_

Wirtschaftsleistung: Deutschland rutscht in die Rezession

Die deutsche Wirtschaft steckt erstmals seit fünf Jahren in der Rezession: Von Juli bis September schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent zum Vorquartal. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Auch die Prognosen für die kommenden Monate sind düster.

Deutschland steckt nach der gängigen Definition in der Rezession. Foto: dpa Quelle: dpa
Deutschland steckt nach der gängigen Definition in der Rezession. Foto: dpa Quelle: dpa

HB BERLIN. Damit sank das Bruttoinlandsprodukt das zweite Quartal in Folge, was nach gängiger Definition als Rezession gilt. Dies hatte es zuletzt 2003 gegeben. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang um 0,2 Prozent gerechnet.

Anzeige

Wachstumsimpulse kamen lediglich von der Binnennachfrage. Die Privathaushalte und der Staat hätten ihre Konsumausgaben leicht gesteigert, hieß es. Zudem bauten die Firmen ihre Lager auf. Der Außenhandel hingegen bremste die Wirtschaftsentwicklung, da die Importe stark zulegten, die Exporte sich aber gleichzeitig abschwächten. Ausführliche Ergebnisse legt das Amt am 25. November vor.

Die Statistiker revidierten den Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für den Jahresauftakt 2008 leicht nach oben auf 1,4 von 1,3 Prozent. Zudem schrumpfte das BIP im zweiten Quartal mit 0,4 Prozent etwas weniger als ursprünglich angenommen (minus 0,5 Prozent).

Die negativen Nachrichten stießen bei Fachleuten auf wenig Überraschung. "Wir haben es schwarz auf weiß, die Rezession ist da", sagte Sebastian Wanke von der DekaBank. Im dritten Quartal habe es Rekorde bei Ölpreis und Euro gegeben und zudem "die vierte Welle" der Finanzkrise. "Das hat der Wirtschaft ein Bein gestellt." Aber es werde zum Jahresende noch weiter bergab gehen. "Dann werden wir wohl noch schlechtere Zahlen sehen", betonte auch Commerzbank-Experte Ralph Solveen. Erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres werde sich die Konjunktur stabilisieren.

Nach den Boomjahren 2006 und 2007 mit Wachstumsraten von bis zu drei Prozent befindet sich die deutsche Wirtschaft längst auf Talfahrt. Die meisten Experten erwarten, dass sich die Konjunktur auch in den kommenden Monaten nicht aus ihrem Tief befreien kann. Die deutsche Wirtschaft dürfte als Exportweltmeister immer stärker die Abkühlung der globalen Nachfrage zu spüren bekommen.

Die fünf Wirtschaftsweisen sagen für das nächste Jahr eine Rezession voraus, aus der sich die Wirtschaft erst ab Mitte 2009 langsam lösen könne. Ein besonders düsteres Bild hatte zuletzt der Internationale Währungsfonds (IWF) gemalt: Demnach wird Deutschlands Wirtschaft im kommenden Jahr sogar um 0,8 Prozent schrumpfen.

Für das Gesamtjahr 2008 erwarten die meisten Experten wegen des starken Jahresbeginns ein Wachstum von etwa 1,7 Prozent. Im dritten Quartal lag die Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Über 90 Tote: Entsetzen über Massaker in Syrien

Entsetzen über Massaker in Syrien

Bei einem Massaker sind in Syrien mehr als 90 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. Die entsetzte internationale Gemeinschaft fordert erneut ein Ende der Gewalt - doch das Blutvergießen geht weiter.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International