Ökonomenrat
Was gegen US-Entlassungswellen zu tun ist

Allein 4,1 Millionen Arbeitsplätze gingen von Januar bis September 2009 in den USA verloren – vom Banker bis zum Automechaniker. Ein Job-Motor muss her.
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NEW YORK. Ein Job-Motor für die USA könnte den Millionen Arbeitslosen wieder passable Gehaltsschecks verschaffen und so den Konsum und die Umsätze der Unternehmen nachhaltig ankurbeln. „Doch der Wachstumstreiber der Zukunft ist nicht in Sicht“, sagt Joel Naroff, Gründer des Beratungs- und Analysehauses Naroff Economic Advisors. Der Staat, so die Erkenntnis vieler Arbeitsmarktexperten, muss deshalb auch in den nächsten Jahren eine große Rolle bei der Schaffung von neuen Stellen spielen.

Gesundheit, erneuerbare Energien und Infrastruktur sind die Branchen, die in Zukunft einen Großteil der neuen Arbeitsplätze schaffen sollen. In all diesen Bereichen plant die US-Regierung große Neuerungen. Doch der Branchenmix, fürchten Ökonomen, wird den Arbeitsmarkt nur sehr langsam vorantreiben können.

Rund acht Mio. Stellen wurden seit Beginn der Krise in den USA vernichtet. „Bis diese Anzahl an Arbeitsplätzen wieder geschaffen wird, können sechs Jahre vergehen“, sagt Unicredit-Volkswirt Harm Bandholz. „Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie die Nachfrage auch mit weniger Personal stemmen können.“ Statt neue Mitarbeiter einzustellen, würden sie deshalb eher die Produktivitätsgewinne nutzen, um so ihre Bilanzen zu stützen.

Die Obama-Regierung investiert Milliarden, um die USA umwelt- und klimafreundlicher zu machen. Doch die grünen Technologien, die als großer Hoffnungsträger gelten, werden als Wachstumstreiber nicht ausreichen. 100 Mrd. Dollar an öffentlichen Investitionen könnten nach Berechnungen des Think Tanks Economic Policy Institute rund 1,1 Mio. neue Jobs schaffen. Aber: Jedes Jahr kommen rund 1.5 Mio. neue Erwerbsfähige auf den Arbeitsmarkt. „Der Gesundheitssektor ist der einzige, der durch die Krise hindurch Jobs geschaffen hat“, sagt Sylvia Allegretto, Arbeitsmarkt-Ökonomin an der University of California in Berkeley. Seit Beginn der Rezession in Dezember 2007 wurden rund 550 000 Stellen geschaffen. Doch der positive Effekt ist auch hier schnell verpufft. Allein im Januar wurden branchenübergreifend über 700 000 mehr Jobs gestrichen als neue hinzugekommen sind.

Ohne großen Job-Motor werde die Arbeitslosigkeit über Jahre hoch bleiben, sagt Bandholz von Unicredit. 2015 werde sie bei etwa sechs Prozent liegen statt wie vor der Krise bei 4,5 Prozent. Die Regierung müsse sich daher über ein längerfristig angelegtes soziales Netz Gedanken machen. „Die USA braucht noch mehr Umverteilung. Das ist auch eine neue Realität, auf die sich Washington einstellen muss“, so der Ökonom.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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