Niederschmetternde Studie
Zusammenfassung: Kaum Wachstum, wenig neue Jobs

Die deutsche Wirtschaft wird in den nächsten zweieinhalb Jahrzehnten keine Vollbeschäftigung erreichen. Im Jahr 2030 dürfte die Zahl der Arbeitslosen noch immer über zwei Millionen liegen. Das Bild von der Zukunft, das das Schweizer Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos zeichnet, ist alles andere als rosig. Das Handelsblatt berichtet exklusiv über die Ergebnisse der Studie.

DÜSSELDORF. Die Studie untersucht die langfristige wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Das Land könne bis 2030 seine Wachstumsschwäche nicht nachhaltig überwinden, heißt es darin: Mehr als ein Wachstum von 1,4 Prozent pro Jahr sei langfristig nicht drin, heißt es in der 700 Seiten umfassenden Untersuchung mit dem Titel „Prognos Deutschland Report 2030“. Zwar werde das reale Pro-Kopf-Einkommen bis 2030 insgesamt um mehr als 40 Prozent steigen. Aber „Wachstumsraten wie in den siebziger Jahren wird Deutschland auch in fernerer Zukunft nicht mehr erreichen“, heißt es in der Studie. Die Langzeit-Prognose der Baseler Ökonomen fußt auf einem komplexen makroökonomischen Wachstumsmodell.

Seit 1965 veröffentlicht die Prognos AG, die wie das Handelsblatt zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehört, alle vier Jahre ihren „Deutschland Report“. Schon vor mehr als 20 Jahren prophezeiten die Forscher darin, dass die strukturelle Arbeitslosigkeit steigt und warnten vor den Folgen der alternden Bevölkerung und den Risiken für die Sozialversicherungen – alles Themen, die damals noch kaum beachtet wurden, heute aber die öffentliche Diskussion beherrschen.

Mit einer langfristigen Wachstumsprognose von 1,4 Prozent pro Jahr ist Prognos nach Ansicht anderer Volkswirte sogar vergleichsweise optimistisch. „Ich sehe angesichts der demographischen und der sonstigen Probleme des Landes nicht, dass das Trendwachstum bis 2030 wesentlich über einem Prozent liegen könnte“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn dem Handelsblatt. Und HWWI-Präsident Thomas Straubhaar warnt: „Wenn Deutschland sich nicht zu bewegen beginnt, wird der Aufschwung von 2006 nicht nachhaltig sein.“ Dann werd es zu einem „Jobless Growth“ kommen – einer Konjunktur-Erholung ohne viele neue Vollzeitjobs. Die Arbeitsmarktchancen für gering Qualifizierte werden sich laut Prognos durch Rationalisierung, Strukturwandel und Globalisierung in jedem Fall weiter deutlich verschlechtern – Millionen Jobs für Un- und Angelernte würden verschwinden, erwarten die Schweizer Wirtschaftsforscher.

„Langfristig wird die Arbeitslosigkeit dennoch deutlich sinken“, sagt Prognos-Geschäftsführer Christian Böllhoff. Grund dafür sei aber nicht die wirtschaftliche Dynamik, sondern der demografische Wandel: Durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft sinke die Zahl der Erwerbspersonen in den nächsten Jahrzehnten deutlich. Für 2030 erwartet Prognos rund 2,3 Millionen Arbeitslose, die Arbeitslosenquote dürfte dann bei 5,9 Prozent liegen. Diese Prognose fußt auf der Annahme, dass die Politik ab 2010 einen funktionierenden Niedriglohnsektor schafft – sonst würde die Arbeitslosenquote bis 2015 auf dem heutigen Niveau verharren und erst danach rein demografisch bedingt zurückgehen.

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