Neue Regeln für Pleitebanken
Europa schließt Bankenunion ab

Wer soll künftig bei Bankenpleiten zahlen? Am besten nicht der Steuerzahler. Die EU-Kassenhüter einigen sich auf ein kompliziertes System zur Lastenteilung. Wolfgang Schäuble setzt deutsche Forderungen durch.
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BrüsselNach langem Streit haben die Europäer ihr Riesenvorhaben einer Bankenunion fast abgeschlossen. Die EU-Finanzminister verständigten sich in Brüssel auf Eckpunkte eines gemeinsamen Regelwerks zur Schließung von Pleitebanken. Damit kommt Europa nach Jahren der Krise dem Ziel eines wetterfesten Finanzmarktes deutlich näher. Deutschland setzte in 14-stündigen Marathonverhandlungen zwar zentrale Forderungen durch, machte jedoch auch Zugeständnisse.

Der amtierende Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nannte die Kompromisslinien „einen großen Schritt“. Künftig sollten für Bankenkrisen nicht mehr die Steuerzahler, sondern Aktionäre und Gläubiger die Kosten tragen. In der Finanzkrise hatten die EU-Länder insgesamt rund 1,6 Billionen Euro in ihre maroden Geldhäuser gepumpt.

Der komplizierte Text zur Bankenabwicklung soll nach juristischer Feinarbeit bei einem Sondertreffen der Kassenhüter am Mittwoch kommender Woche (18.12.) besiegelt werden. Am Donnerstag (19.12.) beginnt dann der EU-Gipfel, der die Vollendung der Bankenunion feiern will.

Das neue System zur Bankenabwicklung soll von 2016 an kommen - und damit ein Jahr später als zunächst geplant. Es ergänzt die bereits vereinbarte europäische Bankenaufsicht, die im November 2014 als erster Pfeiler der Bankenunion starten wird. 2016 soll auch ein separates EU-Gesetz zur „Hackordnung“ bei Bankenschieflagen in Kraft treten. In der Pflicht sind dabei vor allem Aktionäre und Gläubiger.

Besonders umstritten in den Verhandlungen war ein gemeinsamer EU-Abwicklungsfonds, der nun stufenweise aufgebaut wird. Er soll sich zunächst aus bestehenden Krisentöpfen von Mitgliedstaaten zusammensetzen. Diese bleiben zunächst als solche erkennbar und den Staaten zugeordnet. Innerhalb von zehn Jahren soll der Fonds dann zu einem gesamteuropäischen Instrument ausgebaut werden, in dem nationale Abschottungen fallen. Angepeilt ist ein Umfang von bis zu 55 Milliarden Euro. Spekuliert wird, dass Deutschland davon 10 Milliarden beisteuert.

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  • Draghi wird eine Unicredit oder Banco Santander schon retten.Hätte er nicht seine fatale Londoner Rede gehalten(OMT) dasnn wären beide schon Geschichte und deutsche Banken hätten zwei Konkurrenten weniger auf den europäischen Parkett zu fürchten.Ich hoffe das BVG kippt sein Programm,dann gehts rund an der Börse,aber es wäre gerecht.

  • 2016 soll auch ein separates EU-Gesetz zur „Hackordnung“ bei Bankenschieflagen in Kraft treten. In der Pflicht sind dabei vor allem Aktionäre und Gläubiger.

    Wer ist Gläubiger einer deutschen Bank oder Sparkasse.

    Gläubiger ist, wer ein Bank Konto hat. Ein Konto mit schwarzen Zahlen auf dem Auszug.

    Na, dann wissen Sie ja wo der Zug hinfährt.

    Gestern Abend schrieb ich:
    Sie sollten handen, bald, sehr bald.
    Jetzt haben Sie es schriftlich warum.

    Trotzdem einen schönen Abend noch.

  • Bitte schreibt nicht immer "Mutti".
    Fr.Merkel ist keine Mutti und meine schon lange nicht.

    Diese Dame ist die Unfähigkeit in Person und hat mein Erspartes an diese EU-Mafia verscherbelt.

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