Neue Studien
Schere zwischen Arm und Reich dramatisch gespreizt

Die Vermögensverteilung in Deutschland gerät laut zweier aktueller Studien immer stärker ins Ungleichgewicht. Mehr als ein Viertel der Menschen besitzt gar kein Vemögen, nur die Einbeziehung der Rentenansprüche schönt das Bild. Am höchsten ist das Armutsrisiko in Berlin.
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HB GÜTERSLOH/BERLIN. Das Armutsrisiko ist in Deutschland nirgendwo größer als in der Bundeshauptstadt Berlin. Das geht aus einem am Montag von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Bundesländer-Vergleich hervor. Danach ist jeder fünfte Einwohner der Bundeshauptstadt auf staatliche Unterstützung angewiesen. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist es nur jeder Zwanzigste.

Durchschnittlich besitzt jeder Deutsche nach einer neuen Studie der Hans-Böckler-Stiftung - einschließlich seiner Alterssicherung - rund 150 000 Euro Vermögen. Gut 88 000 Euro entfallen dabei auf Geld- oder Sachvermögen, rund 67 000 Euro auf Renten- oder Pensionsanwartschaften. Insgesamt summierten sich diese Rücklagen zur Alterssicherung im Jahr 2007 auf 4,6 Billionen Euro.

Doch verbergen sich hinter diesen Durchschnittszahlen nach der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) durchgeführten Untersuchung sehr große soziale Unterschiede. Das reichste Zehntel der Bundesbürger etwa besitzt allein 60 Prozent aller Geld- und Sachwerte wie Immobilien oder Unternehmenskapital.

Die weniger wohlhabenden 70 Prozent der Bevölkerung verfügten 2007 dagegen nur über knapp neun Prozent der Geld- und Sachwerte. Beim Alterssicherungsvermögen führen die Beitragsbemessungsgrenze und die zwangsweise Einbeziehung großer Teile der Bevölkerung dagegen dazu, dass auch die ärmere Hälfte über nennenswerte Anwartschaften verfügt, und zwar im Schnitt jeweils zwischen 40 000 und 50 000 Euro.

Künftig dürften die Vermögensunterschiede durch Rentenreformen und veränderte Erwerbsverläufe noch wachsen, und damit zugleich das Risiko von Altersarmut, befürchtet DIW-Forscher Joachim Frick.

Problematisch sei, dass Langzeitarbeitslose kaum Alterssicherungsvermögen aufbauen, betonte Fricks Kollege Markus Grabka. „Man muss deshalb davon ausgehen, dass wir auf mehr Altersarmut zusteuern“, lautete Grabkas Fazit. „Dies gilt besonders für Ostdeutschland.“ Dabei ist das Armutsrisiko schon heute in den neuen Bundesländern viel größer als im Westen, wie die Bertelsmann-Studie zeigt.

Überdurchschnittlich hoch ist die soziale Absicherung danach in den südlichen Bundesländern. Dies gilt für Bayern und Baden-Württemberg, aber auch für Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland. Im Mittelfeld liegen Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, wo jeweils etwa zehn Prozent der Bevölkerung auf finanzielle Unterstützung vom Staat angewiesen sind. Am schlechtesten fällt die Bilanz in Sachsen-Anhalt, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 17 Prozent und in Berlin aus, wo 20 Prozent der Einwohner staatliche Unterstützung erhalten.

Eine Ursache für den großen Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland ist nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung im hohen Anteil junger Alleinerziehender in den neuen Bundesländern zu sehen, da diese tendenziell eher von Armut bedroht sind als Paare.

Dabei schwankt der Anteil junger Alleinerziehender in den westdeutschen Flächenländern zwischen 16,6 Prozent in Baden-Württemberg und 22,3 Prozent im Saarland. In den neuen Bundsländern müssen dagegen durchschnittlich 35 Prozent der unter 20-jährigen Eltern ihre Kinder ohne Partner aufziehen. Insgesamt zeige sich, dass der Aufholprozess in den neuen Bundesländern nur sehr schleppend vorangehe, heißt es in der Studie.

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