Nein zu Euro-Bonds
Ökonomen stützen Merkels Krisen-Kurs

Das strikte Nein der Bundesregierung zu gemeinsamen Anleihen der Euro-Länder sorgt für großen Wirbel. Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker wirft Angela Merkel einen Mangel an europäischem Denken vor. Doch führende Wirtschaftsforscher stützen den Kurs der Kanzlerin. Sie warnen davor, Pleitestaaten auf dem Rücken der deutschen Steuerzahler zu retten.
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DÜSSELDORF. Führende Ökonomen in Deutschland unterstützen das deutsche Nein zu Euro-Bonds. Das Münchner Ifo-Institut verwarf den Vorschlag von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker für gemeinsame Anleihen der Euro-Länder unter Hinweis auf immense Kosten, die auf Deutschland zukommen können. Da die hoch verschuldeten Länder Portugal, Irland, Griechenland und Spanien (so genannte PIGS-Staaten) momentan unter hohen Risikoprämien litten, dürften die Vorschläge vor allem darauf abzielen, sich Bonität bei anderen Staaten zu „leihen“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen Handelsblatt Online. Im Umkehrschluss müssten die solideren Länder Bonität „abgeben“. „Es handelt sich dann um eine versteckte Subventionierung, die den deutschen Staat teuer zu stehen kommen würde.“

Carstensen rechnete vor, dass schon ein Zinsaufschlag von nur einem halben Prozentpunkt den deutschen Steuerzahler langfristig knapp 9 Milliarden Euro pro Jahr kosten würde. Dies entspreche in etwa den zusätzlichen jährlichen Einsparungen, die die Bundesregierung im Rahmen des Sparpakets bis 2014 plant. „Es geht also nicht um Peanuts.“ Zudem würde seiner Ansicht nach eine Angleichung der Risikoprämien „den Anreiz zum Konsolidieren mittelfristig wieder verwässern und den Kapitalexport aus Deutschland heraus perpetuieren“. Carstensens Fazit: „Dass die Bundesregierung den Euro-Bond-Vorschlag ablehnt, scheint mir daher nicht ihrer vermeintlichen Ignoranz zu entspringen, wie Herrn Juncker nahelegt, sondern einer klugen Analyse dieser Zusammenhänge.“

Juncker hatte vorgeschlagen, dass die Euro-Bonds die Spekulationen gegen hoch verschuldete Euroländer beenden könnten. Ein Teil der nationalen Schulden sollte auf europäischer Ebene gebündelt und durch gemeinsame Anleihen refinanziert werden. Für den überwiegenden Teil ihrer Staatsschulden sollen die Euro-Länder aber wie bisher alleine bürgen. Wie Carstensen fürchtet auch die Bundesregierung, der Vorschlag könnte Milliarden kosten. Denn der Zins für Euro-Bonds dürfte deutlich über dem für die erstklassig bewerteten Bundesanleihen liegen.

Rückendeckung erhält Deutschland auch von Frankreich. „Junckers Vorschlag ist gänzlich nicht neu. Er wirft Schwierigkeiten auf, vor allem was das Aufteilen der Kosten und Gewinne angeht“, sagte ein Sprecher von Präsident Nicolas Sarkozy am Donnerstag. „Es gibt keine Notwendigkeit, neue Vorschläge zu diskutieren.“ Frankreich sprach sich auch gegen eine Aufstockung des Rettungstopfes für Krisenländer der Euro-Zone aus.

Ähnlich kritisch äußerte sich der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. „Euroanleihen vermischen das Risiko der verschiedenen Länder und am Ende garantiert der Stärkste“, sagte Hüther Handelsblatt Online. Dies könne nicht „anreizkompatibel“ sein. „Die Märkte müssen lernen, dass es dauerhaft keinen Bail-Out geben wird“, betonte der IW-Chef. Es sei daher besser die Probleme hoch verschuldeter EU-Staaten über die Stabilisierung der nationalen Bankensysteme anzugehen, indem die bestehenden Rettungspakete genutzt werden und die Notenbanken ihre Kernfunktion erfüllen, Liquidität bereit zu stellen. Der Kauf von Staatsanleihen und Euro-Bonds sei keine Lösung.

Hüther zeigte sich überzeugt, dass man die Zahlungsprobleme einzelner Länder mit den „jetzt wirksamen Programmen“ in den Griff bekommen könne. Das Zahlungsmittel Euro sei davon nur betroffen, wenn es politisch zugelassen werde. „Es kommt darauf an, nun nicht den Märkten das Diktat zu überlassen“, sagte Hüther. „Alle Vorschläge wie eine Aufstockung des Euro-Rettungsfonds und eine Euro-Anleihe zeigen, dass die Politik die Argumente der Kapitalmärkte kauft“, warnte der IW-Chef. „Es muss aber das Gegenteil passieren, und das setzt voraus, die Linie zu halten.“

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  • http://www.deutsche-schutzgebiete.de/verbreitung_der_deutschen.htm
    ist das die deutsche Wunscheurozone?

  • @[26] Poilu
    vielleicht wird bald auch der Herr Sarrazin Merkels Krisen-Kurs stützen, war früher doch bei der bundesbank. Also ein Fachmann!
    Übrigens, man sollte den doch als Nachfolger für den Posten des EZb-Präsident vorschlagen.
    Damit hätten wir deutsches Sachverstand nach brüssel geschickt,wie von Herr Westerwelle vorgeschlagen.

  • Welche denn?
    Schaumschläger die nur Werbung suchen um ihre bücher zu verkaufen! Und die deutsche Medien (fast nur die Deutsche!!!) spielen da noch mit, deswegen solche Kommentare hier!

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