist ein "Segen" für die Menschheit.

    Griechenland ist die "Wachstumsmaschine der EUdSSR. Sie schleppt die "Pleitestaaten" wie Deutschland mit durch.
    Ohne Griechenland wäre Deutschland schon längst 3. Welt - wie Somalia.
    [b]Wo? In einem Paralleluniversum!

  • @ Herr Tom Schmidt -

    >> Das überraschende war dabei, dass Thema Grexit gibt es da nicht einmal, geschweige denn, dass die Weltwirtschaft oder Europa wegen Griechenland ein Problem hätte. >>

    Seit wann hat ein Urlaub in den Polnischen Bergen einen Einfluss auf das Griechenproblem oder wäre ein Indikator dafür............?

    Sind Sie da nicht evtl. auf den Kopf gefallen :-)..............?

  • Schon interessant, daß der Leiter eines WWI - und wenn es auch nur das aus Kiel ist - einen solchen Unsinn von sich gibt. Wenn der Austritt eines Landes, daß wirtschaftlich so bedeutend ist wie Liechtenstein - wenn überhaupt - zur Destabilisierung "Europas" - gemeint ist ja wohl die EU mit ihren nicht gewählten bürokratischen Institutionen - führt, dann muß diese EU ja eine sehr wacklige Konstruktion sein, auf die man gerne verzichten kann.

  • Was für ein Blödsinn.

    Ich habe gerade Urlaub in Polen gemacht (u.a. Tatra, sehr schöne Berge und auch sehr günstig!)

    Das überraschende war dabei, dass Thema Grexit gibt es da nicht einmal, geschweige denn, dass die Weltwirtschaft oder Europa wegen Griechenland ein Problem hätte.

    Ergo: ein paar Lobbyisten schreien da wo es was zu holen gibt, mehr nicht!

  • ein Grexit würde nicht Europa gefährden, sondern die Eurozone. Der Euro ist aber so oder so gescheitert. Möglicherweise wird auch die EU gefährdet, wahrscheinlich aber noch stärker, wenn wir so weiter machen. Eine europäische Einigung wäre dann wohl den Bürgern überhaupt nicht mehr zu vermitteln. Deshalb ist es ja so fatal, dass nichts zur Rettung des Euros unternommen wurde, nur zur Rettung von Banken, Spekulanten und Poltikern. Die werden aber am Ende alle scheitern. Unter normaler Bilanzierung müßten bereits jetzt hohe Abschreibungen vorgenommen werden. Zu behaupten das Problem wäre ein sofortiger hoher Verlust, geht an der Sache vorbei. Die Forderungen werden wir massiv abschreiben müssen. Wenn wir dem schlechten Geld jetzt noch gutes hinter her werfen, müssen wir um so mehr abschreiben. Auch wenn die Politiker dazu neigen die Zinsen auszusetzen und die Tilgung auf Sanktnimmerlein zu verschieben, so bedeutet das jedes Jahr Abschreibungen in Höhe der nicht gezahlten Zinsen und Tilgung, denn diese Beträge fehlen ja in den Haushalten der Gläubiger. Nicht nur der Grexit ist also risikoreich und die politischen Folgen unkontrollierbar, sondern auch ein Weitermachen wie bisher. Dabei haben die bisherigen Regierungen ja wenigsten noch so getan, als ob sie wirkliche Reformen durchführen wollen. Die Sozialisten/Kommunisten haben ja nicht mal das mehr nötig. Die politische Karte zieht auch nicht, denn wollen wir uns im Ernstfall wirklich auf solche Verbündete verlassen?

  • >> Nach der Rückkehr zur Drachme und einer Staatspleite könnte Griechenland nur mit einem Verzicht auf die Rückzahlung seiner gigantischen Schuldenlast sowie mit europäischen Finanzhilfen überhaupt wieder vorankommen >>

    Ein Verzicht auf Rückzahlung griechischer Schulden steht auch ohne Grexit an : die Griechen sind Pleite und diese Pleite wird zur Zeit durch die EU verschleppt.

    Griechenland hat mit der Drachme vor der EU existiert und wird auch nach einem Grexit existieren. Ihre Existenz verantworten sie dann allerdings selbst, was den Griechen auch zugute kommt.

    Die Meldungen der sogenannten Ökonomen dienen allerdings dazu, den Völkern der EU den VERBLEIB Griechenlands in der EUtopia plausibel zu machen, sonst nichts.

    Genau so wird es auch kommen : den Politisch wäre ein Grexit eine Pleiteerklärung vor allem Merkels, und damit auch ihr Abgang.

  • Cui bono ? Es mehren sich die Berichte, in denen Ökonomen vor den Gefahren eines Grexit warnen.
    Dabei werden im wesentlichen drei Argumente gegen ein Ausscheiden aus der Eurozone angeführt.
    Erstens wird davor gewarnt, daß Griechenland im Falle eines Grexit sich wirtschaftlich nicht mehr erholen und demzufolge auch seine Schulden nicht mehr begleichen könne. Zweitens bestehe eine Ansteckungsgefahr für sonstige Länder der Eurozone, insbesondere für Italien und Spanien. Drittens drohe Griechenland im Falle eines Grexit die völlige wirtschaftliche wie politische Intabilität.
    Bei allem Respekt vor " Expertenmeinungen " vermag bei nüchterner Betrachtung keiner der aufgeführten Gründe zu überzeugen : Bereits heute steht fest, daß Griechenland selbst bei einem erneuten Schuldenschnitt seine Verbindlichkeiten nicht erfüllen kann. Eine Ansteckungsgefahr für andere Staaten besteht im Gegenteil erst dann, wenn Griechenland für eine Politik der offensichtlichen Reformunwilligkeit mit dem Verbleib in der Währungsunion honoriert wird. Schließlich handelt es sich bei Griechenland bereits heute schon um einen wirtschaftlich wie politisch destabilen Staat, der keiner Weise als verläßlicher oder berechenbarer Partner in der EU betrachtet werden kann.

  • Mit der Verbreitung von Angst konnte man schon immer Politik machen.... Aber der Euro geht wegen eines Grexits nicht unter, im Gegenteil, es würde ihn stärken. Kurzfristig könnte es zu instabilen Verhältnissen in Griechenland kommen, aber den Griechen muss klar gemacht werden, was für eine Laienschauspieltruppe sie gewählt haben. Bei einem Grexit ist der Rest des Euro-Raumes natürlich gefordert. Es darf nicht sein, dass dort Menschen verhungern. Deshalb muss die Politik auf ein soches Szenario vorbereitet sein. Dazu gehört aber auch, dass man sich einen Zugriff auf griechische Gelder weltweit sichert und Kapitalverkehrskontrollen unverzüglich einführt. Tsipras dürfte dann ganz schnell Geschichte sein. Überlegenswert wäre auch ein Austritt aus der EU, den die vielen Brüsseler Subventionen sind alle versickert ohne wirklich geholfen zu haben. Den Geberländern aber, auch wenn es den Amerikanern nicht schmeckt, ist es nicht zuzumuten, dass man sich mehrfach jedes Jahr - und das mindestens die nächsten 50 Jahre - über eine drohende Pleite Griechenlands unterhalten muss...

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