Notenbank
Bernanke sichert sich zweite Amtszeit

Ben Bernanke bleibt Chef der Fed. Der Bankenausschuss des Senats votierte jetzt für den Verbleib des US-Notenbankchefs und bestätigte damit dem 56-Jährigen eine zweite Amtszeit. Und das, obwohl es in der vergangenen Zeit teilweise harsche Kritik an der Arbeitsweise des Notenbankchefs gab.
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HB. WASHINGTON. Eine zweite Amtszeit für US-Notenbankchef Ben Bernanke ist praktisch sicher: Trotz teils harscher Kritik von Kongressabgeordneten gab der Bankenausschuss des Senats am Donnerstag grünes Licht dafür, dass Bernanke für weitere vier Jahre Chef der Federal Reserve (Fed) bleibt. Damit ist die nötige Zustimmung des gesamten Senats nach den bisherigen Erfahrungen bei Bestätigungsverfahren nur noch Formsache.

Der 56-Jährige war bei verschiedenen Anhörungen im Kongress wegen seiner Rolle im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise teils heftig angefeindet worden. Kritiker werfen der Fed vor, ihre Aufgaben der Bankenaufsicht vernachlässigt und Finanzinstitutionen wie den Versicherungsriesen AIG, die durch Milliarden-Zockereien in die Krise geraten waren, gerettet zu haben. Zudem wird der Notenbank angelastet, die Krise erst durch eine zu lange Periode billigen Geldes mit verursacht zu haben.

Dabei wird nicht nur in der Fachwelt anerkannt, dass die Herkulesarbeit des mächtigsten Notenbankers der Welt im Kampf gegen die schlimmste Finanzkrise seit der Großen Depression durchaus Wirkung tat. „Er hat nicht nur die amerikanische Geldpolitik neu geformt, er stand an der Spitze der Bemühungen, die Weltwirtschaft zu retten“, schreibt etwa das „Time“-Magazin. Einen „guten Banker“ nennt das renommierte Blatt den graubärtigen Akademiker mit der sanften Art, der sich auf dem Höhepunkt der Krise aus Zeitnot vor allem von Müsliriegeln ernährt haben soll.

Der einstige Princeton-Professor und seine Fed pumpten Billionen in die abschmierende US-Wirtschaft, prügelten den Leitzins auf knapp über null, ersannen neue Mechanismen, Kreditmärkte in Schockstarre wiederzubeleben. Allerdings: Gegen das, was die Zentralbank beim Zurückfahren ihrer Hilfsmaßnahmen nun zu schultern hat, schien das Öffnen aller geldpolitischen Schleusentore wie der leichtere Teil des Mammutwerks. Denn verstolpert Bernanke das Timing, fährt er die Maßnahmen zu früh zurück, droht er die gerade begonnene Erholung abzuwürgen. Lässt er andererseits die Zügel zu lange zu locker, droht womöglich durch zu viel billiges Geld eine neuerliche Blase – mit den bekannten Folgen. HB

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