Wirtschaftsforscher warnen: „Ökonomischer Nationalismus“ schadet EU-Ländern

Wirtschaftsforscher warnen
„Ökonomischer Nationalismus“ schadet EU-Ländern

Wenn es um bestimmte Unternehmen geht, üben sich Staaten gern im Wirtschaftspatriotismus. Gegen diese Schutzfunktion wetterten jetzt führende europäische Wirtschaftsforscher bei einem Treffen in Brüssel. Ihre Forderung: Die Eintrittsbarrieren für ausländische Firmen müssen generell EU-weit gelockert werden.

HB BRÜSSEL. Der hartnäckige Widerstand gegen grenzüberschreitende Zusammenschlüsse und die Förderung so genannter „nationaler Champions“ in einigen Ländern seien eine ernsthafte Gefahr für die wirtschaftliche Effizienz, erklärte die European Economic Advisory Group. Die Eintrittsbarrieren für ausländische Firmen müssten generell EU-weit gelockert werden. Derzeit gebe es für Staaten den Anreiz, nationalen Reformen zu verzögern, bis die heimischen Firmen ihre Position gestärkt haben und so besser gerüstet sind, um die Märkte in anderen EU-Ländern zu erobern.

Ökonomischer Nationalismus werde oft begleitet von der staatlichen Beteiligung an Unternehmen, kritisierten die Forscher. „Ein effektiver Weg, den ökonomischen Nationalismus zu bekämpfen, ist es daher, den Staatsbesitz zu begrenzen.“ Staatliche Beteiligungen seien oft ein Relikt der Vergangenheit, das ohne guten wirtschaftlichen Grund fortbestehe.

In Sachen Aufschwung sind die Forscher zuversichtlich. Das Wachstum im Euroraum werde sich in diesem Jahr leicht auf 2,2 Prozent abkühlen. Im kommenden Jahr werde sich der Aufschwung mit einem Plus von 2,7 Prozent aber verstärken.

Die Wachstumsstaaten in Osteuropa sollten nach Einschätzung der Experten schneller den Euro einführen dürfen. Bisher habe von den neuen EU-Mitgliedern nur Slowenien der Währungsunion beitreten dürfen, während Litauen und Estland an den Grenzen für die Inflationsrate scheiterten.

Hier fordern die Wirtschaftsforscher Ausnahmeregelungen, da den Ländern ansonsten Risiken drohten. „Bei einer Überhitzung wird es zu einem Kapitalabfluss und zu einer ernsten Finanzmarktkrise kommen.“ Daher sollten die Länder, falls sie die anderen Maastricht-Kriterien erfüllten und die etwas zu hohe Inflationsrate das hohe Wachstum widerspiegele, der Eurozone beitreten dürfen.

Die bisher erfolgte Konsolidierung reiche angesichts der demographischen Entwicklung keineswegs. Die Staatsausgaben sollten auch stärker in Investitionen, Bildung und Forschung fließen. An dem Europäischen Wirtschaftsbericht beteiligten sich Forscher der Universitäten Barcelona, Cambridge, Florenz, München, Oxford, Toulouse, Stockholm und Zürich. Der Gruppe hochrangiger Forscher gehört unter anderem Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn an.

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