Ökonomen warnen
„Weltwirtschaft anfällig für geopolitische Schocks“

Iran-Krise, Syrien-Krise und jetzt Unruhen in der arabischen Welt infolge eines Schmäh-Film aus den USA: Ökonomen blicken mit großer Sorge auf den Nahen Osten. Eskaliert die Lage, droht die Weltwirtschaft abzuschmieren.
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BerlinJoschka Fischer ist kein Ökonom. Der ehemalige deutsche Außenminister lag aber mit seiner jüngsten Einschätzung über den Nahen Osten nicht ganz falsch – auch wenn just zu der Zeit, als seine Überlegungen im Handelsblatt veröffentlicht wurden, noch nicht absehbar war, dass ein islamfeindlicher US-Film zu einer regelrechten Gewaltwelle in der arabischen Welt führen würde. „Die kommenden Monate drohen gefährlich zu werden. Mehrere schwere regionale wirtschaftliche und politische Krisen könnten sich zu einer Megakrise verbinden, die dann zu sehr heftigen globalen Erschütterungen führen wird“, schrieb Fischer. „Die Trommeln des Krieges im Nahen Osten wurden und werden immer lauter geschlagen.“

Fischer bezog sich auf die Syrien- und in die Iran-Krise und darauf, dass alle Welt mittlerweile von einer „militärischen Option“ rede. Sollten solche Prophezeihungen eintreffen, werde es keine begrenzbare „chirurgische Operation“ geben, „sondern den Beginn zweier Kriege: einen von den USA und Israel geführten Luftkriegs und einen von Iran und seinen Verbündeten geführten asymmetrischen Krieges. Da bliebe nicht allzu viel begrenzt“, warnte Fischer. Ein solcher Krieg am Persischen Golf, der „Tankstelle der Weltwirtschaft“ – träfe den Ölexport, und der Ölpreis ginge durch die Decke.

Fischers ökonomische Sorge wird jetzt auch von führenden deutschen Volkswirten geteilt. Denn die Lage hat sich inzwischen gefährlich zugespitzt. Nach den Freitagsgebeten gab es heute in mehreren islamischen Ländern Proteste gegen die USA und Israel. Aufgebrachte Demonstranten in der sudanesischen Hauptstadt Khartum griffen die deutsche und die britische Botschaft an.

Nahe der US-Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo ging die Polizei mit Tränengas gegen Steine werfende Demonstranten vor. Im Jemen feuerten die Sicherheitskräfte Warnschüsse ab und setzten Wasserwerfer ein, um die Menge von der US-Vertretung fern zu halten. Auch im Iran, in Bangladesch und in Indonesien gingen zahlreiche Menschen auf die Straße. Anlass ist der in den USA produzierte Film über den Propheten Mohammed.

Die meisten Ökonomen äußerten die Einschätzung, dass eine weitere Eskalation die Weltwirtschaft empfindlich treffen könnte. „Die Weltwirtschaft ist anfällig für geopolitische Schocks“, sagte der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, Handelsblatt Online. „Viele Volkswirtschaften versuchen, ihre heimischen Schuldenprobleme niederzuringen, das wirtschaftliche Zukunftsvertrauen ist immer noch gering.“

Besonders nach großen Finanzschocks bleibe  die Wirtschaft lange anfällig. „Negative Einflüsse können größere Schäden anrichten als in robusteren Zeiten“, erläuterte Kater. So könne ein „sprunghaftes Ansteigen“ des Ölpreises die ohnehin schwächelnde Konjunktur in vielen Industrieländern „empfindlich“ treffen.

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Zusätzliche Unsicherheiten durch Euro-Schuldenkrise

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  • Ich finde es erschreckend, wie wenig Leute hier die Ursache mit dem Anlass vertauschen. So doof sind die Araber und die Muslime nicht, dass sie sich wegen eines so doofen Film alle so aufhetzen lassen. Da steckt ein tieferer Hass gegen ein Land hinter, das seit Jahrzehnten die arabische und islamische Welt mit Krieg und Hegemonie überzieht. Die Unruhen jetzt sind nur ein Anlass. Es geht nicht um Meinungsfreiheit. Der Zenith von Amerikas Macht ist einfach überschritten: http://irananders.de/home/news/article/arabischer-fruehling-ist-irans-zenit-der-macht-ueberschritten.html

  • Tja, das hat die liebe Finanzwirtschaft nun davon.
    Vielleicht haben ja bald alle ein IPod, aber wenn das Fladenbrot aufgegessen ist, kann man sich im Netz die Leute suchen, die daran "Schuld" sind, das es kein Brot mehr gibt.
    Die Weltwirtschaft wird Opfer ihrer eigenen menschenverachtenden Finanz- und Ressourcenpolitik.
    Wir sind in der Informationsgesellschaft angekommen, und wenn man in Afrika vor der Feuerstelle im IPod sich die "deLuxe" ansehen kann, wie andere so leben, ist das sicher eine Motivation "sich Arbeit zu suchen".
    Es wird wirklich Zeit für eine andere Finanzmoral, was ein Krämer von der Pleite-Commerzbank dazu sagt, interessiert bei diesen Gewaltwellen dann nicht mehr wirklich.

  • soll etwa das gehirn einer maus fuer mi6 geopfert werden ,welche verschwendung!!der antrag von ihm wurde doch abgelehnt oder hab ich das falsch mitbekommen.

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