Zinserhöhungen: Osteuropas Notenbanken in der Zwickmühle

Zinserhöhungen
Osteuropas Notenbanken in der Zwickmühle

In Osteuropa laufen die Preise aus dem Ruder: Analysten gehen davon aus, dass die Zentralbanken in den osteuropäischen Staaten mit moderaten Zinserhöhungen reagieren werden. Länder wie Polen oder Ungarn schieben auf Grund der Preissteigerungen auch die Mitgliedschaft in der Währungsunion auf die lange Bank.

WARSCHAU. „Die Inflation ist unser wichtigstes Problem zum Jahresbeginn“, meint Lukasz Tarnawa von der Bank PKO Bank Polski. In Polen ist die Inflationsrate im Laufe des Jahres von 1,5 auf vier Prozent angestiegen. Analysten erwarten mindestens 4,4 Prozent im ersten Quartal 2008. Tschechien liegt inzwischen bei fünf Prozent, Ungarn bei sieben und Lettland sogar bei 13 Prozent. Für solche Raten machen Ökonomen vor allem die steigenden Erdöl- und Getreidepreise verantwortlich. Teurere Grundnahrungsmittel schlagen in Osteuropa besonders stark durch, weil hier der Anteil der Lebensmittel am Konsumentenpreisindex wesentlich höher ist, als im Westen. Auch treibt das hohe Wirtschaftswachstum Löhne und Gehälter.

Die Zentralbanken der Länder stehen nun vor nicht ganz einfachen Entscheidungen. Denn einerseits sollen sie die Inflation bekämpfen, andererseits dürfen sie das wirtschaftliche Wachstum nicht durch zu hohe Zinssätze gefährden. Gerade in Polen deutet sich für dieses Jahr eine Verlangsamung des BIP-Wachstums von 6,5 Prozent im letzten Jahr auf gut fünf Prozent im Jahr 2008 erwartet.

„Ich erwarte eine baldige Anhebung der Leitzinsen um 50 bis 60 Prozentpunkte“, sagt Marta Petka von der Raiffeisen Bank Polska. In Polen beträgt der Diskontsatz zur Zeit 5,25 Prozent. In Tschechien werden mehrere Zinsschritte um jeweils 20 Prozentpunkte erwartet.

Die hohe Inflation ist auch ein wichtiger Grund dafür, dass Polen und andere Länder die Übernahme des Euro auf die lange Bank schieben. Sie können das Inflationskriterium von Maastricht nicht einhalten. „Dieses Ziel überschreitet den Horizont unserer Legislaturperiode“, sagte Polens neuer Finanzminister Jan Vincent Rostowski. Damit müssen die Polen bis 2012 ohne den Euro auskommen.

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