Wirtschaftswachstum in Deutschland
Sechs Gründe für einen Aufschwung

Die Konjunkturprognosen für das laufende Jahr sind eher zurückhaltend. Doch die Zeichen mehren sich, dass es 2015 für die deutsche Wirtschaft besser laufen könnte, als gedacht. Sechs gute Gründe.
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BerlinBundesbank, Wirtschaftsweise und die meisten Ökonomen der Geschäftsbanken sind sich bislang einig: In diesem Jahr wird die deutsche Wirtschaft keine Schippe drauflegen. Das Wachstum soll bei 1,5 Prozent liegen, nach 1,6 Prozent 2014. Die Konjunkturrisiken sind groß: Sie reichen vom Ukraine/Russland-Konflikt bis zur ungewissen Zukunft Griechenlands. Doch es spricht mittlerweile auch vieles dafür, dass Europas größte Volkswirtschaft 2015 kräftiger wachsen könnte. Es folgen sechs Gründe, die für einen stärkeren Aufschwung sprechen:

Niedriger Ölpreis
Der Ölpreis hat sich seit dem Sommer 2014 mehr als halbiert. Das entlastet deutsche Verbraucher und Unternehmen in diesem Jahr um etwa 30 Milliarden Euro, wie der Deutschland-Chefvolkswirt der Großbank UniCredit, Andreas Rees, ausgerechnet hat. Allein die Lufthansa spart etwa 900 Millionen Euro an Treibstoffkosten.

„Ein solcher Rückgang wirkt über die Entlastung der Lebenshaltungskosten der Haushalte und der Produktionskosten der Unternehmen wie ein kleines Konjunkturprogramm“, betont Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Nach Schätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages kann das bis zu 0,5 Prozentpunkte an zusätzlichem Wachstum bringen.

Billiger Euro
Die Gemeinschaftswährung kostet so wenig wie seit Jahren nicht mehr. Für die Exporteure sind das gute Nachrichten: Sie können ihre Produkte in Übersee dadurch günstiger anbieten und so den Absatz steigern - oder bei gleichbleibenden Preisen ihre Gewinnmargen erhöhen. Der Euro ist zwar schon seit Monaten auf Talfahrt, doch dürfte sich das erst im Laufe dieses Jahres positiv auswirken, erwartet etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Die Absicherungsgeschäfte, die den Konzern und viele andere Großunternehmen im vergangenen Jahr gegen Währungsschwankungen abschirmten, laufen erst allmählich aus. Doch je länger das Jahr dauert, desto stärker profitieren die Exporteure vom Euro-Rutsch.

Wachstumslok USA

In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft mit 3,5 Prozent noch stärker zulegen als 2014, sagen die Ökonomen der Deutschen Bank voraus. Wichtigster Grund dafür: Die Zahl der Beschäftigten ist 2014 so kräftig gestiegen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Das schiebt den privaten Konsum an, der für etwa 70 Prozent des BIP steht. Davon profitieren auch die deutschen Exporteure. Schon im abgelaufenen Jahr steigerte etwa der Autobauer Audi seinen Absatz in den USA um gut 15 Prozent, BMW um knapp zehn Prozent.

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„Beschäftigung wird auch 2015 steigen“

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  • Sollte das Wachstum in Deutschland doch stärker wachsen als 2014? Die erste Frage ist: Wie viel? Wie groß ist der Beitrag des niedrigen Euro? Wie groß ist der Beitrag des niedrigen Ölpreis? Wie groß ist der Beitrag des niedrigen Zins? wie groß ist der Beitrag der niedrigen Inflation? Wegen QE und der hohen Ersparnisse gibt es auch keinen Mangel an Geld. Kann man dann wenigstens höhere Investitionen und höheren Konsum an steigenden Kreditvergaben der Banken bzw. an höheren Kreditaufnahmen von Unternehmen und Konsumenten ablesen? Der Staat nimmt ja keine neuen Kredite. Für 2014 gilt das nicht. Da wurden Kredite abgebaut in Relation zu den Einkommenszuwächsen.
    Ist bis jetzt schon jemandem aufgefallen, dass keines der gebräuchlichen ökonometrischen Modelle auf Deutschland anwendbar ist?
    Die Beiträge der günstigen Wachstumsfaktoren lassen sich also nicht genau berechnen. Der DIHK schätzt deshalb für 2015 ein niedrigeres Wachstum als 2014 erreicht wurde. Der Ölpreis, der Euro, die Inflation und der Zins haben folglich keinen Einfluss auf stärkeres Wachstum. Daran ändern auch hohe Beschäftigung und steigende Reallöhne nichts mehr. Kam diese Prognose des DIHK erst diese Woche?
    Einmal angenommen die genannten Faktoren sollten bei höherem Wachstum der Weltwirtschaft und steigendem Wirtschaftswachstum in Europa auch das Wachstum in Deutschland beschleunigen, dürfen wir also mit mehr als 2,1 bis 2,5 Prozent rechen. Das wäre dann bis zum doppelten des Potentialwachstums. Das sollten doch die Experten mal erklären, wenn sie können. Dann könnten sie gleich noch erklären, warum Deutschland im ersten Halbjahr 2008 so stark gewachsen ist, obwohl der Euro bei 1,60 Dollar, der Ölpreis bei 147 Dollar je Fass lagen, die Reallöhne sanken und die Beschäftigung fast 4 Millionen niedriger war als 2015. Das erklärten die Experten so wenig, wie sie heute das Wachstum erklären. Sogar die Herbstgutachten konnten wenige Wochen vor dem Jahreswechsel keine annähernden Wachstumsraten erraten

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