
TOKIO/DÜSSELDORF. Die großzügigen Konjunkturpakete haben in Japan noch besser angeschlagen als anderswo. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist im Sommer überraschend kräftig gewachsen. Im Vergleich zum Frühjahrsquartal nahm das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Zeitraum von Juli bis September um 1,2 Prozent zu, wie das Kabinettsamt gestern in Tokio bekanntgab. Das entsprach auf das Jahr hochgerechnet einem Plus von 4,8 Prozent. Japan kommt damit nach einer langen Phase magerer Wachstumsraten mit mehr Schwung aus der Krise als die USA und Europa. Allerdings rufen Wirtschaft und Politik schon jetzt nach der nächsten Dosis fiskalischer Hilfen, um einen Rückfall im kommenden Jahr zu vermeiden.
Ökonomen hatten im Durchschnitt nur ein halb so hohes Wachstum im dritten Quartal erwartet. Entsprechend erfreut zeigten sie sich gestern. „Die Gefahr eines zweiten Durchhängers vor Mitte nächsten Jahres geht damit erheblich zurück“, sagte Takuji Aida von der Großbank UBS. Da die Wirtschaft bereits im Vorquartal leicht angezogen hatte, zeichne sich in Japan nun eine V-förmige Erholung ab.
Mit mehr als 675 Milliarden Euro schob Tokio die Wirtschaft an
Ursache für die positive Entwicklung seien aber vor allem die hohen Staatsausgaben, so Aida. Auch die Lager der Unternehmen füllen sich nach und nach wieder – laut Aida ein Anzeichen dafür, dass auch die Industrie optimistischer wird und einen Anstieg der Nachfrage erwartet.
Japan hat sich mit 675 Mrd. Euro eines der großzügigsten Anreizprogramme der Welt geleistet. Doch trotz besserer Wachstumszahlen dürfe der Staat nun nicht nachlassen, warnen Stimmen aus Wirtschaft und Wissenschaft. Sie rufen nach einer Fortsetzung der Konjunkturausgaben, um den Aufschwung zu sichern.
Dieser Trend ist auch international zu beobachten. Die USA denken angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen über zusätzliche fiskalische Stimuli für 2010 nach. Hier war die Wirtschaft im dritten Quartal um 0,9 Prozent gewachsen, doch der Zuwachs war fast nur auf staatliche Impulse zurückzuführen. Selbst China, wo das BIP im laufenden Jahr wohl um acht Prozent steigen wird, will einstweilen an fiskalischen Hilfen festhalten.