Zinswende in Sicht
Sorgenfalten an den US-Börsen

Die US-Konjunktur nimmt Fahrt auf. Der Markt sei längst überfällig für „eine solide Korrektur“, sagen Experten. Die Zinsanhebungen der US-Notenbank Fed werden dafür voraussichtlich ein Katalysator sein.
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New YorkNiemals zuvor hat eine Rally an den US-Aktienmärkten so lange ohne eine Leitzinsanhebung angedauert. Falls der Blick in die Geschichte Klarheit verspricht, müsste die Erholung zu Beginn des Zinsanhebungszyklus auslaufen.

Die Bewertungen im breiten US-Aktienindex Standard & Poor's 500 sind unterdessen weit von Rekordständen entfernt. In der Vergangenheit waren die Kurs-Gewinn-Verhältnisse nach einsetzenden Zinsanhebungen der US-Notenbank nicht in der Lage, noch wesentlich weiter zu steigen. Im Gegenteil: Um durchschnittlich 7,2 Prozent sind die Bewertungen im ersten Quartal nach jeder der zwölf letzten Zinsanhebungszyklen gesunken. Das geht aus Daten von Goldman Sachs Group Inc. und Bloomberg hervor.

Das alleine verstärkt die Sorgenfalten an den US-Börsen, aber vielleicht noch entscheidender sind die Pläne der Fed zur Straffung der Geldpolitik angesichts der Wirtschaftslage. Von einem Boom ist die US-Konjunktur derzeit weit entfernt.

Sollten die Währungshüter ihre Leitzinsen noch vor dem Jahresende anheben, so täten sie das in einem Jahr, in dem die Unternehmensgewinne laut Analystenprognosen um nicht mehr als 1,4 Prozent steigen werden. Das ist das schwächste Wachstum vor Beginn eines Zinsanhebungszyklus seit dem Jahr 1980.

„Auf weitere Verdoppelungen würde ich jetzt nicht setzen“, sagte Fondsmanager Mark Spellman von Alpine Funds in Purchase, New York. Das heiße nicht, dass nun gleich die Totenglöckchen klingeln würden oder ein Bärenmarkt drohe. „Aber es wird die Kursgewinne sicher deckeln“, sagte er.

Seit einem Tiefpunkt im Oktober 2011 bei 11,9 hat die Bewertung im S&P 500 im letzten Dezember einen Wert von 18,3 erreicht. Seitdem war sie jedes Jahr angestiegen und hat den Index um 87 Prozent angeschoben. Mittlerweile sind 18,4 erreicht und damit liegen die Bewertungen um mehr als zwei Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt.

Was die Gewinne anbelangt, werden derzeit die Prognosen so schnell gesenkt wie seit sechs Jahren nicht mehr. Im Mittel waren die Unternehmensgewinne seit 2009 um 15 Prozent gestiegen. Die seit 2009 anhaltende Rally ist erst kürzlich zur zweitlängsten der letzten 60 Jahre geworden. Damit ist auch klar, dass eine Wende bevorstehen könnte.

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