Ökonomen erwarten mittelfristig einen Rückgang der Teuerung
Mehr Inflation durch Benzinpreise und Gesundheitsreform

Das Leben in Deutschland ist im Juli erneut teurer geworden. Die Verbraucherpreise seien gegenüber Juni um 0,3 Prozent geklettert, teilte das Statistische Bundesamt gestern das Ergebnis seiner ersten Schätzung mit. Die jährliche Inflationsrate ist auf 1,8 von 1,7 Prozent gestiegen.

pbs DÜSSELDORF. Preistreiber Nummer eins war im Juli wie schon in den vergangenen Monaten die Verteuerung von Benzin. Zusätzlich musste – wie in der Ferienzeit üblich – für Pauschalreisen mehr bezahlt werden. Auch die Reform des Gesundheitswesens belastete die Bürger erneut – durch die Neuregelung der Zuzahlung zur Krankengymnastik. Der Betrag von zehn Euro bezieht sich aber nur noch auf sechs statt wie bisher auf acht Anwendungen. Im Vergleich zum Juli 2003 verteuerte sich die Gesundheitspflege um mehr als 20 Prozent.

Gegen den Trend kosteten einige Nahrungsmittel weniger: Kaffee war rund vier Prozent billiger, dagegen verteuerten sich Bananen um zehn Prozent. Auch Kleidung und Schuhe waren preiswerter.

Mittelfristig werde die Inflation wieder sinken, sind Ökonomen überzeugt. Wenn der Ölpreis nicht weiter steige, werde die Inflationsrate in den kommenden Monaten wieder merklich bis auf 1,5 oder 1,6 Prozent zurückgehen, erwartet Harald Jörg, Ökonom bei der Dresdner Bank.

Mit einer Verfestigung der Inflation durch so genannte Zweit-Runden-Effekte rechnen Ökonomen nicht. Dieser Effekt tritt ein, wenn Lohnerhöhungen üppiger ausfallen, weil der Anstieg der Inflation kompensiert wird. Gerade wenn die Preissteigerungen aber auf Sondereffekten wie der Verteuerung von Rohstoffen beruhen, ist das ökonomisch unsinnig, denn das Geld ist ja bereits ins Ausland abgeflossen. Die hohe Arbeitslosigkeit lasse keine größeren Lohnerhöhungen zu, meint Thomas Hueck, Volkswirt bei der Hypo-Vereinsbank. Er betrachtet das Risiko von Zweit-Runden-Effekten deswegen als gering. Zudem hätten die Unternehmen wegen der Wachstumsschwäche kaum Spielräume für Preiserhöhungen.

Auch in der Euro-Zone insgesamt dürfte die Teuerung im Juli gestiegen sein. Thomas Amend von der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnet mit einem Anstieg der Jahresteuerungsrate im Juli auf 2,6 von 2,5 Prozent im Juni. Dies wäre der höchste Wert seit Juni 2001. Damit würde die Teuerung über der von der Europäischen Zentralbank (EZB) angepeilten Marke für Preisstabilität von „knapp unter, aber nahe bei zwei Prozent“ liegen. Am Freitag veröffentlicht das europäische Statistikamt seine Schnellschätzung zur Inflation.

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