Neuer Schwung für Optimisten
RWI erhöht Wachstumsprognose

Die Konjunktur-Optimisten haben eine neue Speerspitze: Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat die Wachstumsprognose für Deutschland auf über zwei Prozent angehoben.

HB ESSEN. Das RWI erhöhte am Mittwoch seine Wachstumsschätzung auf 2,1 von zuvor 1,5 %. „Trotz der spürbaren Belebung ist der Wachstumspfad allerdings flach, und die wesentlichen Impulse kommen erneut aus dem Ausland“, schränkten die Essener Wirtschaftsforscher ein. „Damit bleibt die Konjunktur anfällig selbst für kleine Störungen von außen.“ Nach dem vergleichsweise kräftigen Wachstum zum Jahresanfang zeichne sich für das zweite Quartal eine deutliche Beschleunigung ab.

In den vergangenen Wochen hatten bereits vier der fünf übrigen Institute wegen des starken Exports ihre Wachstumsprognosen für dieses Jahr auf 1,7 bis 1,8 % erhöht. Auch die Wirtschaftsweisen und die Bundesregierung rechnen mit einem Wachstum in dieser Größenordnung.

Für das kommende Jahr erwarten die Essener Forscher bei steigenden Investitionen und einer Belebung des privaten Verbrauchs ein Wachstum von 1,8 %. „Da mehr und mehr Unternehmen an Kapazitätsgrenzen stoßen dürften, regt dies die Investitionen an. Mit steigender Beschäftigung dürfte sich 2005 auch der private Konsum beleben“, heißt es in der Studie. Das Exportwachstum werde wegen der Abkühlung der Weltwirtschaft etwas abflauen.

Auf dem Arbeitsmarkt dürfte sich die wirtschaftliche Erholung jedoch nur sehr langsam bemerkbar machen. Eine Abnahme der Arbeitslosigkeit sei erst gegen Ende dieses Jahres wahrscheinlich. „An einer umfassenden Deregulierung des Arbeitsmarkts führt ... kein Weg vorbei“, mahnte das RWI.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wird es nach Einschätzung des RWI nicht gelingen, im kommenden Jahr das Budgetdefizit unter die im Maastrichter Vertrag vorgesehene Obergrenze von drei Prozent zu drücken. Das Budgetdefizit werde voraussichtlich bei 3,9 % des Bruttoinlandsprodukts in diesem und bei 3,5 % des BIP im kommenden Jahr liegen. Die Haushaltskonsolidierung vollziehe sich damit „erheblich langsamer“ als im deutschen Stabilitätsprogramm angenommen. Die Wirtschaftsforscher warnten zudem davor, angesichts der zu erwartenden wirtschaftlichen Erholung bei der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte nachzulassen.

Mit Blick auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) erklärte das RWI, da die EZB bereits in der Vergangenheit auf einen Anstieg der Inflationserwartungen reagiert habe, sei eine „Heraufsetzung des Notenbankzinses gegen Ende dieses, spätestens aber in der ersten Hälfte des nächsten Jahres“ zu erwarten. Bis Ende 2005 sollte der EZB-Schlüsselzins auf 2,75 von derzeit 2,0 % steigen.

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