Nationalbank Schweiz
Insider-Gerüchte unter dem Weihnachtsbaum

Kurz vor der Bescherung legte die Schweizerische Nationalbank (SNB) Journalisten noch ein besondere Pressemitteilung ins Mailfach: Gerüchte darüber, dass sich Notenbank-Präsident Philipp Hildebrand im Zuge des Festlegung der Franke-Euro-Mindestkurses persönlich bereichert habe, seien „haltlos“, teilte die SNB am Freitagabend mit.  Doch das Kommunique wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet.
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ZürichFreitag, 23. Dezember, 18.01 Uhr. E-Mail von der Schweizerischen Nationalbank. Der Inhalt klingt brisant. „Der Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, ist am 15. Dezember 2011 über Gerüchte aus unbekannter Quelle informiert worden, nach denen er im Zusammenhang mit der Einführung eines Mindestkurses gegenüber dem Euro am 6. September 2011 in unzulässiger Weise persönliche Vermögensvorteile erlang haben soll.“ Im Klartext: Die SNB dementiert, dass ihr Präsident im Zuge der Festsetzung der Frankengrenze Insidergeschäfte getätigt habe.

Um die Schweizer Export-Industrie vor dem Ruin zu bewahren, hatte die SNB am 6. September verkündet, dass sie den Franken nicht jenseits der Grenze von 1,20 Franken je Euro aufwerten lassen wolle.  Diese Kurzgrenze will die Notenbank zur Not mit unbegrenzten Devisenverkäufen verteidigen. Das Manöver sorgte international für Aufsehen: Denn bis dato konnte Hildebrand und die SNB die Kursgrenze verteidigen, ohne allzu große Euro-Käufe tätigen zu müssen. Hildebrand wurde als pragmatischer und handlungsfreudiger Notenbank-Chef gelobt. Ökonomen wie Christian Schulz von der Berenberg Bank nannten die Schweizerische Notenbank gar ein Vorbild für die EZB.

Daher ist der Vorwurf, dass sich SNB-Präsident Hildebrand bei der Kurs-Festsetzung persönlich bereichert haben könnte, ein ungeheuerliches Gerücht. Kurios ist dabei aber nur, dass bis vor der Veröffentlichung der SNB-Pressemeldung niemand öffentlich irgendwelche Insidervorwürfe gegen den Notenbank-Präsident erhoben hat. So wurde der Vorwurf nicht auf der Pressekonferenz der SNB am 15. Dezember zur Sprache gebracht. „Bis gestern kursierten weder in den nationalen noch internationalen Medien derartige Spekulationen“, wundert sich zum Beispiel auch der „Tages-Anzeiger“.  Auf Nachfrage wollte die SNB-Pressestelle keine weiteren Angaben zu der Quelle der Gerüchte machen.

Der Schweizerischen Notenbank schienen die Gerüchte aber so bedeutend, dass man die Revisionsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC) eigens mit einer Prüfung von Hildebrands persönlichen Finanzen beauftragte.  Ergebnis:  „Es wurden keine unzulässigen Transaktionen vorgenommen und es ist kein Missbrauch von privilegierten Informationen erfolgt“, schreibt die SNB.

Neben der unklaren Quelle-Lage zu den Insider-Gerüchten wirft die Presse-Mitteilung aber eine zweite Frage auf. Denn: Zwei Transaktionen der Familie Hildebrand seien „besonders prüfenswert“ gewesen, hieß es. So habe Hildebrands Frau am 15. August– also rund drei Wochen vor der Festlegung der Franken-Untergrenze – für Franken Dollar gekauft. Und auch für das Konto der Tochter sei „ein kleiner US-Dollar-Betrag“ gekauft worden. Hildebrand habe diese Geschäfte sofort nach Abschluss der internen Compliance-Abteilung gemeldet. 

Das Volumen dieser Geschäfte wurde indes nicht veröffentlicht. Das Boulevard-Blatt „Blick“ wittert schon einen Skandal. „Stolpert SNB-Chef Hildebrand über seine schöne Frau?“, schreibt das Blatt in seiner Online-Ausgabe. Schließlich sei Hildebrands Gattin Kashya eine ehemalige Devisenhändlerin und kenne sich also mit der Materie aus. Doch laut SNB hätten weder die Wirtschaftsprüfer von PwC noch der Bankrat irgendwelche Regelwidrigkeit bei den Devisen-Käufen feststellen können.

Viel Wind um nichts also? Ein fahler Beigeschmack bei der ganzen Geschichte bleibt. Die SNB scheint hierzu entweder zu viel oder zu wenig kommuniziert zu haben. Zu viel, weil die Öffentlichkeit erst mit der Pressemitteilung auf die Insider-Gerüchte aufmerksam gemacht wird. Zu wenig, weil man in der Meldung erwähnten Devisen-Transaktionen von Frau Hildebrand gerne mehr gewusst hätte.

 

Kommentare zu " Nationalbank Schweiz: Insider-Gerüchte unter dem Weihnachtsbaum"

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  • Dienstbarkeiten im ZEITalter der Bedienungsfreiheit. Und das alles nur der Balance von Franken zu Euros wegen?

  • Warscheinlich wurde Ph. Hildebrand als Maulwurf der NWO auf diesen Posten gehoben, der sich als nützlicher Nebenefekt die eigene Tasche dabei gefüllt hat. Der schweizer Franken war noch das einzige Bollwerk, welches den Bankster noch im Wege stand.

  • Spielt die ganze Gerüchteküche überhaupt noch eine Rolle, wenn alle Länder, Nationen, Firmen, Banken am 31.12.2011 ihre Abschlüsse oder Bücher offen legen müssen?
    Der Crash ist unausweichlich - irgendwann stürzt der CH-Franken mitsamt dem Euro zusammen, wenn das Fraktal-System nicht behoben wird.
    www.hartgeld.com

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