Notenbanken
China senkt den Leitzins

Chinas Notenbank hat den Leitzins gesenkt. Die letzte Senkung lag vier Jahre zurück. Die Aktienmärkte reagierten erleichtert auf den Konjunkturimpuls aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.
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PekingDer große Drache bewegt sich wieder. Erstmals seit 2008 Jahren hat Chinas Notenbank wieder den Leitzins gesenkt. Der Schlüsselzins wurde um einen Viertelprozentpunkt auf 6,31 Prozent gekappt. Angesichts der schlechteren Aussichten zur Weltwirtschaft und der Verschärfung der Eurokrise erschien dieser Schritt offenbar geboten. Auch der Einlagezins, zu dem Banken Geld bei der Notenbank parken können, wurde um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent gesenkt. Bislang schreckte die Notenbank angesichts der hohen Inflationsrate vor Zinssenkungen zurück.

Auf diese Nachrichten hatten Anleger auf der ganzen Welt gewartet. Die Aktienmärkte reagierten erleichtert auf den Konjunkturimpuls der Notenbank der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Der Dax sprang gut 1,2 Prozent in die Höhe auf 6767 Punkte, der Eurostoxx 50 stieg ebenfalls um 1,2 Prozent. Händler hoffen jetzt auf einen positiven Start der Wall Street. Der Euro stieg auf ein Tageshoch von 1,26 Dollar.

"Die Zinssenkung ist ein probates Mittel, um die Konjunktur wieder anzuschieben. Die chinesische Wirtschaft wird nach einem schwachen Sommer wieder schneller wachsen", sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. Weitere Schwellenländer könnten mit Zinssenkungen nachziehen.

Auch Analyst Keith Bowman von Hargreaves Lansdown findet es gut, dass China als leuchtendes Beispiel vorangeht: "Das ist zwar keine massive Senkung, aber sie hilft und signalisiert, dass die Notenbanken bereitstehen, bei Bedarf die Wirtschaft zu stützen." Die australische Notenbank hatte jüngst ihren Leitzins wegen der weltweiten Konjunkturabkühlung auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gedrückt. Die weltweit einflussreichste Zentralbank, die US-amerikanische Fed, hatte zuletzt ebenfalls Signale ausgesendet, dass sie angesichts der schleppenden wirtschaftlichen Erholung für weitere Konjunkturspritzen bereitsteht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihr Pulver zwar noch trocken, hat aber zumindest die Tür für eine Senkung des rekordniedrigen Zinssatzes offengelassen. "Angesichts der drohenden Rezession ist eine Zinssenkung im Juli wahrscheinlich", sagte Ökonom Schulz. Die EZB könnte nach Ansicht von Experten bei größeren Turbulenzen um Griechenland und Spanien in der Euro-Krise recht bald in Zugzwang geraten. Die Folgen der Krise haben in Zeiten der Globalisierung bereits China erfasst: Denn der Exportweltmeister leidet unter den Problemen in der EU, seinem wichtigsten Absatzmarkt.

In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hatten sich zuletzt die Anzeichen für eine spürbare Konjunkturabkühlung verstärkt. Der Einkaufsmanager-Index für große Industrieunternehmen fiel im Mai überraschend auf ein Jahrestief. Noch schlechter steht es um Chinas mittelständische Industrie. Deren Einkaufsmanager-Index signalisiert bereits seit sieben Monaten schrumpfende Geschäfte. Für das Gesamtjahr sagen Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von 8,2 Prozent voraus. Das wäre der schwächste Anstieg seit 1999. Für zahlreiche deutsche Unternehmen ist China inzwischen der wichtigste Kunde, etwa für Volkswagen und Porsche.

Die Notenbanken der Nicht-Euro-Staaten ächzen unter der Eurokrise. Die Schweizer Notenbank stemmt sich mit Devisenkäufen in Milliardenhöhe gegen die Aufwertung des Schweizer Frankens. Die Reserven an Fremdwährung stiegen im Mai nach Angaben der Schweizerischen Nationalbank um 66,2 Milliarden auf umgerechnet 303,77 Milliarden Franken. Die Zunahme sei weitgehend auf die Durchsetzung des Euro-Mindestkurses zurückzuführen, den die SNB im September gegen die Aufwertung des Frankens zum Euro eingeführt hatte, sagte ein SNB-Sprecher. Seit Beginn der europäische Schuldenkrise drängen internationale Anleger in die als sicheren Hafen geltende Schweiz.

Strikter verhält sich die britische Notenbank, sie bleibt wie erwartet bei ihrem geldpolitischen Kurs und belässt den Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Das teilte die Bank of England am Donnerstag in London mit. Trotz Rezession und wachsender Risiken angesichts der Schuldenkrise veränderte sie auch das Volumen ihrer milliardenschweren Anleihekäufe nicht - es bleibt bei 325 Milliarden Pfund. Damit bestätigte die Notenbank das Gesamtvolumen des Kaufprogramms, mit dem sie die britische Konjunktur zusätzlich stützen will. Die Zinssätze liegen bereits seit März 2009 bei 0,5 Prozent.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Notenbanken: China senkt den Leitzins"

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  • Die öffentliche Verschuldung Chinas liegt über der des Krisenlands Spanien. Die Teuerung über 16%. Fürs hohe Wachstum wird die Immobilienblase bemüht. So zumindest renommierte Expertenmeinungen.
    Und die Flucht systemferner Industrien aus China hat schon begonnen.
    Geld ist ein scheues Reh, heißt das nicht so? Und Tiere haben einen sechsten Sinn für herannahende Unwetter.
    In der Situation den Leitzins zu senken, zeigt große Not und wird zum Gang alles Irdischen. Willkommen im Club, China!

    So sieht Wachstum in China aus:

    http://www.everyday-feng-shui.de/feng-shui-news/wp-content/uploads/2011/05/leere-haeuser-zhengzhou.jpg


  • Also für mich ist es ein schlechtes Zeichen, wenn China schon jetzt den Leitzins senken muss, um die Konjunktur zu stimulieren.
    Dachte immer China wäre die Konjunkturlokomotive. Aber man sieht, wie die Weltwirtschaft an einem seidenen Faden hängt.

    Kann man nur noch durch solche Konjunkturspritzen überleben? Das ist traurig!


  • Ein sehr langer Zeitraum, fürwahr: "Erstmals seit 2008 Jahren hat Chinas Notenbank wieder den Leitzins gesenkt." ;-)

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