NTC: Firmen werden eher Produktion senken statt ausweiten
Industriewachstum kommt fast zum Stillstand

In Deutschland und der Euro-Zone hat sich die Erholung der Industrie im März unerwartet deutlich verlangsamt und ist fast zum Stillstand gekommen.

HB BERLIN. Der BME/NTC-Einkaufsmanagerindex (EMI) fiel auf 50,3 von 52,2 Punkten im Februar, wie die britische Forschungsgruppe NTC am Freitag mitteilte. Damit liegt der Index nur noch knapp über der Schwelle von 50 Punkten, ab der er Wachstum anzeigt. „Es gibt Anzeichen, dass die Firmen wirklich pessimistischer in die Zukunft blicken“, sagte NTC-Chefvolkswirt Chris Williamson. Es sei unklar, ob der EMI-Rückgang nur eine Delle sei oder bereits der Anfang vom Ende der Industrie-Erholung. Ursachen für die Abschwächung sind nachlassende Zuwächse bei Produktion und Auftragseingang. Der seit sechs Monaten anhaltende Beschäftigungsabbau beschleunigte sich nochmals.

Von Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich einen minimalen Rückgang auf 52,0 Punkte erwartet - der Index fiel sogar deutlich schlechter aus als die pessimistischste Prognose. Der EMI für das Währungsgebiet sank auf 50,4 von 51,9 Punkten und damit ebenfalls stärker als erwartet.

NTC: Firmen werden eher Produktion senken statt ausweiten

Die etwa 500 befragten Firmen in Deutschland machten für den schwachen Auftragseingang die relativ schwache Inlandsnachfrage nach deutschen Industrieerzeugnissen, aber auch das unerwartet schlechte Wetter verantwortlich. Der entsprechende Teilindikator gab NTC zufolge deutlich nach auf 50,6 von 53,5 Punkten. Aber auch der Auftragseingang aus dem Ausland fiel mit 51,1 nach 53,6 Punkten schwächer aus. Trotz der höheren Nachfrage aus den USA, China und Osteuropa war die Zuwachsrate so gering wie seit August 2003 nicht.

Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt seien die Fertigwarenlager stark gefüllt und die Unternehmen versuchten, diese abzubauen, sagte NTC-Experte Williamson. „Das zeigt, dass die Firmen in den kommenden Monaten ihre Produktion eher herunterfahren als ausweiten. Dies ist besonders auffällig im Konsumgüterbereich, wo die Neuaufträge nachließen.“ Spürbares Auftragswachstum habe es nur bei den Investitionsgütern gegeben.

Stellenabbau im In- und Ausland geht weiter

Während die Firmen ihre Verkaufspreise kaum anheben konnten, stiegen die Kosten erneut deutlich an, wobei der Preisauftrieb aber so gering war wie seit 13 Monaten nicht mehr. Dennoch entließen die Firmen erneut Personal, um den Druck auf ihre Gewinnspannen abzufedern.

Auch in der Euro-Zone bauten die etwa 3000 befragten Unternehmen verstärkt Stellen ab. Sie begründeten dies mit der wirtschaftlichen Unsicherheit, den hohen Preisen für Öl und Rohstoffe sowie dem Mangel an Wettbewerbsfähigkeit, der auch auf den starken Euro zurückgehe. Die Kosten kletterten wegen des teuren Öls und der Rohstoffe weiter deutlich, wenn auch so langsam wie seit rund einem Jahr nicht mehr.

Für die weitere Entwicklung in der Euro-Zone äußerte sich Williamson insgesamt wenig optimistisch. „Alle Umfrage-Daten deuten darauf hin, dass wir in den kommenden Monaten eine schwächere Wachstumsrate im Verarbeitenden Gewerbe sehen werden.“ Wegen des mangelnden Vertrauens der heimischen Verbraucher und wegen des schwächeren Exportanstiegs legte das Neugeschäft kaum noch zu. Zudem sank der Index für die Produktion deutlich auf 51,6 von 53,4 Punkten. Nach dem schwachen November bedeutet dies den zweittiefsten Stand seit gut eineinhalb Jahren. Das Wachstum ging in allen vier großen Ländern der Euro-Zone spürbar zurück - in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien.

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