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Zu große US-Banken: Ökonomen warnen vor neuen Risiken für Finanzsystem

exklusiv Die jüngsten Geschäftsberichte der US-Banken geben Ökonomen Anlass zur Sorge. Denn es wird deutlich, dass das Problem „To big too fail“ noch größer geworden ist. Und auch regionale Bankenriesen vergrößern ihre Marktmacht, während die Republikaner jegliche Regulierung torpedieren. Droht ein neuer Crash?

Große Institute wie JP Morgan haben ihren Anteil an den Einlagen und Verbindlichkeiten im Gesamtbankensystem weiter unaufhörlich gesteigert. Quelle: Reuters
Große Institute wie JP Morgan haben ihren Anteil an den Einlagen und Verbindlichkeiten im Gesamtbankensystem weiter unaufhörlich gesteigert. Quelle: Reuters

DÜSSELDORF. Führende Ökonomen blicken mit Besorgnis auf den derzeitigen Konzentrationsprozess im US-Bankenwesen und warnen vor den Risiken für das globale Finanzsystem. "Der Befund gibt Anlas zur Sorge, aber nicht zur Panik: Tatsächlich findet im amerikanischen Finanzsystem derzeit ein massiver Konzentrationsprozess statt, der einzelnen Geldhäuser größer macht", sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Adolf Horn, Handelsblatt Online. "Das erzeugt zu Recht Befürchtungen für den Fall einer weiteren Krise."

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Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, warnte davor, nur die großen Institute in den Blick zu nehmen. Damit wachse die Gefahr, dass gerade risikoreiche Geschäfte in andere Bereiche des Finanzsystems abwanderten. Er bezweifelte, ob die bisherigen Regulierungsmaßnehmen ausreichen. "Die größten Gefahren für die Finanzmarktstabilität dürften nicht in den großen Instituten, sondern in der noch wenig regulierten Schattenwelt schlummern", sagte Heise Handelsblatt Online.

Hintergrund sind die bisher veröffentlichten Jahresbilanzen von US-Banken. Zwar sind die Bilanzsummen der großen US-Banken seit Ausbruch der Krise drastisch geschrumpft. Aber gleichzeitig ist der Anteil der größten fünf Institute, Bank of America, JP Morgan, Citigroup, Wells Fargo und Goldman Sachs, an den Einlagen und Verbindlichkeiten im Gesamtbankensystem weiter unaufhörlich gestiegen. Nach den Daten des Finanzdienstleisters IQ Capital und der US-Notenbank Fed lag er Ende des dritten Quartals bei 13,3 Prozent, nach 11,8 Prozent drei Jahre zuvor. Und der Trend dürfte anhalten. Denn wie die Berichtssaison zum Geschäftsjahr 2011 gezeigt hat, machen vor allem Banken wie JP Morgan und Wells Fargo, wieder große Gewinne. Gleichzeitig schlittern immer mehr mittlere und kleine Banken in den Ruin und werden von größeren Rivalen aufgekauft. Der Konzentrationsprozess setzt sich also fort.

Zudem ist fraglich, ob die im Sommer 2010 verabschiedete Neuregulierung des Bankenmarktes durch die "Frank-Dodd-Bill" tatsächlich greifen wird. Denn die Umsetzung des Gesetzes stockt. So haben die oppositionellen Republikaner nach ihrem Wahlsieg im November durchblicken lassen, dass sie ihre neue Macht nutzen wollen, um die nötige Aufstockung der Mittel für die Regulierer zu blockieren.

IMK-Chef Horn nannte das Verhalten der Republikaner schlicht verantwortungslos. Es sei "Ausdruck ihre ideologischen Verblendung gegenüber jedweder Staatstätigkeit", sagte der Ökonom. Europa habe allerdings "mehr Anlass zur Sorge, denn auch hier findet einerseits ein Konzentrationsprozess statt, aber ohne dass andererseits schon wesentlich schärfere Regulierungen in Kraft wären. Das verheißt nichts Gutes".

  • 04.02.2011, 18:43 UhrAnonymer Benutzer: FoCS

    Schon Norbert Walter hat, wenn ich mich recht erinnere, gefordert, die Mindest-Eigenkapitalquoten der bilanzsumme der banken anzupassen. Damit könnte man dem Konzentrationsprozess eine wirksame und marktwirtschaftlich kompatible bremse anlegen und das systemische Risiko begrenzen. Das wäre auch einfach, wahrscheinlich aber zu einfach in den Augen unserer Politiker.

  • 03.02.2011, 23:39 UhrAnonymer Benutzer: peterson

    Zitat Allianz-Chefökonom Heise: "Die Starken werden stärker, die Schwachen verschwinden, und die Marktkonzentration steigt. Das ist Wettbewerb."
    Leider falsch, ganz im Gegenteil, das ist wettbewerbswidrig! Die großen banken erfreuen sich bester beziehungen zur Politik, sind einfach nur „too big to fail“, wurden und werden auch zukünftig vom Steuerzahler gerettet.

  • 03.02.2011, 23:08 UhrAnonymer Benutzer: Stefan L. Eichner

    Die Frage, inwieweit die in der Krise aufgetretene instabilität des bankensystems nicht eventuelle gerade auch eine Folge der die spezifischen Marktstruktur ist, das heißt durch die Dominanz einer sehr begrenzten Anzahl sehr großer Player induziert wird, wird in der aktuellen Diskussion über Regulierungsdebatte (SiFis) komplett ausgeblendet.
    Große institute einfach als systemrelevant und nicht ersetzbar zu erklären, ist ja letztlich nicht nur eine bestandsgarantie. Es ist auch eine Kapitulation vor der Aufgabe, funktionsfähige Märkte zu schaffen, die deswegen stabil sind, weil es einen wirksamen Wettbewerb gibt. Denn: Wirksamer Wettbewerb ist die stärkste regulierende Kraft, die wir haben. banken zu SiFis zu erklären, ist nichts anderes als der Versuch der Regierungen bzw. der Aufsicht, eine Art „Als-ob“-Wettbewerb zu organisieren. Das ist ein sehr gewagtes Experiment mit zweifelhaftem Ausgang.

    ich bin kein befürworter eines sich selbst überlassenen, freien Wettbewerbs – schon deswegen nicht, weil es einen sich selbst regulierenden Wettbewerb m. E. nicht gibt (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/11/wirtschafts-und-finanzmarktkrise.html). Das ist eine der Lehren aus der Finanzmarktkrise. Es stellt sich deswegen natürlich die Frage, wie wirksamer Wettbewerb stattdessen zu definieren wäre – für den bankensektor. Denn gegenwärtig existiert dort zweifellos Wettbewerb, aber er erfüllt – neben anderen Unvollkommenheiten - nicht seine regulierende Funktion. Gerade auch deswegen ist es ja zu den Entgleisungen gekommen, die die Finanzmärkte ins Chaos zu stürzen drohten. Daran hat sich im Grundsatz auch nichts geändert, was eine latente Gefahr für die Stabilität der Märkte darstellt.

    im Übrigen verwechselt Herr Heise da etwas, wenn er meint, es sei schlicht „Wettbewerb", wenn die Starken stärker werden und die Schwachen verschwinden. Das ist nicht Wettbewerb, sondern die hohe Marktkonzentration mit wenigen, den Markt dominierenden großen Playern ist ein typischen Kennzeichen, reifer Märkte – ein Ergebnis der Marktentwicklung also (siehe Eichner (2002)). Was er dabei verschweigt, sind die üblicherweise in dieser Phase verstärkt auftretende Machtproblematik, die effektiven Wettbewerb auszuschalten droht und zur Verkrustung von Märkten führt. Exakt das ist die aktuelle Gefahr – und sie geht exakt von den großen instituten aus, die nun beschönigend als „systemrelevant“ bezeichnet werden.

    Es steht zu befürchten, dass die aktuellen Regulierungsbestrebungen ihr Ziel der Systemstabilität nicht erreichen, wenn dieser Aspekt nicht mitbetrachtet und berücksichtigt wird.

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