Negative Signale
Der kurze Sommer der Konjunktur

Kaum hat sich Deutschland an positive Konjunkturnachrichten gewöhnt, mehren sich die negativen Signale. Der konjunkturelle Höhepunkt könnte demnach schon erreicht sein. In den Wirtschaftsverbänden schwindet bereits die Hoffnung auf einen anhaltenden, kräftigen Aufschwung.

DÜSSELDORF / BERLIN. Ein Blick auf die aktuelle Wirtschaftslage stimmt zunächst positiv: Für hiesige Verhältnisse ist sie sehr gut. Derzeit weisen viele Indikatoren auf ein sich beschleunigendes Wirtschaftswachstum im zu Ende gehenden zweiten Vierteljahr hin. Die Exporte sind zuletzt gestiegen, die Industrie produziert emsig und die Konsumenten sind in Kauflaune.

Der Blick nach vorne ist jedoch wesentlich getrübter als es die aktuellen Daten vermuten lassen. Die zeitweise euphorische Erwartungshaltung zahlreicher Konjunkturbeobachter kippt derzeit. So sinkt die Erwartung mehrerer hundert vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragter Finanzmarktexperten seit nunmehr fünf Monaten und hat nun fast wieder ihr langjähriges Durchschnittsniveau erreicht.

Und auch die hohen Erwartungen der hiesigen Unternehmen relativieren sich inzwischen. Mehrere tausend Firmen, die das Münchener Ifo-Institut Monat für Monat befragt, äußerten sich zuletzt skeptischer – nachdem sich ihre Zukunftserwartungen zuletzt kontinuierlich nach oben geschraubt hatten. Dass sich ihr Zukunftsbild etwas später relativieren als das der Analysten, liegt auch an dem Zeithorizont der Stimmungsumfragen: Ifo blickt drei bis sechs Monate nach vorn, ZEW bis zu zwölf.

Je weiter der Blick nach vorne, desto stärker flachen die hohen Erwartungen ab. Nährboden für diese Entwicklung ist der Jahreswechsel, dem aus volkswirtschaftlicher Sicht diesmal besondere Bedeutung beigemessen wird – weil am 1. Januar die Mehrwertsteuer um drei Punkte auf 19 Prozent steigt.

 Infografiken: Konjunkturprognosen 2006

Wie stark sich dies auf die Konjunktur auswirken wird, hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) geschätzt: Bliebe die Mehrwertsteuer bei unverändert 16 Prozent, lege die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1,9 Prozent, im kommenden Jahr um 1,6 Prozent zu, prognostiziert das Institut. Die Steuererhöhung aber ist beschlossene Sache, die Wachstumsprognosen des IfW klaffen daher mit 2,1 Prozent für dieses und 1,2 Prozent für das kommende Jahr deutlich auseinander.

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