Ökonomen
Lösung für Griechenland ohne Insolvenz

Eine bloße Verlängerung der Laufzeiten griechischer Anleihen würde dem Land nicht genügend finanzielle Erleichterung bringen, warnen die Ökonomen Thomas Mayer und Daniel Gros in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt (Freitagausgabe)
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Eine bloße Verlängerung der Laufzeiten griechischer Anleihen würde dem Land nicht genügend finanzielle Erleichterung bringen, warnen die Ökonomen Thomas Mayer und Daniel Gros in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt (Freitagausgabe). Nur wenige Anleihebesitzer würden ein solches Angebot, wie es in der EU diskutiert wird, freiwillig annehmen.

Mayer ist Chefvolkswirt der Deutschen Bank und Gros Direktor des Brüsseler Centre for European Policy Studies. Gemeinsam schlagen sie stattdessen vor, dass der Europäische Rettungsschirm (EFSF) die griechischen Staatsanleihen aufkauft. Dafür solle er den Anlegern im Tausch EFSF-Anleihen bester Bonität im aktuellen Marktwert der griechischen Papiere anbieten. Das würde bedeuten, dass der EFSF die Anleihen von rund 300 Milliarden Euro mit einem Abschlag von rund 45 Prozent aufkaufte. Dafür müsse er rund 165 Milliarden Euro aufwenden, rechnen Mayer und Gros vor. Die Anleger müssten Verluste von rund 135 Milliarden Euro tragen und seien damit, wie von der Bundesregierung gefordert, an der Rettungsaktion beteiligt.
Der EFSF wäre dann Eigentümer fast aller griechischen Staatsschulden und könne mit den Griechen ein neues Abkommen aushandeln, schlagen die Ökonomen vor. Er könne der Regierung in Athen vorschlagen, den Nennwert der Schulden auf 165 Milliarden Euro herabzusetzen, wenn sie dafür einem neuen Reform- und Konsolidierungsprogramm zustimme. Da die Schuldenlast Griechenlands damit auf rund 80 Prozent der Wirtschaftsleistung halbiert wäre, hätte das Land eine echte Chance, aus der Abwärtsspirale herauszukommen.

Der Vorschlag von Gros und Mayer könnte einen Kompromiss zwischen den Haltungen der Bundesregierung und der Europäischen Zentralbank darstellen. Während die Bundesregierung für eine Beteiligung der privaten Gläubiger an den Kosten der Griechenland-Rettung eintritt, warnt die EZB nachdrücklich davor, dass eine Umschuldung Chaos an den Finanzmärkten auslösen werde. Die EZB hat bereits Sympathie für die Idee erkennen lassen, den Europäischen Rettungsschirm mit dem Kauf griechischer Anleihen zu beauftragen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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  • Wer wird seine Papiere mit 25% Rendite verkaufen und gegen welche mit ca. 3 bis 5% eintauschen, wenn Griechenland von der EZB-Institution gezwungen werden wird, für seine Schulden auf der Basis dieser Papiere einzustehen? Es kann keine "Sonderrechte" für Behörden oder Institutionen geben, wenn es um den gleichen Gegenstand mit gleichen Rechtsfolgen geht.

  • Und natuerlich wird hier eindeutig klar.

    Deutsche Bank und Daniel Gross haben CDS auf Griechenland gekauft, die mit einem solchen Vorschlag faellig wuerden.

    Das ist ganz klar Betrug - meine Herren.

    Denn wenn Sie nicht vorher fordern, dass CDS abgeschafft werden, ist es doch ganz klar was hier fuer ein Spielchen getrieben wird.

  • Erst mal, unter einem solchen Arrangement, wie dort vorgeschlagen wird, werden griechenland Renditen natuerlcih nicht heruntergefahren.

    Deshalb ist der Vorschlag Murks.

    Hier ist meiner, so aehnlich. Der EFSF oder die EZB machen jeden Tag ein Angebot 1 Mio Griechenlandanleihen zu kaufen, zu 4% Rendite. Sobald ein anderer Handel stattfindet, und die Renditen wieder in die Hoehe getrieben werden, kommt die EZB wieder zum Zug, und kauft wieder zu 4%. So werden mit minimalem Einsatz die Renditen nach unten manipuliert.

    Nach 6 Monaten oder 1 Jahr sind Investoren so von diesem System ueberzeugt, dass sie sleber Anleihen zu 4% akzeptieren. Dann ist die Eurokrise vorbei, und Griechenland kann sich billig refinanzieren.

    Sowas hilft natuerlich nicht der Deutschen Bank. Genau deshalb sollte man das mal machen.

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