OECD
Estlands Talfahrt geht weiter

Die Wirtschaft des kleinen baltischen Landes Estland steht vor der härtesten Landung seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991. Das stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem ersten Länderbericht zu Estland fest.

hst/STOCKHOLM.Die Wirtschaft des kleinen baltischen Landes Estland steht vor der härtesten Landung seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991. Das stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem ersten Länderbericht zu Estland fest. Das baltische Land ist bislang nicht Mitglied der in Paris beheimateten Organisation, führt aber Aufnahmeverhandlungen.

Wie die beiden anderen baltischen Staaten Lettland und Litauen leidet auch Estland extrem unter der globalen Finanzkrise. Der hauptsächlich „kreditfinanzierte Boom“ der vergangenen Jahre habe zu der Bruchlandung des Immobilien- und Finanzsektors geführt, schreiben die Experten der OECD. Und sie geben keine Entwarnung: „Der Abwärtstrend ist noch nicht zu Ende“. Die Pariser Organisation fordert die Regierung in Tallinn auf, Anreize für den Export von IT-Dienstleistungen und -produkten zu schaffen, anstatt nur die Binnennachfrage anzukurbeln.

Nach Schätzung der OECD wird die estnische Wirtschaft in diesem Jahr um rund acht Prozent schrumpfen. Für das kommende Jahr prognostizieren die Experten ein leichtes Wachstum von 0,9 Prozent. Die OECD mahnt die Verantwortlichen in Estland, die strikten Haushaltsregeln zu modifizieren: Bislang verfolgt die Regierung in Tallinn stets das Ziel jährlich ausgeglichener Haushalte. Die OECD-Ökonomen meinen dagegen, dass die Regierung den Haushalt eher über einen ganzen Konjunkturzyklus ausgeglichen halten und eine gewisse Fluktuation in Kauf nehmen sollte. Außerdem bemängelt die Organisation das wenig flexible Arbeitsrecht, das noch immer „viele Elemente der Sowjetzeit“ beinhalte.

Die baltischen Länder gehörten mit einem zweistelligen Wachstum und Lohnsteigerungen von bis zu 30 Prozent bis vor einem Jahr zu den wachstumsstärksten Staaten der gesamten EU. Die globale Finanzkrise führte deshalb zu einer wirtschaftlichen Vollbremsung in der Region. Nachbar Lettland musste Ende vergangenen Jahres den Internationalen Währungsfonds um einen 7,5 Mrd. Euro-Notkredit bitten. Das Ziel Estlands, bereits 2011 den Euro einzuführen, hält die OECD derzeit für wenig realistisch, da angesichts der schwierigen Lage die Konvergenzkriterien nicht erfüllt würden.

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