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Wohlstandsindikator: Das Glück der Deutschen wird gemessen

Reichtum alleine macht nicht glücklich. Darum soll ein alternativer Wohlstandsindikator das herkömmliche BIP ergänzen und messen wie glücklich die Deutschen wirklich sind - auch wenn die Wirtschaft nicht wächst. Experten bezweifeln die Aussagekraft des neuen "Glücks-BIP".

Kanzlerin Merkel wird künftig wissen, ob die Deutschen was zu lachen haben. Quelle: ap
Kanzlerin Merkel wird künftig wissen, ob die Deutschen was zu lachen haben. Quelle: ap

BERLIN/DÜSSELDORF. Die Diskussion um alternative Wohlstandsindikatoren nimmt jetzt auch in Deutschland Fahrt auf. Am Dienstag stellte der Münsteraner Ökonom Ulrich van Suntum ein "Glücks-BIP" vor. Den "Lebenszufriedenheits-Indikator" hat er im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) entwickelt. Er weist die Deutschen als recht frohes Volk aus, wobei die Zufriedenheit im Osten seit der Wiedervereinigung deutlich gewachsen, im Westen aber leicht gesunken ist.

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Das neue "Glücks-BIP" reiht sich in eine breite internationale Bewegung ein: Einzelne Staaten und Forscher versuchen ebenso wie internationale Organisationen, allen voran die OECD, alternativen Wohlstandsindikatoren zum Durchbruch zu verhelfen. Seit Jahrzehnten wird über sie diskutiert - nun haben die globale Wirtschaftskrise und der Klimawandel den Sinn einer reinen Maximierung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als Summe aller Waren und Dienstleistungen in Frage gestellt.

Ganz obsolet ist das BIP aber nicht. Van Suntum fand, dass die Zufriedenheit der Deutschen seit 1991 ziemlich gleich geblieben ist - obwohl das BIP kräftig stieg. Das bedeute aber nicht, dass das Wirtschaftswachstum gar keine Rolle für die Zufriedenheit spiele, sagte er. Gehe es aufwärts, dann steige mit etwa einem Jahr Verzögerung auch das Wohlgefühl. In Rezessionen sinke es entsprechend. "Wahrscheinlich haben wegen des stetigen Aufschwungs viele Menschen die 1950er-Jahre als glückliche Zeit in Erinnerung", mutmaßt er.

Das "Glücks-BIP" orientiert sich an den Zufriedenheits-Indizes, die es etwa in Großbritannien und Australien gibt. Als Datenbasis hat van Suntum das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) genutzt. Das DIW befragt regelmäßig dieselben Haushalte nach ihren Lebensumständen, darunter auch nach der Lebenszufriedenheit.

Das "Glücks-BIP" enthält elf Faktoren, darunter das Wachstum des BIP pro Kopf, die Arbeitslosenquote und Einkommensverteilung als makroökonomsiche Faktoren. Hinzu kommen mikroökonomische Faktoren wie das jährliche Nettoeinkommen, der Gesundheitszustand, die Sorge um die finanzielle Sicherheit und den Arbeitsplatz.

"Unser Indikator soll das BIP in seiner Funktion für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung nicht ersetzen", so van Suntum. Damit grenzt er sich von dem Projekt des Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz ab, der unterstützt von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy das BIP in seiner Funktion als volkswirtschaftliche Messgröße reformieren und dabei vor allem auch Umweltfaktoren einbeziehen will.

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