Neue Schulden
IWF fordert Industrieländer zum Geldausgeben auf

Blankoscheck zum Schuldenmachen: Der Internationale Währungsfonds will, dass die Industrienationen mit höheren Investitionen ihre schwächelnde Wirtschaft ankurbeln. Doch diese Rechnung geht nicht in jedem Fall auf.
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Washington/BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) drängt Industrieländer zu deutlich mehr Investitionen in Energie-, Verkehrs- und Datennetze – selbst wenn dafür neue Schulden nötig sind. „Öffentliche Investitionen in die Infrastruktur könnten sich am Ende selbst finanzieren, wenn sie richtig angegangen werden", erklärte der Fonds in einer am Dienstag veröffentlichten Studie des neuen Weltwirtschaftsausblicks.

Angesichts der niedrigen Zinsen sei jetzt genau der richtige Zeitpunkt für solche Ausgaben. Damit könne der nur schwach wachsenden Wirtschaft in vielen Ländern ein kräftiger Schub gegeben werden. Dann führten kreditfinanzierte Investitionen auch nicht zu einer höheren Schuldenquote. Allerdings gelte das nur für Länder mit einer geringen Schuldenlast. Bei anderen Staaten könne eine zusätzliche Kreditaufnahme an den Märkten negativ ankommen und gegenteilige Effekte haben, warnte der IWF.

In einer Modellrechnung kommt der Fonds zu dem Schluss, dass die Erhöhung der Investitionen um ein Prozent der Wirtschaftsleistung das Wachstum eines Landes im gleichen Jahr um etwa 0,4 Prozent steigern könne. Vier Jahre danach könnte der Wachstumseffekt dann sogar 1,4 Prozent erreichen.

Besonders Deutschland hat der IWF schon vor einigen Monaten zu einer kräftigen Erhöhung der öffentlichen Investitionen gedrängt. Ohne irgendwelche Regeln oder Vereinbarungen zu verletzten, könnte die Bundesrepublik jährlich zusätzlich ein halbes Prozent der Wirtschaftsleistung – rund 14 Milliarden Euro – für Investitionen ausgeben. Auch andere Experten fordern hierzulande deutlich höhere Infrastruktur-Ausgaben, damit die größte europäische Wirtschaft nicht an Wettbewerbsfähigkeit verliert.

Der neue IWF-Bericht nimmt Deutschland zwar nicht ausdrücklich ins Visier. Allerdings wird darauf verwiesen, dass hierzulande und in den USA die Qualität der Infrastruktur in den vergangenen Jahren abgenommen habe, insbesondere bei Straßen. Damit setze sich Deutschland negativ ab von Ländern wie Kanada, Frankreich, Großbritannien und Italien. „Steigende öffentliche Investitionen in die Infrastruktur heben die Wirtschaftsleistung kurz- wie langfristig", heißt es in der IWF-Studie.

In Zeiten einer Wachstumsflaute seien sie noch bedeutsamer. Mängel in der Infrastruktur wirkten sich schnell auf das Wirtschaftsleben insgesamt aus. Da gebe es in einigen Industrieländern Defizite, die in etlichen Schwellen- und Entwicklungsländern noch größer seien.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Neue Schulden: IWF fordert Industrieländer zum Geldausgeben auf"

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  • Ich werde ja eher den Verdacht nicht los, dass die Leute beim IWF diesen Unsinn selbst glauben...

    Was doch real passieren würde ist folgendes:
    Es gibt durch die Kreditaufnahme ein kurzes Strohfeuer und danach landet das Geld auf Sparkonten, welche somit die Gegenposition eben jener Staatsanleihen bilden.

    Damit hat man dann nur weiteres "totes Geld" geschaffen, welches auf Zinsen hofft, jedoch keine weitere wirtschaftsbelebende Wirkung hat.

  • Ja stärker die Staaten verschuldet sind, desto stärker kann sie der IWF steuern!
    Das System ist am Ende, wenn wenige Reiche alles besitzen; wir sind kurz davor.

    Wie beim Monopoly: Hat einer alles ist das Spiel vorbei.

  • Aha:
    Für 1 Euro zusätzlicher Schulden gibt es also 0,40 Euro Wirtschaftswachstum.

    Derart wirtschaftende Unternehmen gehen bekanntlich Pleite.
    Warum also fordert der IWF von Staaten etwas, wovon Unternehmen bekanntlich Pleite gehen?

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