Notenbanker-Treffen in Jackson Hole
Draghi lässt den Euro schmelzen

Europas Konjunktur springt nicht recht an. Ein niedrigerer Euro-Kurs würde helfen – aber wollen wir das? EZB-Chef Chef Mario Draghi hat sich entschieden: Er will und wirbt für seine Haltung beim Treffen der Notenbanker.
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DüsseldorfSollte Mario Draghi bei seinem Besuch in Jackson Hole, Wyoming, mal einen Shopping-Zwischenstopp einlegen, wird er sich ärgern. Für seine Euro kann sich der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in den USA jetzt weniger kaufen als noch vor ein paar Wochen. Unter 1,33 Dollar notiert die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar, und sie steht vor den höchsten Verlusten der vergangenen drei Monate.

Was den Privatmenschen Draghi ärgert, freut den Notenbanker Draghi. Denn genau diese Schwächung des Euro war sein Ziel. In diesen Tagen weilt Draghi zusammen mit anderen wichtigen Notenbankern in dem malerischen Ort in den Rocky Mountains, um über Geldpolitik und Konjunkturtrends zu debattieren. Am Abend deutscher Zeit, ein paar Stunden nach Janet Yellen, der Chefin der US-Notenbank Fed, wird der Italiener bei einer Tischrede seine Sicht auf die Euro-Krise und die Lage in den Mitgliedstaaten kundtun.

Ein Termin, den Börsianer an diesem Freitag fest im Blick haben. „Heute richten sich alle Augen auf die Notenbankkonferenz in Jackson Hole“, beschrieb Experte Lutz Karpowitz von der Commerzbank die Stimmung am Devisenmarkt.

Was wird Draghi zur Lage in Europa sagen? Es sieht düster aus, wie die jüngsten Konjunkturdaten nahelegen. In den drei größten europäischen Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich und Italien herrscht Flaute, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Währungsraum verharrte zwischen April und Juni nur auf dem Niveau des Vorquartals. In weiten Teilen des Kontinents herrscht noch immer hohe Arbeitslosigkeit.

Die Risiken nehmen zudem weiter zu, warnte die Notenbank kürzlich in ihrem Monatsbericht. Die aktuellen Krisen, die Entwicklung in den Schwellenländern und an den Märkten „könnten die Konjunkturlage negativ beeinflussen“. Gleichzeitig liegt die Inflation bei kläglichen 0,4 Prozent und damit weit unter den von der EZB angepeilten knapp unter 2,0 Prozent.

Draghi steuert schon seit Monaten unter anderem mit einem rekordniedrigen Leitzins von 0,15 Prozent dagegen an. Ein vermeintlich vielversprechender Weg ist die Abwertung des Euro. Damit würden europäische Produkte billiger, die Unternehmen könnten mehr Produkte verkaufen. Vorreiter bei solchen Forderungen sind Italien und Frankreich. So forderte Präsident Francois Hollande kürzlich in einem Interview die EZB erneut auf, mehr zur Schwächung des Euro tun. Die Stärke der Gemeinschaftswährung sei eine Wachstumsbremse.

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  • Mitnichten. Der Euro ist unterbewertet entsprechend dem zu hohen Lohn/ Priesniveau in den Südländern. Es kann doch nicht sein , dass z.B. die Hotelzimmer preise seit 2000 sich in Italien für uns Deutsche verfünfacht haben = 500% von den Preisen in 2000.

  • Draghi als Italiener macht genau das, was Italien seit Jahrzehneten mit der Lira und mit Erfolg gemacht hatte: Abwertung. In den 50 er Jahren war die 1000 Lire 6 DM wert, kurz vor der Euro Einführung waren 1000Lire 1 DM wert. In den 70er Jahren kostete eine Übernachtung in einer mittleren Stadt in Norditalien (wo die Preise immer höher sind) 2000 Lire pro Nacht in einem einfachen Hotel. Im Jahr 2000 waren es 40 000 Lire und heute sind es 100 euro = 50 000 Lire. Nur leider verdienen die Italien Reisenden viel weniger im Verhältnis zu Italien als es vor der Euro Einführung aufgrund der vorteilhaften Wechselkurse war.

    Leider ist der gut gemeinte Euro ein Irrsinn.

  • Logo! Hab ich mir doch gedacht. (Ende Sarkasmus)

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