Neue Hiobsbotschaft
Britischer Wirtschaft droht Inflationssprung

Die britische Wirtschaft muss nach dem Konjunktureinbruch eine neue Hiobsbotschaft verkraften. Die Inflation dürfte in den kommenden Monaten auf bis zu fünf Prozent steigen, sagte der Gouverneur der britischen Notenbank (BoE), Mervyn King.
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LondonDie Zentralbank werde sich bei ihren Zinsentscheidungen jedoch an langfristigen Zielen orientieren. King verteidigte zudem die Geldpolitik der BoE gegen Kritik. Die Notenbank habe sich mit ihrem Beschluss im vergangenen Jahr, die Leitzinsen trotz des wachsenden Inflationsdrucks nicht zu erhöhen, richtig verhalten. Die verstärkte Inflation sei durch einmalige Faktoren wie höhere Importpreise, einen Anstieg beim Ölpreis und eine Erhöhung von indirekten Steuern verursacht worden. Die Notenbank müsse sicherlich irgendwann den Schlüsselzins heraufsetzen. Dieser Schritt werde jedoch nicht durch Inflationszahlen eingeleitet.

Die britische Wirtschaft hatte zum Ende des vergangenen Jahres einen schweren Rückschlag erhalten. Das harte Winterwetter ließ die Konjunktur von Oktober bis Dezember überraschend um 0,5 Prozent schrumpfen. Am Devisenmarkt kam das Pfund am Dienstag unter Druck. Die Regierung in London will im Kampf gegen die Schuldenkrise nicht von ihrem Sparkurs abweichen. Viele Fachleute wurden von den Daten auf dem falschen Fuß erwischt, im Schnitt hatten sie für das Schlussquartal 2010 ein Plus von 0,5 Prozent veranschlagt. Seit dem Sommer 2009 hatte es zum Vorquartal keinen Rückgang mehr gegeben.

Die Notenbank hatte die Wirtschaft in der Krise mit milliardenschweren Geldspritzen aufgepäppelt und gerät nun in einem Zwei-Fronten-Kampf gegen Preisdruck und Wachstumsschwäche in die Bredouille. Denn die Inflationsrate im Vereinigten Königreich liegt mit 3,7 Prozent bereits fast doppelt so hoch wie von der Zentralbank angestrebt. Das Dilemma von BoE-Gouverneur King: Falls die Notenbank den Preisdruck mit einer Abkehr von ihrer Niedrigzinspolitik frontal angeht, riskiert sie ein Abwürgen der Konjunktur.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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