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Wirtschaftskrise: Der griechische Patient lässt es sich gutgehen

Griechenland ist ein Land mit zwei Realitäten: einer dunklen Welt der Finanzen und einer weitaus helleren Welt der Dinge und des täglichen Lebens. Während sich Europa Sorgen um die Zahlungsfähigkeit des hochverschuldeten Landes macht, spürt die Bevölkerung noch wenig von der Krise.

Containerhafen in Piraeus. Auch im nächsten Jahr soll die Wirtschaft Griechenlands schrumpfen. Quelle: dpa
Containerhafen in Piraeus. Auch im nächsten Jahr soll die Wirtschaft Griechenlands schrumpfen. Quelle: dpa

ATHEN. In der Welt der Finanzen herrscht tiefe Krise. Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Landes haben in den vergangenen Wochen griechische Staatsanleihen kräftig unter Druck gesetzt. Der Zustand der Staatsfinanzen ist desolat. Mit einem Haushaltsloch von voraussichtlich 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sind die Griechen in diesem Jahr größter Defizitsünder der EU.

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Spätestens im nächsten Jahr werden sie mit einer Staatsverschuldung von fast 125 Prozent des BIP auch Italien als höchst verschuldetes Land der EU ablösen. Die Zweifel an der Kreditwürdigkeit haben den Aufschlag zu vergleichbaren deutschen Bundesanleihen zeitweilig auf 2,1 Prozentpunkte nach oben getrieben. Wegen dieses hohen Risikozuschlags muss der Athener Finanzminister immer mehr Geld für den Schuldendienst aufbringen. Dadurch wächst der Schuldenberg, was die Bonität des Landes noch weiter drückt. Bankanalysten malen einen gefährlichen Teufelskreis an die Wand.

Gut leben in der Krise

In der Welt der Dinge ist Griechenland weniger in die Rezession abgerutscht als die meisten anderen EU-Staaten: Mit einem geschätzten Minus der inländischen Erzeugung von 1,1 Prozent wird der Abschwung in diesem Jahr relativ milde ausfallen. Während sich allerdings im Rest Europas der Horizont bereits wieder aufhellt, erwartet die Athener Regierung für 2010 einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent. Bisher allerdings spüren viele Griechen wenig von Finanzkrise und Rezession. Dass der „gefühlte Abschwung“ milde ist, hängt vor allem mit der großen Schattenwirtschaft zusammen. Sie macht geschätzt 30 Prozent des offiziell ermittelten BIP aus. Das relativiert auch die offiziellen Arbeitsmarktdaten: Nach einer Zunahme der Arbeitslosenquote von 7,7 Prozent im Jahr 2008 auf jetzt 9,5 Prozent prognostiziert die EU-Kommission für 2010 einen weiteren Anstieg auf 10,5 Prozent. Allerdings finden viele Arbeitssuchende zumindest Gelegenheitsjobs in der Parallelwirtschaft.

Im vergangenen Jahrzehnt wuchs die griechische Wirtschaft weitaus stärker als der EU-Durchschnitt. So erzielte das Land zwischen 2001 und 2008 ein jährliches Plus von durchschnittlich vier Prozent. Aber ob Griechenland bald wieder auf diesen Wachstumspfad zurückkehren kann, ist fraglich. Sorge bereitet vor allem die Entwicklung im Tourismus. Auf die Branche entfällt jeder fünfte Arbeitsplatz, sie erwirtschaftet 18 Prozent des BIP. In den ersten zehn Monaten ging die Zahl der ausländischen Gäste um acht Prozent zurück, die Einnahmen fielen sogar um knapp zwölf Prozent. Der Verband der griechischen Tourismusunternehmen (POET) erwartet, dass sich der Sektor nur „extrem langsam“ erholen wird. Auch der andere Wachstumsmotor der griechischen Wirtschaft, die Handelsschifffahrt, stottert: Zwischen Januar und August brachen die Einnahmen um 31 Prozent ein. Allein das drückt das BIP um 0,7 Prozent.

Um die Konjunktur anzukurbeln, will die neue sozialistische Regierung im kommenden Jahr zehn Mrd. Euro in Infrastrukturprojekte investieren, vor allem in erneuerbare Energien und den Gesundheitssektor. Ausländische Investoren dagegen halten sich zurück - Griechenland gilt nicht als attraktiv. In der jüngsten Studie des World Economic Forum zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit fiel Griechenland dieses Jahr vier Plätze auf Rang 71 zurück. Auch das Geschäftsklima ist schlecht: Im Ranking „Doing Business“ der Weltbank rutschte Griechenland unter 183 Staaten vom 100. auf den 109. Platz zurück. Neben der obstruktiven Bürokratie und dem restriktiven Arbeitsrecht ist das schlechte Wirtschaftsklima vor allem der grassierenden Korruption geschuldet. Laut Transparency International ist Griechenland inzwischen der korrupteste EU-Staat.

  • 08.12.2009, 08:06 UhrDenkerist

    Ja ein restriktiven Arbeitsrecht ist natürlich schon ein Hemmschuh. Da hat es die Wirtschaft schwer.
    Die kommen nun lieber nach Deutschland und lassen hier Arbeitssklaven für 3€/Stunde arbeiten. Das freut die reichen besitzer und den Aktionär. Ein Vorbild für die EU.
    Aber vielleicht wollen nicht alle diesen Fortschritt?
    Übrigens, Deutschland ist auch pleite, ob etwas mehr oder weniger? Spielt das eine Rolle. Und Dank biene Maja werden die Staatsschulden in 4Jahren noch höher sein.
    Aber dann können wir die Arbeitskosten vielleicht auf unter 1€ / Stunde drücken.

  • 07.12.2009, 19:59 Uhrno.7

    Wenn das herauskaufen explizit ausgeschlossen ist, warum will man es dennoch machen ? ich halte das für grundfalsch. Wer über die Verhältnisse lebt, soll die Konsequenzen tragen und nicht von den anderen herausgehauen werden. Es gibt sicher Situationen, wo Hilfe angezeigt ist, bewußtes Über-die-Verhältnisse-leben gehört nicht dazu. Dann erklärt nur den bankrott.

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