Notenbank
EZB-Leitzins bleibt auf Rekordtief

Die Konjunktur schwächelt, doch die EZB macht das Geld in Europa nicht noch billiger. Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Die Notenbank hat die Instrumente geliefert, nun sieht sie die Politik am Zug.
  • 6

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) stellt eine Rückkehr des Vertrauens an den Finanzmärkten fest und rechnet im kommenden Jahr mit einer sinkenden Inflation in der Eurozone. Trotz der schrumpfenden Wirtschaft sieht die Notenbank von einer Senkung des Leitzinses unter das historische Tief von 0,75 Prozent ab, wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt am Main bekanntgab. Manche Ökonomen hatten erklärt, dass eine weitere Senkung angesichts der Rezession in der Währungsunion angezeigt wäre.

Im letzten Quartal dieses Jahres werde sich die Wirtschaftskrise im gemeinsamen Währungsraum nach den derzeit verfügbaren Daten zwar weiter verschärfen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. "Aber in jüngster Zeit haben sich einige Indikatoren auf niedrigem Niveau stabilisiert, und das Vertrauen an den Finanzmärkten hat sich weiter erholt", erklärte er. In Deutschland und Frankreich sei im November eine steigende Zuversicht auf eine wirtschaftliche Erholung gemessen worden.

Die Konjunkturerwartungen für dieses und nächstes Jahr senkte die EZB derweil aber weiter. Dieses Jahr rechnen die Notenbanker mit einem Schrumpfen der Wirtschaft im Euroraum zwischen 0,4 und 0,6 Prozent. Für das kommende Jahr werde das Wachstum zwischen plus 0,3 Prozent und minus 0,9 Prozent liegen. Im Laufe des Jahres 2013 werde steigende Nachfrage von außerhalb der Eurozone und ein weiter gestärktes Vertrauen an den Finanzmärkten aber zu einer Erholung der Wirtschaft führen.

Es gilt als ungewiss, ob eine weitere Zinssenkung der schwachen Wirtschaft in den europäischen Krisenstaaten überhaupt wieder auf die Beine helfen würde. Eigentlich führt billiges Geld zur Vergabe von mehr Krediten. Solange Unternehmen und Privatleute aber unter der Unsicherheit leiden, wie es mit dem Euro weitergeht, halten sie sich mit Investitionen, Einkäufen und Bauvorhaben zurück.

Draghi drängte denn auch die EU zu einer schnellen Einigung über eine einheitliche europäische Bankenaufsicht. "Eine einheitliche Aufsicht ist einer der wichtigsten Bausteine", sagte Draghi über die Schaffung einer stabilen Finanzstruktur.

Die EU-Finanzminister hatten allerdings Anfang der Woche ihre Verhandlungen über die einheitliche Bankenaufsicht vertagt, weil auf die Schnelle kein Konsens zu erzielen war. Die bisherigen Pläne sehen vor, dass die Aufsicht bei der EZB angesiedelt werden soll. Umstritten ist aber, ob die Aufseher nur für die großen, systemrelevanten Banken zuständig sein sollen oder für alle mehr als 6.000 Banken im Euroraum. Ein weiteres Problem ist es, die Aufsicht bei der EZB klar von der Geldpolitik zu trennen, die mitunter im Interessenwiderspruch zueinander stehen können.

 
Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Notenbank: EZB-Leitzins bleibt auf Rekordtief"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Lungomolch

    Ein Blick auf die USA, auf Spanien und auch Irland zeigt uns, wohin ein Bauboom mit zinsgünstigen Krediten und mit leichtfertiger Kreditvergabe führen kann. Bauruinen, leerstehende Immobilien und wertlose Kredite sind das Ergebnis der "gewitterten Chancen, Geld zu verdienen".

  • @Ernst
    Es braucht halt etwas Zeit, bis das billige Geld in der Realwirtschaft ankommt. Das könnte so losgehen:

    - die Leute haben Angst vor Inflation und kaufen Immobilien
    - das treibt die Preise hoch und auch die Mieten steigen.
    - jetzt wittern viele Leute (bzw. Firmen) eine Change, Geld zu verdienen und fangen an zu bauen
    - die Banken bzw. Bausparkasse unterstützen das durch billige Kredite
    - das kurbelt die Bauindustrie an
    usw.

  • Ich weiss nicht was sie alle haben, wir haben doch die schönste aller Welten. Der DAX auf einem Jahreshoch, Anleihen steigen in ungeahnte Höhen, Rohstoffe steigen, Immobilien explodieren, und die Inflation ist selbstredend im Griff. Es gibt einen Begriff aus der Biologie, Panikblüte. So kommen mir gerade die globalen Finanzmärkte vor. Denn mit rationalem oder logischem Denken kommt man diesen Dingen nicht mehr bei.
    Es lebe die Asset Inflation, denn die schadet nach Ansicht der Zentralbanker niemandem, sondern ist nur und für jeden von Nutzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%