Ökonomen sind optimistisch
Japans Volkswirtschaft wächst robust

Mit real 0,5 Prozent zum Vorquartal und 3,1 Prozent zum Vorjahreszeitraum legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal deutlich stärker zu als von Volkswirten erwartet.

HB TOKIO. Inländische Privatverbraucher, Haushalte wie Unternehmen, trugen das Wachstum. Ökonomen sind daher optimistisch, dass die Wachstumsdynamik im laufenden Quartal wieder zunimmt und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach einem realen Wachstum von 2,6 Prozent 2005 ein weiteres starkes Jahr vor sich hat.

„Das solide Wachstum bei der inländischen Nachfrage legt nahe, dass die Wirtschaft auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehrt“, meint etwa Ökonom Paul Sheard von der Investmentbank Lehman Brothers. Er rechnet in diesem Jahr ebenso wie der Internationale Währungsfonds mit 2,8 Prozent realem Wachstum. Trotz zuletzt schwächerer Werte beim Konsumentenvertrauen steigerten die privaten Haushalte ihre Nachfrage im ersten Quartal um 0,4 Prozent zum Vorquartal, die Unternehmen ihre Investitionen um 1,4 Prozent. Die Exporte stiegen deutlich um 2,7 Prozent, die Importe wuchsen noch deutlicher um drei Prozent.

Der Binnenkonsum bleibt ange-sichts der anhaltenden Besserung auf dem Arbeitsmarkt eine Säule des wieder stärker werdenden Wirt-schaftswachstums im laufenden Jahr, davon gehen Ökonomen aus. Goldman Sachs erwartet, dass die Unternehmen ihre Prognosen für den Ge-winnanstieg im seit April laufenden Geschäftsjahr von 3,8 Prozent auf eine zweistellige Zahl steigern wer-den – und entsprechend ihre Investi-tionen hochfahren. Die japanische Notenbank spricht in ihrem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht erstmals seit 1991 von einer „moderaten Expansion“ der Wirtschaft.

Als eine Ursache für die Beschleunigung des Wachstums gilt die moderate Steuerpolitik der Regierung. Bisher hat sie einen Teil der temporären Einkommensteuererleichterungen Ende der 90er-Jahre rückgängig gemacht. Der Rest dürfte in diesem Jahr folgen. Trotz der hohen Staatsverschuldung von rund 160 Prozent des BIP hat Ministerpräsident Junichiro Koizumi in seiner Amtszeit eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ausgeschlossen. Und das obwohl der Satz mit fünf Prozent weit unter dem Schnitt der Industrieländer liegt. Koizumis Nachfolger, der im September bestimmt wird, kommt aus Sicht der meisten Konjunkturbeobachter jedoch angesichts der hohen Staatsschulden nicht mehr um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer herum.

Ökonomen sorgen sich daher um ein zu frühes Anziehen der Zinsen durch die Notenbank. Immer noch, betont Volkswirt Sheard, hat die Wirtschaft ihre jahrelange Deflation nicht komplett überwunden.

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