Ökonomen geben Entwarnung
US-Leistungsbilanz verliert Schrecken

Die Wissenschaftler des Kieler Instituts für Weltwirtschaft sind sich einig: Der Abbau des hohen US-Leistungsbilanzdefizits muss keine negativen Folgen für Deutschland haben.

DÜSSELDORF/NEW YORK. Das Leistungsbilanzdefizit der USA hat sich stabilisiert. Darin sind sich führende Ökonomen mehrheitlich einig. Langfristig wird es sich auf ein tragfähiges Niveau verringern – diese optimistische Prognose präsentierte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) in einer am Mittwoch vorgelegten Studie. Darin analysieren die Forscher die Risiken des hohen US-Leistungsbilanzdefizits für die deutsche und die weltweite Wirtschaft. Ihr Fazit: Die Anpassung könne zwar noch „geraume Zeit“ dauern, sich aber „ohne große Verwerfungen“ vollziehen. „Wir gehen davon aus, dass es sich um einen nachhaltigen Trend handelt“, sagt auch Andrew Tilton, US-Ökonom bei Goldman Sachs, über den Stabilisierungstrend.

Das amerikanische Leistungsbilanzdefizit ist in den zurückliegenden 15 Jahren stetig gestiegen. Im laufenden Jahr wird es einen Stand von rund 800 Mrd. US-Dollar erreichen, prognostiziert das IfW. Das entspräche etwa 6,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dem stehen Überschüsse in den meisten anderen Industrieländern gegenüber. Den größten Anteil zum Leistungsbilanzdefizit steuert die Handelsbilanz bei; im zweiten Quartal 2006 waren es 193,8 von 218,4 Mrd. US-Dollar.

Mit dem Defizit – definitionsgemäß der Unterschied zwischen der Ersparnis und den Investitionen der übrigen Welt – hat auch die Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten erheblich zugenommen. Bereits seit 20 Jahren ist die Nettoauslandsposition der USA negativ. Ende 2005 betrug die Verschuldung des Staates rund 2,7 Bill. US-Dollar – das sind etwa 21 Prozent des BIP.

Konjunkturbeobachter mahnen regelmäßig, das Defizit könne nicht auf Dauer bestehen. Das Ungleichgewicht, fürchten sie, könne eine Weltrezession zur Folge haben. Dies gilt erst Recht bei einem ungeordneten Abbau des Defizits über einen starken Dollarverfall beziehungsweise einen starken Zinsanstieg. Bei einem Wert von mehr als sechs Prozent des BIP gilt das Risiko als beträchtlich – zumal positive Faktoren wie Ölpreisrückgänge kaum kalkulierbar sind.

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