Nur bei Obst und Gemüse spart der Käufer
Ölpreis verursacht deutsches Inflationshoch

Der starke Anstieg des Ölpreises und staatlich verordnete Preiserhöhungen haben im Mai die Inflation in Deutschland auf den höchsten Stand seit zwei Jahren getrieben. Die Verbraucherpreise stiegen in der gesamten Euro-Zone stark an.

HB BERLIN. Die Verbraucherpreise lagen im Schnitt um 2,0 Prozent über dem Niveau vom Mai 2003, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch nach endgültigen Berechnungen mitteilte. Die Tankfüllung kostete die Autofahrer knapp zwölf Prozent mehr als vor einem Jahr, Heizöl war sogar fast 20 Prozent teurer. „Ohne Heizöl und Kraftstoffe hätte die Teuerungsrate im Mai 2004 bei 1,5 Prozent gelegen“, erklärten die Statistiker. Von April auf Mai verteuerte sich die Lebenshaltung um 0,2 Prozent. Damit revidierte das Bundesamt seine vorläufige Inflations-Schätzung von Ende Mai minimal nach unten.

Wie bereits seit Jahresanfang trieben auch die Gesundheitsreform und die Tabaksteuer-Erhöhung die Inflation an. Ein wenig Geld sparen konnten die Verbraucher dagegen beim Kauf von Obst und Gemüse, die sich im Vergleich zum Mai 2003 um 1,4 beziehungsweise 0,5 Prozent verbilligten. Pauschalreisen kosteten gut ein Prozent weniger, Kaffee war sogar sechs Prozent billiger.

Volkswirte sehen in dem Inflations-Anstieg bisher wenig Grund zur Sorge, da er vor allem durch teures Öl und staatlich verordnete Preiserhöhungen verursacht wird. Die Binnenwirtschaft dagegen ist noch zu schwach, um die Preise schneller klettern zu lassen. Vor allem der Privatverbrauch wird wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der schlechten Stimmung voraussichtlich nur sehr langsam in Schwung kommen. „Die Verbraucher lockern die Bremse, aber sie treten noch nicht aufs Gaspedal“, sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank.

Auch in der gesamten Euro-Zone hatte die Preisexplosion bei Erdöl im Mai für den stärksten Anstieg der Verbraucherpreise seit gut zwei Jahren gesorgt. Obwohl die Teuerung nach erster Schätzung der EU mit 2,5 Prozent deutlich über der EZB-Obergrenze für Preisstabilität von zwei Prozent lag, hatte die Notenbank in der vergangenen Woche ihren Schlüsselzins unverändert gelassen. Auch die Zentralbanker gehen bisher davon aus, dass der Ölpreis die Inflation nur vorübergehend antreibt. Allerdings warnen sie vor dem Risiko von „Zweitrundeneffekten“ - etwa Lohnerhöhungen - die die Preise dauerhaft schneller ansteigen lassen könnten.

Der für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland stieg im Jahresvergleich um 2,1 Prozent und im Monatsvergleich um 0,2 Prozent. Auch den HVPI korrigierten die Statistiker damit geringfügig nach unten.

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