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Wirtschaftsweise Franz: USA als größtes Konjunktur-Risiko

exklusiv Wie viel Freude über die Aufholjagd der deutschen Wirtschaft ist erlaubt? Deutschlands oberster Wirtschaftsweise Wolfgang Franz glaubt nicht, dass sich dieses rasante Tempo halten lässt. Im Interview erläutert der Vorsitzende des Sachverständigenrats, was die Risiken für den Aufschwung sind.

Wolfgang Franz sieht starke Risiken für den deutschen Aufschwung. Quelle: ap
Wolfgang Franz sieht starke Risiken für den deutschen Aufschwung. Quelle: ap

Handelsblatt: Ein solch starkes Wachstum zum Vorquartal wie im zurückliegenden zweiten Vierteljahr gab es noch nie im vereinigten Deutschland. Können wir das Tempo halten?

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Wolfgang Franz: Die Entwicklung war überaus erfreulich. Dennoch lautet die Antwort leider Nein. Diese Dynamik wird in ein moderateres Wachstumstempo einmünden. Dafür sprechen mehrere Argumente.

HB: Fangen wir beim ersten an, was ist das größte Risiko für die deutsche Konjunktur?

Franz: Die außenwirtschaftliche Entwicklung. In den USA stagniert die Arbeitslosenquote auf hohem Niveau und verhindert einen deutlichen Anstieg des privaten Konsums. Außerdem ist der Immobilienmarkt dort weiter labil. Das trifft uns, denn von einer Abkopplung vom US-Markt kann keine Rede sein. Auch in weiten Teilen Europas entwickelt sich die Wirtschaft schwach, vor allem in den südeuropäischen Staaten. Und in den für die Exportnation Deutschland immer wichtiger werdenden Schwellenländern wie China schwächt sich das Wachstumstempo ebenfalls ab, wenn auch aus Angst vor einer Überhitzung gewollt.

HB: Auch wenn die Exportwirtschaft langsam an Tempo verliert - angesichts des guten Arbeitsmarkts wächst die Hoffnung, dass die Binnennachfrage zulegt. Zu Recht?

Franz: Die in der Tat für eine derart kräftige Rezession geringe Zahl der Arbeitslosen sorgt dafür, dass sich der private Konsum belebt hat. Aber einen starken Anstieg werden wir auf kurze Sicht wohl kaum sehen, dafür ist die Unsicherheit der Konsumenten noch zu groß. Das gilt trotz der Exporterfolge auch für die Unternehmen: Sie investieren zwar. Wir sehen aber eher Ersatz- und noch nicht hohe Erweiterungsinvestitionen, wie es bei einem kräftigen Aufschwung zu erwarten wäre.

HB: Sie sprachen von mehreren Risiken. Was bedroht die Aufholjagd Deutschlands noch?

Franz: Die Finanzmärkte bereiten wegen des weltweit erheblichen Abschreibungsbedarfs der Banken weiter Sorgen. Allein die inländischen Banken in Deutschland haben einen Abschreibungsbedarf von rund 70 Milliarden US-Dollar.

HB: Haben wir uns zu früh gefreut, haben uns die starken Wachstumsraten geblendet?

Franz: Nein. Die deutschen Unternehmen zählen zu den weltweit wettbewerbsfähigsten, unsere Arbeitnehmer sind hervorragend ausgebildet. Wenn wir die genannten Risiken ernst nehmen, können wir der weiteren Entwicklung gleichwohl mit vorsichtigem Optimismus entgegensehen.

  • 24.08.2010, 16:01 UhrAnonymer Benutzer: Kllaus Graf

    Der Pressemitteilung Nr.209 vom 11.06.2010 vom Statistischen bundesamt kann man entnehmen , daß die deutschen Einfuhren im 1. Quartal 2010 um 20,5 Milliarden gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Davon entfallen gerade mal 800 Millionen auf die USA. bei China beträgt der Anstieg 4,4 Milliarden, bei Drittländern insgesamt 12,6 Milliarden. Offensichtlich haben Herr Franz und Co. immer noch nicht gemerkt wie sehr sich die Welt verändert hat.

  • 24.08.2010, 14:34 UhrAnonymer Benutzer: dawodawo

    Das verzögerte Anziehen der binnennachfrage hat neben dem schwachen Vertrauen noch zwei weitere Gründe: Die Arbeitsverträge sind befristet und die Löhne, vor allem im unteren bereich, nach wie vor schlecht. Die Hoffnung liegt daher fast ausschließlich beim investitionsbedarf der Unternehmen.

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