Neue Insolvenzordnung erhöht private Insolvenzen
Deutschland leidet unter Pleitewelle

Die Konjunkturflaute ist dafür verantwortlich, dass immer mehr Firmen in Deutschland Insolvenz anmelden müssen.

HB/rtr WIESBADEN. Insgesamt 19 953 Unternehmen meldeten im ersten Halbjahr 2003 Konkurs an, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Das seien 9,1 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2002. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen stieg sogar um über 70 Prozent auf 15 667. Das enorme Plus erklärten Experten vor allem mit dem seit Ende 2001 geltenden Insolvenzrecht, das Privatkonkurse erleichtert.

Die Gerichte bezifferten die offenen Forderungen der Insolvenzgläubiger an Unternehmen im ersten Halbjahr auf 16,3 Milliarden Euro. Zum Zeitpunkt der Entscheidung über die Insolvenzanträge waren in den insolventen Firmen rund 110 000 Menschen beschäftigt. Im ersten Halbjahr 2002 waren es allerdings noch 133 000 Arbeitnehmer gewesen.

Elisabeth Andreae von der Commerzbank sagte, der Anstieg der Unternehmenspleiten sei „erschreckend, aber nicht ganz unerwartet“. Die wirtschaftliche Lage werde sich aber vor allem im kommenden Jahr voraussichtlich deutlich bessern. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform macht für die anhaltend hohe Zahl der Firmenpleiten auch eine restriktive Kreditvergabe der Banken verantwortlich. Andreae sagte, eine Kreditklemme sehe sie nicht. Da die Risiken aber gestiegen seien, müssten auch die Banken handeln.

Der drastische Anstieg der Verbraucherinsolvenzen sei auf die neue Insolvenzordnung zurückzuführen, sagte Andreae. Das Gesetz ermöglicht zum Beispiel völlig mittellosen Schuldnern eine Stundung der Verfahrenskosten. Außerdem endet die sogenannte Wohlverhaltensphase in der Regel schon sechs Jahre nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Nach Angaben des Statistikamtes gelten derzeit rund zwei Millionen private Haushalte in Deutschland als überschuldet.

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