OECD und Weltbank
Wirtschaftsleistung bricht weltweit ein

Pünktlich zum G-20-Gipfel schlagen OECD und Weltbank Alarm: Die Wirtschaftsleistung der Industrieländer wird 2009 voraussichtlich um 4,3 Prozent Prozent schrumpfen. Auch global sind die Prognosen düster: Laut Weltbank schrumpft die Weltwirtschaft in diesem Jahr um dramatische 1,7 Prozent. Der Welthandel werde so stark einbrechen wie seit 80 Jahren nicht mehr.

HB PARIS/BERLIN. Chefvolkswirt Klaus Schmidt-Hebbel erklärte bei der Vorstellung des jüngsten Konjunkturausblicks, in 21 der 30 OECD-Mitgliedstaaten herrsche die größte Rezession seit den 80er Jahren. Es sei noch zu früh zu sagen, ob der Höhepunkt der Wirtschaftskrise bereits erreicht sei. Die Konjunktur werde aber frühestens Ende dieses Jahres wieder anziehen (zum OECD-Bericht).

Angesichts der tiefsten und umfassendsten Rezession seit mehr als 50 Jahren wird laut OECD der Welthandel in diesem Jahr um mehr als 13 Prozent einbrechen. Die globale Wirtschaftsleistung sinke um 2,7 Prozent. Auch in den großen Schwellenländern werde sich das Wachstum verlangsamen. Die Ökonomen gehen davon aus, dass erst im kommenden Jahr infolge der von der Politik Konjunkturmaßnahmen eine Erholung beginnt.

Für Deutschland erwartet die OECD, dass aufgrund einbrechender Exporte und Investitionen die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 5,3 Prozent schrumpfen wird. Für 2010 gehen die Experten von einem geringen Wachstum um 0,2 Prozent aus. Die Zahl der Arbeitslosen werde vor allem 2010 stark zunehmen und im Jahresschnitt fünf Millionen erreichen. Die Arbeitslosenquote (nach ILO-Standard) dürfte dann bei etwa 11,6 Prozent liegen. Der Höchstwert sollte mit 11,8 Prozent im vierten Quartal 2010 erreicht sein (mehr...).

Die USA könnten nach Einschätzung der Organisation Anfang 2010 wieder aus der Rezession kommen. Voraussetzung dafür sei, dass sich die Konjunkturpakete als effektiv erweisen und sich die Finanz- und Immobilienmärkte stabilisieren. Für Japan sagt die OECD einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6,6 Prozent in diesem und um 0,5 Prozent im nächsten Jahr voraus.

Schmidt-Hebbel betonte, ein noch düsteres Szenario sei wahrscheinlicher als eine schnelle Erholung. Das größte Risiko sei, dass die Schwächung der sogenannten Realwirtschaft die Solidität der Finanzinstitutionen weiter beschädige. Das würde eine noch tiefere Rezession nach sich ziehen. Laut OECD werden die von den Regierungen ergriffenen Konjunkturmaßnahmen die Wirtschaftsleistung durchschnittlich um rund 0,9 Prozent in den Jahren 2009 und 2010 erhöhen. In den USA und Australien dürften die Maßnahmen in den beiden Jahren das Bruttoinlandsprodukt um mehr als ein Prozent höher ausfallen lassen.

Wie effektiv die Maßnahmen sein werden, hängt laut Wirtschaftsausblick auch von deren Timing ab: Die Ökonomen empfehlen den Ländern, die dafür Spielraum haben, für 2010 über einen weiteren Impuls nachzudenken. Unter den großen Industrieländern (G-7) wären das vor allem Deutschland und Kanada. Angesichts des erwarteten drastischen Anstiegs der Arbeitslosigkeit sollte der Schwerpunkt zusätzlicher Aktionen auf arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen liegen.

Auch global sind dir Prognosen düster: Laut Weltbank schrumpft die globale Wirtschaft in diesem Jahr um dramatische 1,7 Prozent. Vor etwa zwei Wochen hatte der Internationale Währungsfonds noch ein Minus zwischen 0,5 und einem Prozent vorausgesagt. Der Welthandel werde um mehr als 6 Prozent einbrechen - so stark wie seit 80 Jahren nicht mehr, heißt es im aktuellen Wirtschaftsausblick der Weltbank. In der Eurozone wird die Wirtschaft der Studie zufolge um 2,7 Prozent schrumpfen.

Bereits im kommenden Jahr sei eine moderate Erholung möglich, doch sei dieser Ausblick „höchst ungewiss“, räumte die Weltbank ein. Sie rechnet für 2010 mit einem weltweiten Wachstum von 2,3 Prozent. In der Eurozone sieht die Organisation im kommenden Jahr derweil lediglich ein schwaches Plus von 0,9 Prozent. Hingegen könnten die USA dann schon wieder um solide 2 Prozent zulegen.

Die globale Konjunkturmisere trifft der Studie zufolge auch die Schwellen- und Entwicklungsländer hart: Für sie erwartet die Weltbank in diesem Jahr nur noch ein deutlich gebremstes Wachstum von 2,1 Prozent. Dort sei 2010 aber schon mit einer Verdopplung auf 4,4 Prozent zu rechnen, heißt es in dem Weltbank-Papier.

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