Nobelpreisträger Phelps kritisiert ALG-I-Debatte
„Politiker bewegen immer die gleichen Hebel“

Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps kritisiert die deutsche Agenda-Debatte. Die Höhe und Bezugsdauer von Arbeitslosengeld sind nach Ansicht des Ökonomen für die wirtschaftliche Dynamik allerdings unerheblich.

HB BERLIN. Die Diskussion um eine längere Zahlung des Arbeitslosengeldes an Ältere schadet nach Ansicht Phelps der deutschen Wirtschaft. Allerdings kritisierte der Nobelpreisträger den Vorschlag des SPD-Vorsitzenden Beck nicht inhaltlich, sondern weil er von der Lösung anderer Probleme ablenke. "Die Höhe und Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes sind nicht entscheidend", sagte Phelps am Freitag in Berlin. Die wirtschaftliche Dynamik werde dadurch nicht nennenswert erhöht.

"Es ist jedoch unglücklich, dass die Politik so viel Energie auf diese Frage verschwendet", kritisierte Phelps. Dadurch bleibe keine Kraft für andere Reformen, die größere Wirkungen entfalten könnten. Phelps nannte als Beispiele den Finanzsektor, das Insolvenzrecht und vor allem die Arbeitnehmerrechte. "Die Politiker bewegen aber leider immer die gleichen Hebel hin und her."

Die Einführung von Mindestlöhnen wäre nach Ansicht des Ökonomen ein Rückschritt: "Damit werden die Kosten für die Unternehmen erhöht und die Beschäftigungsquote sinkt." Phelps plädierte stattdessen für Kombilöhne, durch staatliche Zuschüsse könnte die Arbeitslosigkeit weiter gesenkt werden.

Der Professor von der New Yorker Columbia-Universität hielt in Berlin auf Einladung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) die jährliche Ludwig-Erhard-Rede. Phelps versuchte zu klären, ob auch 50 Jahre nachdem Erhard sein Buch "Wohlstand für alle" veröffentlicht hat, wirtschaftliche Dynamik und soziale Marktwirtschaft miteinander vereinbar seien.

"Grundsätzlich schließen sich Kapitalismus und ein Sozialsystem nicht aus", sagte Phelps. Beim Kapitalismus handele sich ausschließlich um ein Wirtschaftsmodell, an das soziale Sicherungssysteme angeschlossen werden können. Allerdings seien die wesentlichen Merkmale sozialer Marktwirtschaft inzwischen die Mitbestimmung und der Schutz von Arbeitnehmern.

Doch die Arbeitnehmerrechte seien ein wesentlicher Grund dafür, dass es in Europa eine geringere wirtschaftliche Dynamik und Produktivität als in den USA gebe. "Kontinentaleuropa kann zwar immer wieder aufholen, doch meist nur durch die Imitation dessen, was in Übersee schon funktioniert", sagte Phelps.

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