Wirtschaftsleistung: Volkswirte haken das Horror-Jahr ab

Wirtschaftsleistung
Volkswirte haken das Horror-Jahr ab

Glaubt man der neuen Prognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), dann ist die Rezession im Sommer in Deutschland vorbei - zumindest auf dem Papier.
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DÜSSELDORF. Im dritten Quartal werde die Wirtschaftsleistung wachsen und ein neuerlicher Rückgang im Winterhalbjahr sei gegenwärtig wenig wahrscheinlich, heißt es beim IfW. Ab dem zweiten Quartal 2010 gehe es dann mit Mini-Schritten wieder aufwärts, so dass auf Jahressicht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,4 Prozent steigen werde - nach einem beispiellosen Absturz um sechs Prozent in diesem Jahr.

Die Stabilisierung der Konjunktur in den kommenden Quartalen resultiert vor allem aus dem langsam wieder erwachenden Welthandel. Die Anzeichen für eine anziehende Auslandsnachfrage im zweiten Halbjahr mehrten sich, heißt es in der Kieler Prognose. "Alles in allem ist eine Bodenbildung bei den Exporten Mitte 2009 wahrscheinlich." Nach einem realen Einbruch der Exporte um 18 Prozent in diesem Jahr dürfte das Auslandsgeschäft 2010 wieder um gut fünf Prozent zulegen. Als Gründe nennen die Kieler Volkswirte die leergefegten Läger weltweit, die wieder etwas besseren Finanzierungsbedingungen für den Handel und die anziehende Nachfrage nach Investitionsgütern.

Dagegen wird die Spur der Verwüstung, die die Mega-Rezession im Inland hinterlässt, bis Ende 2010 immer größer: Die Arbeitslosigkeit steigt von Quartal zu Quartal im Schnitt um knapp 190 000 Menschen an. Und das drückt die Kauflaune der Deutschen; bereits in der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres werden die privaten Konsumausgaben deutlich zurückgehen, erwarten die Volkswirte. Grund ist neben dem Abebben des künstlich erzeugten Auto-Booms vor allem der Rückgang der real verfügbaren Einkommen infolge von Beschäftigungsverlusten. Zudem dürfte die Sparquote 2010 wieder steigen. Unter dem Strich werde der Konsum dieses Jahr sinken und 2010 trotz kräftiger Steuerentlastungen und steigender Transfereinkommen wie etwa Arbeitslosengeld I und II lediglich stagnieren.

Spiegelbildlich zu sinkenden Steuern, höheren Sozialausgaben und steigenden öffentlichen Investitionen verschlechtert sich die Finanzlage der Haushalte rapide. Der Schuldenstand des Staates erreicht mit 80,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Ende 2010 ein Allzeithoch. Angesichts wegbrechender Steuereinnahmen wird der Staat 2010 ein Defizit von 5,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes machen. Pro Kopf entspricht dies neuen Schulden in Höhe von rund 1 600 Euro. Damit ist die Defizitquote fast doppelt so hoch, wie es der Maastricht-Vertrag den EU-Staaten erlaubt.

Nach Einschätzung der Bundesregierung gibt es nach monatelangen Konjunktureinbrüchen nun erste Anzeichen für eine Stabilisierung der Weltwirtschaft. Zeitpunkt und Geschwindigkeit für eine nachhaltige Erholung seien aber weiter unsicher, sagte Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen am Donnerstag in Berlin. In Deutschland werde mit einer Stabilisierung der Industrieaktivitäten gerechnet. Die Bundesregierung gehe für dieses Jahr weiter von einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 6,0 Prozent aus. An den internationalen Finanzmärkten hätten sich die Bedingungen verbessert, aber noch nicht normalisiert. Möglicherweise gebe es jetzt die dritte Phase der Finanzmarktkrise, sagte Asmussen.

Das Kieler Instituts für Weltwirtschaft erwarte für den Euroraum im Jahr 2009 einen deutlicheren Einbruch der Konjunktur als bislang. Das Bruttoinlandsprodukt werde im laufenden Jahr um 4,3 Prozent sinken. Im März hatte das Institut noch einen Rückgang von 3,3 Prozent erwartet. Für das kommende Jahr erwartet das Institut wieder einen Anstieg von 0,4 Prozent, nachdem es im März noch einen Rückgang von 0,2 Prozent prognostiziert hatte.

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