Nein zu Euro-Bonds Ökonomen stützen Merkels Krisen-Kurs

Das strikte Nein der Bundesregierung zu gemeinsamen Anleihen der Euro-Länder sorgt für großen Wirbel. Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker wirft Angela Merkel einen Mangel an europäischem Denken vor. Doch führende Wirtschaftsforscher stützen den Kurs der Kanzlerin. Sie warnen davor, Pleitestaaten auf dem Rücken der deutschen Steuerzahler zu retten.
28 Kommentare
Merkel im Kanzleramt: die Euro-Debatte wird schärfer. Quelle: dpa

Merkel im Kanzleramt: die Euro-Debatte wird schärfer.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Führende Ökonomen in Deutschland unterstützen das deutsche Nein zu Euro-Bonds. Das Münchner Ifo-Institut verwarf den Vorschlag von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker für gemeinsame Anleihen der Euro-Länder unter Hinweis auf immense Kosten, die auf Deutschland zukommen können. Da die hoch verschuldeten Länder Portugal, Irland, Griechenland und Spanien (so genannte PIGS-Staaten) momentan unter hohen Risikoprämien litten, dürften die Vorschläge vor allem darauf abzielen, sich Bonität bei anderen Staaten zu „leihen“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen Handelsblatt Online. Im Umkehrschluss müssten die solideren Länder Bonität „abgeben“. „Es handelt sich dann um eine versteckte Subventionierung, die den deutschen Staat teuer zu stehen kommen würde.“

Carstensen rechnete vor, dass schon ein Zinsaufschlag von nur einem halben Prozentpunkt den deutschen Steuerzahler langfristig knapp 9 Milliarden Euro pro Jahr kosten würde. Dies entspreche in etwa den zusätzlichen jährlichen Einsparungen, die die Bundesregierung im Rahmen des Sparpakets bis 2014 plant. „Es geht also nicht um Peanuts.“ Zudem würde seiner Ansicht nach eine Angleichung der Risikoprämien „den Anreiz zum Konsolidieren mittelfristig wieder verwässern und den Kapitalexport aus Deutschland heraus perpetuieren“. Carstensens Fazit: „Dass die Bundesregierung den Euro-Bond-Vorschlag ablehnt, scheint mir daher nicht ihrer vermeintlichen Ignoranz zu entspringen, wie Herrn Juncker nahelegt, sondern einer klugen Analyse dieser Zusammenhänge.“

Juncker hatte vorgeschlagen, dass die Euro-Bonds die Spekulationen gegen hoch verschuldete Euroländer beenden könnten. Ein Teil der nationalen Schulden sollte auf europäischer Ebene gebündelt und durch gemeinsame Anleihen refinanziert werden. Für den überwiegenden Teil ihrer Staatsschulden sollen die Euro-Länder aber wie bisher alleine bürgen. Wie Carstensen fürchtet auch die Bundesregierung, der Vorschlag könnte Milliarden kosten. Denn der Zins für Euro-Bonds dürfte deutlich über dem für die erstklassig bewerteten Bundesanleihen liegen.

Rückendeckung erhält Deutschland auch von Frankreich. „Junckers Vorschlag ist gänzlich nicht neu. Er wirft Schwierigkeiten auf, vor allem was das Aufteilen der Kosten und Gewinne angeht“, sagte ein Sprecher von Präsident Nicolas Sarkozy am Donnerstag. „Es gibt keine Notwendigkeit, neue Vorschläge zu diskutieren.“ Frankreich sprach sich auch gegen eine Aufstockung des Rettungstopfes für Krisenländer der Euro-Zone aus.

Ähnlich kritisch äußerte sich der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. „Euroanleihen vermischen das Risiko der verschiedenen Länder und am Ende garantiert der Stärkste“, sagte Hüther Handelsblatt Online. Dies könne nicht „anreizkompatibel“ sein. „Die Märkte müssen lernen, dass es dauerhaft keinen Bail-Out geben wird“, betonte der IW-Chef. Es sei daher besser die Probleme hoch verschuldeter EU-Staaten über die Stabilisierung der nationalen Bankensysteme anzugehen, indem die bestehenden Rettungspakete genutzt werden und die Notenbanken ihre Kernfunktion erfüllen, Liquidität bereit zu stellen. Der Kauf von Staatsanleihen und Euro-Bonds sei keine Lösung.

Hüther zeigte sich überzeugt, dass man die Zahlungsprobleme einzelner Länder mit den „jetzt wirksamen Programmen“ in den Griff bekommen könne. Das Zahlungsmittel Euro sei davon nur betroffen, wenn es politisch zugelassen werde. „Es kommt darauf an, nun nicht den Märkten das Diktat zu überlassen“, sagte Hüther. „Alle Vorschläge wie eine Aufstockung des Euro-Rettungsfonds und eine Euro-Anleihe zeigen, dass die Politik die Argumente der Kapitalmärkte kauft“, warnte der IW-Chef. „Es muss aber das Gegenteil passieren, und das setzt voraus, die Linie zu halten.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Nein zu Euro-Bonds - Ökonomen stützen Merkels Krisen-Kurs

28 Kommentare zu "Nein zu Euro-Bonds: Ökonomen stützen Merkels Krisen-Kurs"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • http://www.deutsche-schutzgebiete.de/verbreitung_der_deutschen.htm
    ist das die deutsche Wunscheurozone?

  • @[26] Poilu
    vielleicht wird bald auch der Herr Sarrazin Merkels Krisen-Kurs stützen, war früher doch bei der bundesbank. Also ein Fachmann!
    Übrigens, man sollte den doch als Nachfolger für den Posten des EZb-Präsident vorschlagen.
    Damit hätten wir deutsches Sachverstand nach brüssel geschickt,wie von Herr Westerwelle vorgeschlagen.

  • Welche denn?
    Schaumschläger die nur Werbung suchen um ihre bücher zu verkaufen! Und die deutsche Medien (fast nur die Deutsche!!!) spielen da noch mit, deswegen solche Kommentare hier!

  • Angela Merkel hat jetzt die Chance, sich bewähren, hart zu bleiben, anstatt einen EU-Umverteilungssozialismus mt Deutschland als Zahlmeister einzuführen. Dies wäre buchstäblich das Ende eines handlungsfähigen Deutschland.
    Von Schäuble und Westerwelle haben wir wohl noch weniger als von Merkel zu erwarten.

  • [16] jugen
    -----------------------
    Diese Ökonomen bestimmen immer selbst ob sie Top-Ökonomen sind, z. T. auch die Politik, da diese Top-Ökonomen meist das sagen, was die Politik hören will. Das trifft besonders auf den Hüther zu.
    Das sind alles unsere "Experten" die durchs Land eilen. Dazu gehört dann noch der Prof. Raffelhüschen aus Freiburg, der weiß einfach alles und ist Experte für Rente, Gesundheit und Finanzen. Nur wie eine Krankenkasse von innen aussieht, wie ein Krankenhaustag ist, weiß er nicht. Aber das macht ja nichts, dafür ist er ja Experte.
    Dieses Land hat viele viele "Experten", nur leider fehlen uns Fachleute und genau das ist unser Dilemma

  • Es ist immer dasselbe bei diesen Politikern. Sie können gut reden und sonst nichts. Ob Obama oder gestern in "hart aber fair" dieser Laschet oder auch Junker. Schon jetzt machen fast alle Vermögensverwalter einen gewaltigen bogen um europäische Staatsanleihen. Sparkassen und Volksbanken etc sind wohl die letzten, die diese eigentlich wertlosen Papiere an Oma und Opa und alle Dummen verkaufen. Wenn jetzt noch €-Anleihen kommen, wer soll die denn kaufen??? Das kann das Mass der Defizite zum überlaufen bringen und dann gibt auch keiner mehr dem Schäuble Geld.

  • Welcher Schwachsinnige verantwortet eigentlich, dass Herr bofinger zu den "Wirtschaftsweisen" gehört?

  • "Doch führende Wirtschaftsforscher stützen den Kurs der Kanzlerin. Sie warnen davor, Pleitestaaten auf dem Rücken der deutschen Steuerzahler zu retten."

    bitte nicht immer die Pleitebanken, die ja einen Großteil zur Eurokrise beitragen, vergessen. Die will der Steuerzahler schon gar nicht retten. Die spielen derzeit Mäuschen und hoffen, dass der Kelch an ihnen vorrüber geht und sich die Menschen durch den Zoff zwischen den Ländern von den bankstern ablenken lassen. Liebe bankster, keine Sorge - wir vergessen euch nicht, und werden auch Eure politischen Sprechpuppen daran erinnern!

  • "Damit würden sich die Länder der Gemeinschaft in einem einheitlichen Wertpapier gemeinsam verschulden und die Differenzierung zwischen starken und schwachen Ländern aufheben"

    ist das Europa oder Kommunismus ?

  • ich stütze Merkels Kurs auch, bin aber kein Top-Ökonom. Die gegenwärtige Situation ist, daß die EURO Länder iN ZUKUNFT höhere Zinsen für ihre neu-aufzunehmenden Schulden zahlen müssen. Am meisten Griechenland, irland u.s.w. Was ist daran falsch ?

    Der irrtum von Maastricht war, zu Risiken und Nebenwirkungen nicht aufzuklären.

    Jedes Land ist Anders. in Griechenland wurde geschummelt. in irland stehen ganze Strassenzüge mit Neubauten leer. in Spanien wurde ein Fluglotsenstreik mit militärischen Drohungen niedergeschlagen. Klingt schlimm, aber die Lotsen haben sich gegen eine Gehaltsanpassung auf dem Niveau von 350.000 EUR pro Jahr gewehrt (1500 EUR pro ÜberSTUNDE)! Das klingt nach Hyperinflation, hiesse es nicht EURO ! Wollen wir das mit einer Euroanleihe noch subventionieren ?

    Die Arroganz der Deutschen, die in dieser Diskussion immer wieder zutage tritt, sollte sich auch irgendwann legen.
    Ein realistisches beispiel: Stellt man sich vor, daß ein Projekt wie DESERTEC scheitert und plötzlich alle europäischen Solaranlagen in Spanien und Südeuropa stehen müssen, dann ist Spanien in 20-30 Jahren vielleicht ein reiches Land und Deutsche bundesanleihen haben dann eine höhere Verzinsung als die Spanischen. Soll man wirklich diese Staaten jetzt aus dem EURO ausschliessen und in 20 Jahren verteuert sich der Strom immens durch schwankende Wechselkurse infolge eines sich umkehrenden Wohlstandsgefälles ? Nein, auf keinen Fall.

    Wir fahren gerne in diese Länder in den Urlaub. OHNE EURO-ANLEiHE werden die notwendigen Struktur Anpassungen dafür sorgen, dass immobilien und Urlaube in den PiiGS Staaten auch wieder etwas bezahlbarer werden - in EUROS! Wir sollten nicht so dumm daher reden, als wenn wir Deutschen reicher oder was besseres wären, nur weil wir sparsamer sind und pro Kopf mehr Vermögen haben. Vielleicht sind diese Länder mal reicher ? Geld kann man nicht essen.

    Die Vorschläge in Nord-Süd / PiiGS Spaltung sind das, was der Name schon sagt: Rhetorische Spaltpilze, ökonomisch fatal. Diese Vorschläge kommen von Menschen, die offenbar Gedanken an Armut und Krieg systematisch verdrängen.

    Die jetzige Situation ist nur ohne EURO-ANLEiHE ziemlich stabil, wenn auch private investoren, banken, Versicherungen in ALLEN europäischen Ländern bereit sind, umzuschulden und damit auf extrem spekulative Kursgewinne in Staatsanleihen der PiiGS-Staaten künftig zu verzichten. Eine EURO-Anleihe hingegen schafft in allen Köpfen Verunsicherung, Gier nach Subventionen, entfacht Streit und nutzt nur den geschicktesten Spekulanten, aus der dann entstehenden Unsicherheit durch klares, nüchternes Denken zu provitieren.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%