Notenbank-Treffen
Märkte verlangen Signale gegen Inflationsgefahr

Auf dem traditionellen Notenbankertreffen in Jackson Hole können es die Währungshüter der Welt heute kaum ruhiger angehen lassen als in den vergangenen Jahren. Die Zentralbankchefs beraten in dem US-Wintersportort über die Aufräumarbeiten nach Ende der Finanzkrise.

NEW YORK. Zwar stehen dieses Mal keine akuten Krisenmaßnahmen auf der Agenda. Aber nachdem die Zentralbanken und Regierungen weltweit Billionen Dollar aufbringen mussten, um eine drohende Depression zu verhindern, fürchten Investoren nun einen rasanten Anstieg der Inflationsraten.

Sie erhoffen sich daher aus Jackson Hole Signale für eine Bereitschaft der Notenbanker, für die Geldwertstabilität zu kämpfen. "Die unkontrollierte Ausgabe von Dollar lässt die Kaufkraft zusammenschmelzen", warnte etwa der legendäre Investor Warren Buffett in einem bewusst vor dem Treffen platzierten Aufsatz.

Exemplarisch für das Problem der Notenbanken steht die Situation der US-Fed. Durch die Billionen schweren Rettungsmaßnahmen wuchs die Bilanzsumme der US-Zentralbank von 900 Mrd. Dollar auf zeitweise 2,2 Bill. Dollar. Gleichzeitig stimulierte die US-Regierung die Konjunktur auf Pump und rechnet nun mit einem Jahreshaushaltsdefizit von 1,6 Bill. Dollar. Sowohl die Fed als auch die EZB erweckten bislang den Eindruck, dass die Abwicklung der Bilanzen ohne Inflationsgefahr lediglich eine technische Frage sei. Beobachter sind allerdings vor allem bei der Fed skeptisch, ob sie bereit ist, die geldpolitischen Zügel anzuziehen, wenn sie dabei die Konjunkturerholung bremst und sich in Washington unbeliebt macht. Eine Rolle spielt dabei, dass Fed-Chef Ben Bernanke, dessen Amtszeit ausläuft, um eine Wiederernennung durch Präsident Barack Obama kämpft.

Die Sorge von Buffett und anderen Investoren ist, dass die Politik geneigt sein könnte, die Verschuldung statt durch unpopuläre Steuererhöhungen durch eine höhere Inflation zu bekämpfen. Der dann auch zusammenschmelzende Außenwert des Dollars könnte als wünschenswert propagiert werden, da er den Export ankurbelt. Präsidentenberater Larry Summers hatte zuletzt bereits eine stärkere Betonung des Exports in der Wirtschaftspolitik angekündigt.

Einige Experten haben die Hoffnung aufgegeben, dass ein Dollarverfall zu stoppen ist. "Die Frage ist nicht, ob der Dollar allmählich an Wert verliert, sondern wie viel. Die wirkliche Gefahr besteht darin, dass eine ungeordnete Abwärtsbewegung einsetzt", sagte der Pimco-Fondsmanager und frühere IWF-Manager Mohamed El-Erian. Man müsse zwar hoffen, dass eine bessere internationale Zusammenarbeit zustande komme, doch sei es wahrscheinlicher, dass nationale Interessen in den Vordergrund treten.

Mit Spannung wird daher erwartet, ob Bernanke, EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der Chef der Bank of England Mervyn King und die übrigen Währungshüter sich weiterhin auf ein koordiniertes Vorgehen verständigen können. Hatte dies zu Hochzeiten der Krise gut funktioniert, drifteten die Zentralbanken zuletzt wieder auseinander. Während die Fed etwa ihre Bilanzsumme abschmelzen will, hat King zuletzt seine Konjunkturhilfsmaßnahmen um rund 50 Mrd. Pfund aufgestockt.

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