Nullwachstum
Frankreich-Flaute trifft Euro-Zone hart

Dämpfer für die Eurozone: Das Wirtschaftswachstum in Frankreich ist im ersten Quartal zum Stillstand gekommen. Paris hält dennoch an seinen Prognosen fest. Doch auch andere Euro-Länder schwächeln.
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ParisDie überraschende Stagnation der französischen Wirtschaft stellt die Erholung der gesamten Euro-Zone zunehmend infrage. Die zweitgrößte Volkswirtschaft im Währungsraum kam zwischen April und Juni zum Stillstand, nachdem es im ersten Quartal mit 0,9 Prozent noch das stärkste Wachstum seit rund fünf Jahren gab. Die Daten erhöhten am Freitag den Druck auf die Regierung in Paris, mit Sparpaketen den hohen Schuldenberg abzubauen. An den Finanzmärkten wird immer stärker angezweifelt, ob Frankreich sein „AAA“-Top-Rating als Schuldner behalten wird. Während Griechenlands Wirtschaft auch im Frühjahr tief in der Rezession steckte, zollten Portugals Geldgeber von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) der Regierung in Lissabon Fortschritte bei der Sanierung der Staatsfinanzen.

Der IWF und EU-Vertreter empfahlen nach einer Prüfung des Sparkurses die Auszahlung einer zweiten Kredittranche aus dem 78 Milliarden Euro schweren Rettungspaket für Portugal. Allerdings müsse das klamme Land den Kurs beibehalten und die Anstrengungen sogar beschleunigen, mahnte IWF-Delegationsleiter Poul Thomsen in Lissabon: „Trotz eines zweifellos gelungenen Starts liegen die größten Schwierigkeiten noch vor uns.“

Zuletzt geriet auch Frankreich immer stärker in den Fokus der Finanzmärkte. Jüngst traten zudem Gerüchte über Zahlungsschwierigkeiten der französischen Großbank Societe Generale eine neue Verkaufslawine an den europäischen Aktienmärkten los, die ohnehin seit gut einer Woche kräftig ins Minus rutschten. Vier Euro-Länder reagierten nun und wollen mit einem Verbot riskanter Aktiengeschäfte dem Ausverkauf von Finanztiteln Einhalt gebieten. Frankreich, Italien, Spanien und Belgien untersagten den Leerverkauf von Finanzwerten. Daraufhin legten zum Wochenausklang die meisten Aktien von Banken und Versicherern in Europa wieder zu. Experten bezweifeln aber, ob die Maßnahmen auf Dauer Wirkung zeigen. Spekulanten könnten einfach auf andere Börsenplätze ausweichen, etwa nach London.

Grund für die Turbulenzen an den Aktienmärkten war auch die Furcht vor einem schwachen Wachstum der USA und der gesamten Weltwirtschaft sowie eine Verschärfung der Schuldenkrise. Die mauen Wirtschaftsdaten aus Frankreich sind deshalb ein Schlag ins Kontor für die Erholung des gesamten Euro-Raums. Denn das Land gilt neben Deutschland bisher als entscheidender Wachstumsmotor, da viele hoch verschuldete Staaten wie Italien, Spanien und Portugal nur mühsam aus der Krise kommen.

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  • Text von der Wirtschaftskammer Vorarlberg: Um 4,8 % wird die Wirtschaft heuer wachsen! Wer solche Zahlen hört und dabei an außereuropäische Länder denkt, irrt. Dieses hervorragende Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wurde zuletzt dem Königreich Schweden für das Jahr 2010 prognostiziert. Ein Wert, der kaum mehr korrigiert werden dürfte, da für zehn von zwölf Monaten bereits Zahlen vorliegen.

    Schweden ist damit vor der Slowakei europäischer Wachstumskaiser. Verantwortlich dafür zeichnen der steigende Binnenkonsum bei gleichzeitig sinkender Sparquote und die in die Gänge kommende schwedische Automobilwirtschaft, deren Leistung (inkl. Exporte) im dritten Quartal 2010 um 45 % mehr beträgt als ein Jahr zuvor. Das heurige dritte Quartal war mit einem BIP-Wachstum von 6,9 % das beste seit Beginn der Aufzeichnungen des schwedischen Statistikamtes im Jahr 1950.

    Die kluge finanzpolitische Steuerung des Landes wird es Schweden außerdem ermöglichen, sein bereits geringes jährliches Budgetdefizit 2011 auf 0,1 % zu reduzieren und 2012 vielleicht als einziges EU-Land überhaupt einen Budgetüberschuss zu erwirtschaften – in Zeiten der europäischen Schuldenkrise ein Lichtblick.


    Nur eine nette Vergleichszahl!

    Ein Land ohne Euro und nicht so großen Aufgaben wie unser Land.

  • Aber selbstverständlich wird Deutschland auch Frankreich retten, dafür hat Sarkozy schon gesorgt. Und Merkel macht fröhlich mit.
    Wann begreifen unsere Euro-Fanatiker eigentlich, dass sie dabei sind, ganze Völker zu vernichten durch ihre grenzenlose Dummheit und ihre Ideologie? Anstatt diesen Euro, dieses Kusntgeld endlich in die Tonne zu treten?
    Haben die keine Angst, dass eines Tages eben doch die Volksseele hochkocht?
    Und wenn man sich dann noch vorstellt, dass diese Typen, die uns verarmen, sich gerade mal schlappe 600 € Diätenerhöhung genehmigt haben, dann wissen wir doch, dass wir es mit völlig anstandslosen Volksverrätern zu tun haben

  • Das ist ungefähr so wie die Kriegsanleihen die es im 1. WK gab. Danach waren so manche bettelarm, da sie alles verloren hatten durch diese Kriegsanleihen.

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