Notenbanken
Geldpolitiker in Not

Die Notenbanken stehen international vor enormen Herausforderungen. Bei einem internationalen Symposium der französischen Zentralbank berieten Finanzexperten darüber, wie in Zukunft die Finanzsysteme, die weltweit so unterschiedlich organisiert und reguliert sind, nebeneinander bestehen können.

PARIS. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, brachte es auf den Punkt. "Mir scheint, hier werden überwiegend Fragen aufgeworfen", sagte der EZB-Chef bei einem hochkarätig besetzten internationalen Symposium der französischen Zentralbank zum Thema "Globalisierung, Inflation und Geldpolitik".

Dabei gab es bei der Diagnose zumindest noch ein gewisses Maß an Übereinstimmung zwischen den anwesenden Notenbankern und Wissenschaftlern. An den Folgen für die Geldpolitik schieden sich die Geister. "Die Notenbanken sind mit ihrem Latein am Ende", konstatierte ein Insider.

Der Gouverneur der Banque de France, Christian Noyer, umriss das Problemspektrum: Seit über zehn Jahren hat die Integration neuer Volkswirtschaften in die Weltwirtschaft das Güterangebot vergrößert und in den Industrienationen die Preise für importierte Güter tendenziell gedrückt.

Dieser Effekt ist noch nicht ausgelaufen, ihm stehen aber gegenläufige Tendenzen gegenüber. Das Wirtschaftswachstum und der steigende Lebensstandard in den aufstrebenden Volkswirtschaften führen zu starker Nachfrage nach Rohstoffen, Lebensmitteln und Energie, die die Inflation dauerhaft stark ansteigen lassen. Daher sind von der Globalisierung auf Dauer keine inflationsdämpfenden Effekte mehr zu erwarten.

Hinzu kommt, dass die grundsätzlich positiv zu bewertenden Innovationen im Finanzbereich mit zyklischen Entwicklungen und strukturellen Veränderungen einhergehen können, die die Wirkung der Geldpolitik beeinträchtigen, erklärte Noyer. Sie wird zunehmend von oft exogenen Trends bei der Entwicklung von Vermögenspreisen und der Bewertung von Risiken beeinflusst. Dadurch ist die Übertragung geldpolitischer Impulse unsicherer geworden als früher; sie verläuft heute weniger linear.

"Es scheint an der Zeit, zu fragen, wie in Zukunft die Finanzsysteme, die weltweit so unterschiedlich organisiert und reguliert sind, nebeneinander bestehen können und was die Konsequenzen dieser Vielfalt für die Makroökonomie und die Stabilität der Finanzmärkte sein könnten", sagte Noyer. Er schlug vor, der Internationale Währungsfonds (IWF) sollte sich dieser Herausforderung stellen.

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