Neue EZB-Projektionen für Wachstum und Inflation dürften nur mäßige Veränderungen aufweisen
Experten plädieren für abwartende Geldpolitik

Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihre neuen vierteljährlichen Projektionen für Wachstum und Inflation im Euroraum vorstellt, dürften sich gegenüber Juni nur geringfügige Veränderungen ergeben. Darauf deuten die vom Handelsblatt erhobenen Prognosen von acht leitenden Volkswirten führender internationaler Banken hin.

FRANKFURT/M. Die Inflationsrate wird danach im nächsten Jahr mit 1,8 Prozent der Definition der EZB von Preisstabilität von „unter aber nahe bei zwei Prozent“ genau entsprechen. Das stützt die an den Finanzmärkten vorherrschende Einschätzung, dass die EZB bis ins nächste Frühjahr hinein keinen Grund zu einer Leitzinsänderung sehen wird.

Die vom Handelsblatt befragten Volkswirte sind Mitglieder im EZB-Schattenrat, einem achtzehnköpfigen Expertengremium, das die Geldpolitik der EZB kritisch begleitet. Die Projektionen der EZB weichen in der Regel nur wenig von den Durchschnittsprognosen der Bankvolkswirte ab. Im Juni hatten die Differenzen für Inflation und Wachstum in keinem Fall mehr als einen zehntel Punkt betragen.

Mehr als zwei Drittel der Mitglieder des Schattenrats stimmten auf der letzten Sitzung für die Empfehlung an die EZB, die Leitzinsen am Donnerstag unverändert zu lassen. Drei votierten für eine Zinserhöhung, ein Mitglied drängte auf eine Zinssenkung.

„Die Inflationsaussichten sind günstig, während die Weltkonjunktur ihren Gipfel bereits hinter sich haben dürfte“, sagte Schattenratsmitglied und Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. Eine Zinserhöhung sei deshalb keineswegs angezeigt. Vielmehr solle die EZB bereit sein, nochmals die Zinsen zu senken, falls sich die US-Konjunktur nicht wie erwartet von ihrem Durchhänger im Sommer erholt. Eine Schlüsselrolle kommt Mayer zufolge den Arbeitsmarktdaten aus den USA zu, die Anfang September veröffentlicht werden. „Wenn sie wieder schlecht ausfallen sollten, wäre eine Zinssenkung angezeigt“, lautet sein Urteil. Drei weitere Mitglieder schlossen sich Mayers Einschätzung an, dass die erwartete Abkühlung der Weltwirtschaft so deutlich ausfallen könnte, dass die Konjunktur im Euroraum einer Stütze durch niedrigere Leitzinsen bedürfen würde.

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