Ökonomen-Warnung
Deutscher Aufschwung birgt Sprengstoff für Euro-Zone

Noch haben die EU-Staaten keine Krisenabwehr auf den Weg gebracht, da rückt ein neues Problem ins Zentrum der Euro-Debatte: der Wirtschaftsboom in Deutschland. Ökonomen sehen den ungebrochenen Super-Aufschwung mit großer Sorge. Denn die wieder erwachte Stärke der größten europäischen Volkswirtschaft entwickelt sich zum Risiko für den Euro.
  • 50

HB FRANKFURT. "Die Euro-Zone hat ein Problem: Deutschland läuft allen anderen davon, ist wirtschaftlich stabiler als der Rest", sagt Volkswirt Christoph Weil von der Commerzbank. "Die Spannungen innerhalb des Euro-Raums werden damit immer höher. Auf Dauer hält das eine Währungsunion nicht durch."

Und so ist eines der Lieblingswörter der Euro-Experten derzeit Divergenz. Während das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands nach ihren Berechnungen schon bald wieder das Niveau von vor der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht haben dürfte, hinken Länder wie Irland, Griechenland oder Spanien deutlich hinterher. Das zeigte sich bereits am Aktienmarkt. Der von Industrie- und Autowerten wie Volkswagen, Siemens und BASF dominierte Dax hat im zu Ende gehenden Jahr bisher rund 18 Prozent gewonnen und damit die europäische Konkurrenz um Längen abgehängt. Experten erwarten eine Fortsetzung des Aufwärtstrends im kommenden Jahr.

32 von Reuters kürzlich befragte Analysten sehen den deutschen Leitindex in einem Jahr im Schnitt bei rund 7625 Punkten, aktuell pendelt er um 7000 Zähler. Doch diese Zuversicht mag nicht auf den Euro überspringen. Im Gegenteil: Es sind vor allem die drohenden politischen Auseinandersetzungen zwischen potenziellen Zahlern und Hilfsempfängern, die zum Sprengsatz für die Euro-Zone werden könnten. "Wegen ihrer Vielstaaterei steht die Euro-Zone immer schlechter als die USA da, selbst wenn beide ähnliche Probleme hätten", sagte UniCredit-Experte Armin Mekelburg. Analysten sehen die Möglichkeit, dass insbesondere in Deutschland der Geduldsfaden reißt, nach dem Motto: "Warum sollen wir dafür bestraft werden, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen Jahren gesteigert haben."

Der deutsche Boom steht nicht auf der Tagesordnung der EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel in Brüssel. Sie kommen am nachmittag zusammen, um über die Folgen der Schuldenkrise zu beraten. Bei dem zweitägigen Treffen wollen sie über einen dauerhaften Rettungsschirm für angeschlagene Euro-Länder diskutieren. Dieser soll die 2013 auslaufenden Milliardenhilfen für Griechenland und andere Länder ablösen. Wie viele Milliarden Euro ein neuer Fonds umfassen soll, ist noch offen.

Experten glauben, schon ein Hilfegesuch Spaniens könnte den europäischen Schutzschild strapazieren. Doch zur Nagelprobe dürfte es kommen, falls mit Italien die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ins Schlingern geriete. Danach sieht es nach Einschätzung der Experten derzeit zwar wegen der vergleichsweise vorsichtigen Haushaltspolitik und einem insgesamt stabilen Bankensystem nicht aus. Sollte sich jedoch eine Spekulationswelle gegen die Euro-Zone aufbauen, wäre Italien möglicherweise vor einem Angriff nicht sicher.

Seite 1:

Deutscher Aufschwung birgt Sprengstoff für Euro-Zone

Seite 2:

Kommentare zu " Ökonomen-Warnung: Deutscher Aufschwung birgt Sprengstoff für Euro-Zone"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Guten Tag Herr Europäer,

    ich habe das „Römische Reich“ vergessen.

    Vielmehr verbinde ich einen mehr „universalen Gedanken mit den Römischen Reich.

    Dieses Gebiet umfasste die „zivilisierte Welt“. Das Mittelmeer war ein binnengewässer in der Endphase sogar ein Christliches Reich (Das Christentum war Staatsreligion).

    Städte wie Karthago, Rom, Damaskus hatten sogar bischöfe, Ägypten, Kleinasien (heutiges Staatsgebiet der Türken) waren Christlich.

    Der Kaiser war oberster „Hirte“ die bischöfe auch von Rom und Konstantinopel, waren dem Kaiser untergeordnet.


    Die Zivilisatorischen Errungenschaften der „Römer“ sind nicht vergessen.

    Es gibt aber auch Schattenseiten. Die „Römer“ haben sich so verhalten wie die z. b. „Amerikaner“, sie verübten nicht nur vielfachen Völkermord (Holocaust) sondern „Vernichteten Komplette“ Völker (Kinder, Frauen, Männer) Es gab keine ÜbERLEbENDEN!!!

    Viele Kulturen in Europa verschwanden für alle Zeiten. Die Taten der Römer, Engländer, Juden, „Amerikaner“ etc. muß man natürlich im Kontext sehen.

    Das Römische Reich (angefangen als Königtum, dann Republik bis zum Kaisertum) war ein Sklavenstaat, wie das Osmanische Reich oder wie bei den Arabischen Stämmen.

    Pax Romana: Darunter fällt auch die Definierung von Sachen: Tiere, Sklaven etc.

    Auch wir haben wie viele andere Europäische Staaten „Teile des Römischen Rechtes“ übernommen. (Wie gesagt eine große Leistung)

    Jede Gesellschaft die sich auf, Sklaven, „Hilfsvölker“ und ausländischen Arbeitnehmern dauerhaft einlässt, wird STATiSCHER.

    Eine Veränderung in der Gesellschaft wird entweder gestoppt oder verzögert.

    Ein beispiel: Heron von Alexandria entwickelte einen Vorläufer der DAMPFMASCHiNE, für eine Gesellschaft die auf „Sklaverei“ aufgebaut ist diese Erfindung uninteressant oder sogar schädlich.

    Auch unsere Gesellschaft ist deutliche STATiSCHER geworden.
    (WARUM haben wir keine NEUEN iDEEN für EUROPA und hören nur: iMMER WEiTER aber niemals mehr WOHiN????)

    Die Poltische „Zersplitterung“ Europas ist ein Problem/Aufgabe eine Lösung dafür habe ich nicht weder durch eine Hegemonialmacht wie Russland oder die Deutschen Staaten die zwar ein Gewicht in Europa besitzen aber zu klein sind den Kontinent zu beherrschen. Wobei diese Staaten dazu auch kein interesse besitzen.

    Eine Möglichkeit wäre ein „äußerer Feind“ vielleicht die Türkei (Einfallstor für illegale) oder der „islam“ aber die islamischen Länder sind gespalten und die „Lehren des islam“ darf jeder verbreiten (kein Kirche, wer den Koran ließt darf sich als iMAN bezeichnen)

    Wir bräuchten eine andere idee!!!!

    Vielleicht:

    Eine EFTA, ein Entwicklungsfond für alle Europäischen Staaten, Zusammenarbeit, Kooperation aber das sind auch nur Worthülsen.



    Viele Europäische Staaten haben „innenpolitische Probleme“ es gibt den Geburtenrückgang (Russland -500.000 pro Jahr, bRD -200.000 etc.) die Soziallasten steigen in vielen Ländern damit einhergehend auch die Verschuldung.

    Außenpolitisch z. b. die illegale Einwanderung (invasion?)

    Die Militärischen Möglichkeiten besitzen nur noch Länder wie Frankreich oder England ansonsten verlieren die meisten immer mehr die Möglichkeiten zur Aktion.

    Wir werden in Zukunft mehr und mehr unserer „schwindenden Ressourcen“ im inneren verwenden und können froh sein wenn unsere Nachbarn zu keiner belastung werden (z. b. haben die Franzosen ihre Asyllager (viele Zigeuner = ACHTUNG keine WERTUNG) an der Deutsch/Französischen angelegt und diese Menschen rauben und plündern in der bRD.

    Für ideen für Europa wäre ich dankbar!!

    Persönlich halte ich die EU für gescheitert!!!

    aber nicht EUROPA!!!!

  • Sehr geehrte Kommentator/innen,
    ihre Meinung in allen Ehren, aber es liest sich hier wie ein brei aus Frustration, Meinungsmache und persönlicher Überzeugung. Richtig, zu einem Kommentar gehört die persönliche Meinung, die sich jedoch nach Aufzeigen der Faktenlage anschließt. ich sehe bei ihnen weder politisch-,wirtschafts- oder finanzwirtschaftswissenschaftliche Analysen der Fakten. Sie urteilen allesamt - aus dem bauch heraus - über Jahre bis Jahrhunderte der Geschichte, Politik und der Wirtschaft. Es ist diese Vermessenheit, diesen Wust aus informationen wirklich verstanden haben zu wollen, die ihre "Kommentare" als amüsant erscheinen lassen. Niemand kann die Komplexität der Realität in Gänze erfassen, aber wir sollten uns zumindest Mühe geben, das bild ein wenig schärfer zu stellen.

    Mit besten Grüßen

  • @ no 7:
    es ist vollkommen egal warum der euro eingeführt wurde und wer darauf gepocht hat. und man kann darüber streiten, wie stark der wirtschaftseinbruch wäre, wenn die d-mark zurückkäme. und ob der rettungsschirm insgesamt billiger ist als die rückkehr zu d-mark.

    das ist aber eigentlich irrelevant, denn es geht vielmehr darum:
    fakt ist, dass diese ganzen rettungsschirme vor allem eines bedeuten: sozialstaatsabbau, geringere löhne in deutschland und noch knapperes budget in d.
    deutschland ist aber jetzt schon im roten bereich. dei politik ist praktisch handlungsunfähig aufgrund des schuldenbergs (ich kann ihnen dazu einen umfangreiche literatur empfehlen).
    wenn jetzt auch noch andere länder subventioniert werden müssen, dann wird sich praktisch zu 100% eine anti-euro partei bilden, die früher oder später dafür sorgt, dass deutschland aus dem euro austritt.
    deswegen sollte man das experiment euro jetzt besser kontrolliert beenden, denn es wird sowieso bald beendet - dann aber möglicherweise unter chaotischen umständen.

    und außerdem:
    der rettungsschirm (und diese gestern beschlossene änderung der eu verträge) verstoßen sowohl gegen das deutsche gg als auch gegen die europäischen verträge. das bverfg muss, will es nicht jede glaubwürdigkeit verlieren, die rettungsschirme stoppen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%