Zentralbanken: Federal Reserve und EZB trennen Welten

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Federal Reserve und EZB trennen Welten

Andere Situation, andere Aufgaben: Obwohl sowohl USA als auch Europa unter dem Eindruck der Finanzkrise stehen, ist die Entscheidungslage bei Fed und EZB sehr unterschiedlich. Die Amerikaner sind sowohl für Wachstum als auch für Inflationsbekämpfung zuständig, während die Europäer sich vor allem die Geldwertstabilität kümmern.

noh. FRANKFURT. Zwischen der Entscheidungslage der amerikanischen Notenbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt es zwei wesentliche Unterschiede: Die Federal Reserve ist gleichermaßen für Wachstum und Inflationsbekämpfung zuständig, während die EZB vorrangig Geldwertstabilität zu sichern hat. Außerdem hat die amerikanische Wirtschaft einen Immobilienmarkt, der sich aus luftiger Höhe in freiem Fall befindet, und Konsumenten, von denen sich viele im Vertrauen auf immer weiter steigende Immobilienwerte zu hohe Schulden aufgeladen haben. In Europa waren dagegen nur einzelne Immobilienmärkte heiß gelaufen. Ob diese Märkte sich auf hohem Niveau stabilisieren oder wie in den USA abstürzen, ist noch nicht ausgemacht.

Wenn daher Ökonomen eine Abschwächung der Konjunktur im Euro-Raum voraussagen, was fast alle tun, dann als Folge der Konjunkturabschwächung in den USA, dem Heimatland der Subprime-Krise.

Auf beiden Seiten des Atlantiks liegt die Inflationsrate bei rund drei Prozent und damit zu hoch. Doch die voraussichtliche Konjunkturabschwächung in den USA ist stärker, und die amerikanische Notenbank muss qua Mandat stärker auf Wachstumsdefizite achten als die EZB. Die Folge von beidem ist, dass die EZB weit weniger Eile und Eifer beim Senken der Leitzinsen verspürt.

„Die Wachstumsabschwächung in den USA wird den Rest der Welt und auch den Euro-Raum nicht verschonen“, sagt Marie Diron, Volkswirtin am privaten britischen Forschungsinstitut Oxford Economics, voraus. Doch sei eine Phase schwächeren Wachstums notwendig, um den Inflationsdruck wieder auf ein zielkonformes Maß zu reduzieren. Führende Volkswirte trauen dem Wirtschaftsraum im Durchschnitt in diesem Jahr nur noch ein Wachstum von gut eineinhalb Prozent zu – weniger als die gut zwei Prozent, um die nach Schätzung der EZB das gesamtwirtschaftliche Produktionspotenzial pro Jahr zunimmt.

Die meisten Ökonomen sind der Ansicht, dass in Anbetracht der hohen Inflationsrate eine Zinssenkung erst dann sinnvoll ist, wenn es Indizien geben sollte, dass es für die Wirtschaft noch schlimmer kommen könnte oder dass der Inflationsdruck schneller nachlässt als gedacht.

Obwohl EZB-Vertreter sich bemühen, Zinssenkungsspekulationen entgegenzuwirken, wetten die Finanzmarktteilnehmer inzwischen darauf, dass die EZB auch diesmal wieder mit Verzögerung dem Vorbild der Federal Reserve folgen wird. Die Kurse von Zinsterminkontrakten zeigen die vorherrschende Erwartung an, dass die EZB in diesem Jahr zweimal die Zinsen um einen Viertelpunkt auf dann noch 3,5 Prozent senken wird. Die erste Zinssenkung ist für Mai oder Juni eingepreist. Der Markt scheint sich an Erfahrungen der Vergangenheit zu orientieren. Den letzten Senkungszyklus begann die EZB vier Monate nach der Fed.

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