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WTO-Chef Azevêdo: Die neue Macht der Schwellenländer

Viele Jahre hat der Westen die wichtigste Handelsorganisation der Welt dominiert. Doch Impulse für Wachstum kommen heute meist von den Schwellenländern. Nun rückt ein Brasilianer an die Spitze der WTO.

Der Brasilianer Roberto Azevêdo: Seit 2008 Chefrepräsentant seines Landes bei der WTO. Quelle: dpa
Der Brasilianer Roberto Azevêdo: Seit 2008 Chefrepräsentant seines Landes bei der WTO. Quelle: dpa

Genf/BrasíliaDie Ära der Industriestaaten auf dem „Thron“ der globalen Handelsdiplomatie ist vorbei. Westlichen Regierungen war das schon vor dem monatelangen Auswahlverfahren für den Chefposten der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf klar. Sie ließen jenem Teil der Welt den Vortritt, von dem heute die größeren Hoffnungen auf Wachstumsimpulse zur Überwindung der Krise ausgehen. Mit dem Brasilianer Roberto Azevêdo rückt nun ein Handelsdiplomat aus der Gruppe der Schwellenländer an die WTO-Spitze, der den USA und vielen EU-Staaten als unbequem gilt.

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Sie hätten lieber den als Freihandels-Vorkämpfer angesehenen Ex-Handelsminister Herminio Blanco an der Spitze der WTO gesehen. Entsprechend aktiv war hinter den Kulissen die Lobby-Arbeit des Westens gegen den Brasilianer und für Blanco. Dennoch wird man sich nun mit Azevêdo arrangieren, der die WTO als Vertreter seines Landes seit 2008 bestens kennt.

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Im Gegenzug kommt auf ihn zu, ein Kandidaten-Versprechen zu erfüllen: Als WTO-Chef werde er unparteiisch die Interessen der gesamten Organisation und ihrer 159 Mitgliedstaaten vertreten. Dabei ist die Marschrichtung bereits abgesteckt. Dafür sorgte noch der scheidenden WTO-Chef, der Franzose Pascal Lamy (67). In Kurzform lautet sie „Von Doha nach Bali“. Doha steht symbolisch für das Scheitern. Bali, wo im Dezember die nächste Welthandelskonferenz stattfindet, steht für Hoffnung.

In Doha nahmen WTO-Staaten 2001 Kurs auf eine „Entwicklungsagenda“ zur weitgehenden Liberalisierung des globalen Handels. Doch im Interessenkampf zwischen Industrie- und Entwicklungsländern erwies sie sich das Vorhaben als viel zu ehrgeizig und komplex. Damit sollte - bei gleichzeitiger Förderung der ärmsten Länder - das Volumen der globalen Ex- und Importe um etliche Milliarden US-Dollar ausgeweitet werden. Das Vorhaben blieb im Wunschtraumstadium stecken.

Immer mehr Staaten suchen längst ihr Heil in bilateralen oder regionalen Abmachungen statt auf einen Durchbruch zu einem globalen Abbau von Handelshemmnissen zu setzen. Zudem greifen Staaten wieder verstärkt zu protektionistischen Maßnahmen und graben sich hinter Importzöllen ein. Auch Brasilien musste sich entsprechend Vorwürfe bei der WTO gefallen anhören.

  • 08.05.2013, 18:04 UhrLuan

    Viele Ausländer, die nicht im Brasilien geboren sind, lieben Brasilien mehr als einige "Brasilianer" die das Land verlassen haben. Sie sind extrem negativ. Sie haben NIE etwas für das Land bewirkt. Sie kommentieren nach ihren eigenen Angaben, um das Land immer wieder schlecht zu machen.

  • 08.05.2013, 17:58 UhrLuan

    Wann sind 8000 Menschen gestorben?
    Was hat die WTO mit Ihren Daten zu tun???
    Brasilianer im Ausland sind das Schlimmste was es gibt. Später, wenn sie Probleme haben ab nach Brasilien!

  • 07.05.2013, 22:25 Uhrklarissimo

    Anfügung: mehr als 8000 Tote, ob durch Drogen oder andere kriminelle Delikte ALLEIN im viel besungenen Rio de Janeiro - das ist kein Beweis eines wirklich fortschrittlichen, sicheren, lebenswerten Landes. Sondern: ein gesellschaftliches Armutszeugnis. Das: von Brasilien!!

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