Ökonomen-Studie
Welthandel kommt zügig aus der Krise

Nach dem Kollaps zeichnet sich jetzt eine Trendwende ab. Die Globalisierung der Wirtschaft hat keine dauerhaften Schäden erlitten, zeigt eine Untersuchung von 40 weltweiten Handelsexperten. Erholt sich der Warenverkehr ähnlich schnell wie nach früheren Krisen, könnte er bereits nächstes Jahr wieder wachsen.
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GENF. Führende Ökonomen rechnen nach dem Ende der Rezession mit einer schnellen Erholung des Welthandels. "Wenn der rapide Vertrauensverlust in der Krise zu einem Kollaps des Welthandels geführt hat, kann die wachsende Zuversicht jetzt zu einer zügigen Trendwende beitragen", sagt Richard Baldwin. Der Professor für International Economics am Graduate Institute in Genf hat zusammen mit 40 Handelsexperten aus aller Welt unter dem Titel "The Great Trade Collaps" die Lage des Welthandels untersucht.

Von der Erholung werden jedoch die Schwellen- und Entwicklungsländer stärker profitieren als die Industrienationen. Ob der internationale Warenaustausch wieder seine traditionelle Lokomotivfunktion für die Weltwirtschaft einnehmen kann, ist keineswegs ausgemacht.

Experten fürchten neue Handelsbarrieren

Angesichts der schwachen Binnennachfrage in vielen Industrieländern ist es unklar, ob Exportnationen wie Deutschland, China und Japan genügend Absatzmärkte finden. Risiken für den Welthandel drohen nicht nur durch einen erneuten wirtschaftlichen Einbruch in 2011. Die steigende Arbeitslosigkeit könnte zum Aufbau neuer Handelsbarrieren führen und dadurch den Freihandel bremsen.

Der Welthandel war durch die Finanz- und Wirtschaftskrise eingebrochen. "Es war der stärkste Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte Baldwin. Im ersten Halbjahr 2009 kollabierte das weltweite Handelsvolumen um rund 20 Prozent. Seit Mitte des Jahres ist der Warenverkehr jedoch auf dem Weg der Besserung. Nach Berechungen der niederländischen Denkfabrik CPB ist das globale Handelsvolumen im dritten Quartal wieder um gut vier Prozent gestiegen. Dennoch wird der Welthandel 2009 unter dem Strich um etwa zehn Prozent schrumpfen. Die globale Wirtschaftsleistung wird nach der Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) dagegen nur um gut ein Prozent zurückgehen.

Bereits in früheren Rezessionen ist der Welthandel im Schnitt fünfmal stärker gesunken als der globale Output. Umgekehrt lagen die Wachstumsraten in guten Zeiten meist deutlich über jenen der Weltwirtschaft und haben die Produktion befördert. Dass die negative Reaktion diesmal weitaus stärker ausfiel, ist eine direkte Folge der Globalisierung. Die Wertschöpfungskette bei der Herstellung eines Produkts kennt heute keine Grenzen mehr. Viele Waren werden rund um den Globus versandt, bevor sie als Endprodukt den Verbraucher erreichen. Etwa ein Drittel des Warenaustausches findet innerhalb von multinationalen Konzernen statt. Dadurch wird der Welthandel um ein Vielfaches angetrieben, obwohl die Produkte nur einmal zur weltweiten Wertschöpfung beitragen.

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