November
Einkaufsmanagerindex sinkt auf Rekordtief

In der Eurozone ist die Stimmung der Einkaufsmanager im November offenbar auf ein Rekordtief gesunken. Der Gesamtindex sei einer ersten Schätzung zufolge von 43,6 Punkten im Vormonat auf 39,7 Punkte gesunken, verlautete am Freitag aus Kreisen. Dies ist der tiefste jemals gemessene Wert der Kennzahl.

HB FRANKFURT. Volkswirte hatten mit einem moderateren Rückgang auf 43,0 Zähler gerechnet. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sank ebenfalls sehr kräftig von 41,1 Punkten im Vormonat auf 36,2 Punkten. Analysten hatten mit einem leichteren Rückgang auf 40,5 Zähler gerechnet. Die Stimmung im Dienstleistungssektor trübte sich ebenfalls deutlich ein, wenngleich nicht ganz so stark wie in der Industrie. Im Servicebereich sank der Index von 45,8 auf 43,3 Punkte. Volkswirte hatten einen Zählerstand von 45,0 Punkten erwartet.

In Deutschland, der größten Volkswirtschaft des Euroraums, trübte sich die Stimmung besonders stark im verarbeitenden Gewerbe ein. Auch in Frankreich, der zweitgrößten Wirtschaft des Währungsraums, sank der Stimmungsindikator besonders kräftig im Industriesektor. Zugleich trübte sich jedoch auch die Stimmung im Dienstleistungssektor in beiden Ländern weiter ein.

Ab einem Wert von 50 Punkten deuten die Indikatoren auf einen Anstieg der wirtschaftlichen Aktivität hin. Liegen die Kennzahlen unter diesem Wert, kann von einem Rückgang ausgegangen werden.

„Die Zahlen für das verarbeitende Gewerbe sind katastrophal. Wer noch nicht begriffen hat, dass wir in einer Weltrezession stecken, muss jetzt aufwachen“, sagt Volkswirt Sebastian Wanke von der Dekabank. Er kritisiert, die EZB habe den Ernst der Lage offenbar noch nicht richtig erkannt. Das Zinsniveau sei derzeit bestenfalls neutral und stützt dabei die Wirtschaft noch nicht. „Wir gehen davon aus, dass die Inflation kein Problem mehr ist. Im Dezember wird die EZB den Leitzins wahrscheinlich um 50 Basispunkte senken. Das wäre aus unserer Sicht angesichts der Lage in der Euro-Zone aber zu wenig“, sagt Wanke.

„Wir sind mitten in der Rezession, und diese wird auch eher noch schlimmer und schwerwiegender als bislang absehbar. Der Abschwung wird tiefer werden als es bisher aus den Prognosen hervorgeht" sagt Peter Meister, Volkswirt der BHF-Bank mit Blick auf die Einkaufsmanagerindizes. „Wir sehen dabei eine vergleichbare Entwicklung auch in den anderen großen Industriestaaten, zum Beispiel in den USA, wo sich der Einkaufsmanagerindex ebenfalls auf sehr niedrigem Niveau befindet.“ Das sei ein Ausdruck einer globalen Rezession. Die Hoffnung, dass die Schwellenländer für Stabilität sorgten, habe sich nicht erfüllt, weil diese stark vom Export abhängig seien. „Wir erwarten, dass es im Jahr 2010 eine Stabilisierung der Konjunktur und ein leichtes Wachstum gibt. Wir sehen aber noch nicht den Riesen-Aufschwung“, meint Meister.

„Eine Stabilisierung ist nicht zu erkennen, sondern das Gegenteil. Die Rezession dürfte länger dauern als zunächst erwartet“, meint hingegen Thomas Amend von HSBC Trinkaus. „Die Finanzkrise kommt in der Realwirtschaft zunehmend an. Die Industrie bekommt das über einen deutlichen Auftragsrückgang zu spüren.“

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