Neu-Chefin der südafrikanischen Zentralbank
Gill Marcus – eine bodenständige Bankerin

Mit Gill Marcus tritt eine Weggefährtin Nelson Mandelas an die Spitze der südafrikanischen Zentralbank. Obwohl einige Beobachter mit leichten Sorgenfalten auf ihren politischen Hintergrund schauen, hat sich die 59-Jährige stets als unabhängige Denkerin hervorgetan und Bodenhaftung bewahrt.

KAPSTADT. Nichts widerstrebt Gill Marcus mehr als Fragen nach ihrem Privatleben. Allzu neugierige Journalisten werden von der neu ernannten Chefin der südafrikanischen Zentralbank mit der ihr eigenen Logik in die Schranken gewiesen: „Das Leben hat eine private Seite – und ich möchte, dass dies auch so bleibt. Andernfalls wäre dieser Teil ja nicht länger privat.“

Der fast schon extreme Schutz ihrer Privatsphäre überrascht umso mehr, als dass Gill Marcus 1949 in eine politisch stark engagierte Familie geboren wurde. Beide Eltern waren Mitglied der Kommunistischen Partei; ihr Vater arbeitete damals zudem als Buchprüfer für die Anwaltspraxis von Nelson Mandela und dessen Kampfgefährten Oliver Tambo, dem langjährigen Präsidenten der Widerstandsbewegung Afrikanischer Nationalkongress (ANC). Kein Wunder, dass die Familie zunehmend ins Visier der weißen Machthaber geriet und 1969 von Johannesburg nach London zog – gerade als Gill Marcus ihr Wirtschaftsstudium an der Universität Witwatersrand begann.

In London eröffnete die Familie einen Schnellimbiss, in dem die Tochter am Vormittag die Sandwiches schmierte. Die Nachmittage widmete sie der Parteiarbeit für den ANC. Als dieser 1990 am Kap wieder zugelassen wurde, schickte die Bewegung sie sofort zurück nach Johannesburg, um dort die Öffentlichkeitsarbeit aufzubauen. Mit Ausnahme von Mandela wurde damals kein anderes ANC-Mitglied ähnlich oft in den Medien zitiert wie Marcus.

Auf die Machtübernahme des ANC 1994 folgte eine steile Karriere – zunächst im Finanzausschuss des neuen Parlaments, dann zwischen 1996 bis 1999 als stellvertretende Finanzministerin, wo Marcus unter anderem am Umbau der bis dato reichlich ineffizienten Steuerbehörde beteiligt war. Der ebenfalls neu ernannte Finanzminister Pravin Gordhan, der die Behörde bis vor kurzem führte, ist ein guter Freund.

Selbst die Zentralbank, an deren Spitze sie ab November steht, ist für Marcus vertrautes Terrain: Zwischen 1999 und 2004 war sie Stellvertreterin des nun auf eigenen Wunsch ausscheidenden Tito Mboweni. Unklar blieb damals, weshalb ihr Vertrag nicht verlängert wurde. Angeblich soll sie sich mit ihrem Vorgänger weniger gut verstanden haben. Ehe die 59-Jährige nun doch noch dessen Erbe antritt, sammelte sie fünf Jahre lang wertvolle Erfahrung im Privatsektor – zunächst als Vorsitzende des Minenkonzerns Western Areas und später als Chefin der Bankengruppe Absa, eines der vier großen Finanzhäuser am Kap.

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